Luftkinder

von Ysabel Fantou, Antonia Simon (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 10. April 2016

Luftkinder

Es ist schwer sich mit den Themen Kindertod und Kindertrauer auseinander zu setzen. Verständlich, denn Kinder haben Fragen, auf die wir oft selbst keine Antwort wissen. Doch gerade deswegen ist es wichtig, offen darüber zu sprechen. Nicht nur um sich gegenseitig zu trösten und Kraft zu spenden, sondern auch um gemeinsam nach Antworten zu suchen. "Luftkinder" von Ysabel Fantou und Antonia Simon ist ein wunderschönes Bilderbuch, das sich genau diesem Thema widmet.

Bei einem Spaziergang mit ihrem Hund durch den Wald entdeckt das Mädchen Antonia hoch oben in den Bäumen ein Schloss. Es leuchtet durch die Zweige hindurch und aus seinen Fenstern kommen bunte Seifenblasen geflogen. Neugierig klettert Antonia hinauf und trifft oben ihre beste Freundin Anna. Doch wie kann das sein? Anna ist doch tot. Wie kann sie hier oben fröhlich durch die Räume tanzen und mit Antonia so viel Spaß haben? Anna erzählt ihrer Freundin, dass sie jetzt ein Luftkind ist. Luftkinder sehen hier oben aus wie immer, doch je näher sie der Erde kommen, desto durchsichtiger werden sie. Doch sie versichert Antonia, immer in ihrer Nähe zu sein, vor allem dann, wenn das Mädchen sich an die gemeinsame Zeit erinnert.

"Luftkinder" ist ein tröstliches Bilderbuch über das Leben und das Sterben. Es gibt Kraft und Hoffnung, jenen wieder zu begegnen, die der Tod uns (manchmal viel zu früh) genommen hat. Natürlich nicht so, wie es die Autorinnen in diesem Buch erzählen, aber andererseits - warum nicht? Ein schöner Gedanke, finden wir.
Doch die Geschichte zwischen den Buchdeckeln ist viel mehr. Es ist eine Erinnerung an Anna, die es wirklich gab, die genauso wie die Anna aus der Geschichte als Baby erkrankte und ihren Kampf gegen die Krankheit verlor. Antonia war ihre beste Freundin. Gemeinsam hatten sie viel Spaß, haben eine schöne Zeit erlebt, doch viel zu früh mussten sie Abschied voneinander nehmen. Antonia trägt ihre Freundin stets in ihrem Herzen, was in den Zeilen dieses Kinderbuchs sehr deutlich wird. Die Geschichte hat Ysabel Fantou, die Mutter von Anna, geschrieben. Die Erzählung ist voller Poesie, Gefühl und Lebensfreude. Es ist eine traurige Geschichte, aber gleichzeitig auch eine freudige. Anna ist nicht mehr unter uns, doch die Erinnerung tragen die Menschen, die sie lieben, weiter in ihren Herzen. So ist Anna nie wirklich verschwunden, sondern bleibt immer bei ihnen. Das gibt Kraft und Mut, mit diesem tragischen Schicksal fertig zu werden und das Leben wieder genießen zu können.
Die Illustrationen zur Geschichte stammen von Antonia Simon. Sie ist Annas beste Freundin und das Mädchen, das mit seinem Hund durch den Wald spaziert. Sie hat sich und ihre Freundin beim gemeinsamen Spielen gemalt - so, wie sie es früher immer zusammen getan haben. Antonias Mutter, Stefanie Simon, hat ihre Tochter unterstützt und mit ihr ausprobiert, welche Farb- und Drucktechniken am besten zu den Bildern passen. Am Ende erstrahlen alle Bilder in einem frischen, frühlingshaften Grünton. Es hätte keine bessere Farbe für dieses Buch gewählt werden können. Grün steht für das Leben, für die Hoffnung und Zuversicht und hat eine heilende Wirkung auf die Seele. Alle diese Eigenschaften treffen auch auf die Geschichte und das Werk in seiner Gesamtheit zu.
Vor diesem Hintergrund ist "Luftkinder" viel mehr als nur eine Geschichte über Kindertod und Trauer. Es ist ein sehr persönliches und emotionales Buch. Es ist eine Geschichte, die jeden Leser berührt und glücklich macht, beide Mädchen kennenlernen zu dürfen.

Ysabel Fantou und Antonia Siomon schufen mit ihrem Bilderbuch "Luftkinder" ein wunderschönes, poetisches und gefühlvolles Werk zu den Themen Tod, Trauer und Abschied. Die Geschichte spendet nicht nur Trost und Kraft, sie gibt auch die Hoffnung, geliebten Menschen wieder zu begegnen, die der Tod uns genommen hat. Menschen, die man immer in seinem Herzen trägt.

Details

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