Liebestot

von Brigitte Blobel
Rezension von Janett Cernohuby | 19. Mai 2013

Liebestot

Von einem geliebten Menschen verlassen zu werden, ist immer schmerzhaft. Erlebt man solche Dinge öfters und ist man zudem ein sensibler Mensch, der mit Verlusten nur schwer fertig wird, kann dies auf die Psyche fatale Auswirkungen haben. In ihrem Jugendroman "Liebestot" erzählt Brigitte Blobel von Verlust, Schmerz und der Sehnsucht nach dem Tod. Wir wollten uns dieses Werk einmal genauer ansehen.

Die siebzehnjährige Merle ist ganz fasziniert von dem Jungen, den sie vor einiger Zeit über Facebook kennengelernt hat. Natürlich hat sie Noah noch nie persönlich getroffen, dafür ist die Entfernung zwischen Hamburg und München doch zu groß. Dennoch spürt sie eine tiefe Verbundenheit mit ihm und als er sie bittet, für zwei Wochen gemeinsam mit ihm nach Schottland zu fahren, ist Merle natürlich sofort dabei. Was sie jedoch nicht weiß: Noah wurde vor kurzem von seiner Exfreundin verlassen. Seither verspürt er eine unglaubliche Sehnsucht nach dem Tod. Er plant seinen Selbstmord, nein er inszeniert ihn regelrecht. Da er aber keineswegs alleine sterben möchte, so wie seine Mutter damals, sucht er ein junges unschuldiges Ding, welches ihm bedienungslos in den Tod folgt. Natürlich erzählt er Merle nichts davon. Im Gegenteil. Er lockt sie unter falschen Tatsachen nach Schottland, verhält sich ihr gegenüber mal freundlich, mal rücksichtslos. Als sie schließlich auf Ponys in nördliche Richtung aufbrechen, zeigt er ihr endlich sein wahres Gesicht. Doch Merle will nicht sterben und versucht verzweifelt, gegen Noah zu kämpfen. Doch wer soll ihr hier oben in der Einsamkeit helfen? Hier, wo es keine Straßen, keine Dörfer, ja nicht einmal vereinzelt Gehöfte gibt?

Ein Plot, ein Klappentext der sich vielversprechend und spannend liest - ein gutes Mittel um Leser zu locken. Doch dann folgt hier die Ernüchterung. Während viele Bücher mit einem schwachen Ende enttäuschen, ist es bei diesem Werk eher der Anfang, der einen zweifeln lässt. Denn wie kann man in der heutigen Zeit so einfältig sein, einem wildfremden Menschen in die Einöde Schottlands (oder welchen Landes auch immer) folgen? Wie können Eltern ihrer siebzehnjährigen Tochter dies auch noch erlauben? Wo sind die Freunde, die im normalen Leben hellhörig werden und einen vor drohender Gefahr warnen? Natürlich wissen wir, dass nicht alle Internetbekanntschaften ein fatales Ende nehmen und dass nicht alle Menschen aus dem Web psychopathische Mörder sind. Dennoch wissen wir auch, dass so viel anfänglicher Leichtsinn nicht gut endet - und sich einem so der Gedanke "selbst Schuld" aufdrängt.
Doch betrachtet man diesen Anfang als Aufhänger für die späteren Ereignisse, als Notwendigkeit, um die Geschichte in Gang zu bringen, erhält man für den Rest der Lektüre Nervenkitzel und fesselnde Spannung. Denn Brigitte Blobel hat hier einen Thriller geschrieben, den man im weiteren Verlauf der Handlung nur schwer zur Seite legen kann. In einem Handlungsstrang erzählt sie von der jungen Merle, die einem geistig kranken jungen Mann nach Schottland in die Einsamkeit führt. Während der Leser im Gegensatz zur Protagonistin weiß, was dieser bevorsteht, glaubt das Mädchen anfangs noch, einen romantischen Abenteuerurlaub vor sich zu haben. Im zweiten Handlungsstrang begleitet man zwei schottische Polizisten, die durch zwei angeschossene Ponys auf die Spur von Noah kommen. Anfangs wissen die beiden zwar nicht, worauf das alles hinausläuft, dennoch ist ihnen klar, dass es sich hierbei um eine hässliche Angelegenheit dreht. Bald schon werden sie in dieser Vorahnung auch bestätigt.
Der zweite Handlungsstrang um die schottischen Polizisten beginnt im Buch zeitgleich mit Merles Ferien, spielt jedoch schon einige Tage später. Erst nach und nach nähern sich die Zeiten der beiden Linien aneinander an und verbinden sich. Dieses anfänglich noch leicht irritierende Stilmittel verleiht dem Buch zusätzlichen Nervenkitzel. Denn während man zuerst liest, was die Polizisten herausgefunden haben oder gar noch vermuten, wird dies kurz darauf durch Merle und ihren seltsamen Reisebegleiter bestätigt. Dadurch wirkt der ganze Roman noch bedrohlicher, die Zeit noch knapper und an eine Rettung Merles glaubt man eigentlich gar nicht mehr. Man sieht sie schon gleichzeitig mit Noah die Klippen hinabstürzen und an den Felsen zerschmettern - auch wenn man bis zuletzt hofft, dass alles ein Gutes Ende nimmt.

Trotz anfänglich schwachem und unglaubwürdigem Start legt Brigitte Blobel ihren Lesern einen Thriller vor, wie er kaum spannender und packender sein kann. Ein gelungenes Buch, welches nicht nur unterhält, sondern auch noch einmal ermahnt, dass man nicht jedem aus dem Internet sofort vertrauen soll - natürlich soll man auch nicht jeden als Psychopathen vorverurteilen. Ein gesunde Portion Misstrauen macht die Mischung.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    04/2013
  • Umfang:
    288 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    12 Jahre
  • ISBN 13:
    9783570155509
  • Preis:
    14,99 €

Bewertung

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