Ein Haus für mich allein

Antolin Quiz
von Jenny Hughes, Jonathan Bentley
Rezension von Janett Cernohuby | 02. April 2015

Ein Haus für mich allein

Je älter Kinder werden, desto größer wird auch ihr Wunsch nach Selbständigkeit und Unabhängigkeit, wenngleich sie es nicht bewusst wahrnehmen. Das beginnt damit, dass sie selbst versuchen, sich fortzubewegen, sich alleine anziehen, alleine irgendwohin gehen wollen, bis hin zum Auszug. Auch die kleine, pardon, große Emma möchte ausziehen, wovon Jenny Hughes und Johnathan Bentley in ihrem Bilderbuch "Ein Haus für mich allein" erzählen.

Eines Morgens beschließt Emma auszuziehen. Sie erklärt ihrem Papa, dass sie mittlerweile schon ziemlich groß geworden und das Haus zu klein für alle ist. Nach einer kurzen Suche weiß Emma auch genau, wo sie hinziehen will. Hoch hinauf in die Äste des Baumes. Dort oben baut Papa ein Baumhaus. Ein richtig tolles mit Treppe und Geländer zum herunterrutschen, mit Badewannenspielplatz zum Schnorcheln, einem Schrank, um schmutzige Tassen darin zu verstecken und einem blauen Bett, um darunter alle Schätze zu legen.
Doch als Papa sich verabschiedet wird es Emma ganz flau im Magen. Denn auch wenn ihr neue Haus toll geworden ist, fehlt es darin an Wärme und Geborgenheit. Da hilft auch Papas weicher Pullover nicht. Doch zum Glück ist im Haus von Papa immer Platz sie - egal wie groß sie ist.

"Ein Haus für mich allein" ist eine rührende, gefühlvolle Geschichte ums Größer- und Selbständigerwerden. Wie viele Kinder fühlt auch Emma sich groß und alt genug für mehr Selbstständigkeit. Sie weiß genau was sie möchte, hat ganz klare Vorstellungen. Sie will ein eigenes Haus mit eigenem Bett, Spielplatz und Stühlen für ihre Gäste. Besonders in dieser Darstellung von Emmas Wünschen wird die kindliche Naivität und die kindliche Reife deutlich. Sie sehen alltägliche Gegenstände und Ereignisse, verstehen sie aber völlig anders. Der Schrank zum Verstecken der schmutzigen Tassen ist dabei die beste Anspielung. Sehen Kinder so einen Geschirrspüler? Mama und Papa stellen das schmutzige Geschirr einfach wieder in den Schrank, wenngleich einen anderen?
Doch auch der Wunsch nach einem Ofen zum Kuchenbacken - nicht wegen dem Kuchen als Endergebnis, sondern wegen dem Ausschlecken der Teigschüssel, das Bett als Versteck für kleine Schätze und nicht als Ruhestätte, zeigen sehr deutlich, mit welchen Augen Kinder unsere Welt noch sehen und welche Bedeutung sie bestimmten Alltagsdingen beimessen.
In gewisser Weise lässt sich dieses Denkverhalten auch auf den Wunsch nach Unabhängigkeit und einem eigenen Zuhause ableiten. Mama und Papa sind groß und haben ein eigenes Zuhause. Also brauche auch ich eines, um wirklich groß zu sein. Wenn es doch nur so einfach wäre, denn ein Heim aus vier Wänden ersetzt keine Wärme, Liebe und Geborgenheit. Und die braucht Emma, die stellvertretend für Kinder steht, noch sehr. Das zeigt sich besonders deutlich am Ende des Buches.
Im Ablauf der Geschichte ist auch das Verhalten des Vaters toll. Er widerspricht seiner Tochter nicht, er belehrt sie nicht. Nein, er lässt sie ihre eigenen Erfahrungen sammeln und hilft ihr dabei. Ganz nach ihrem kindlichen Wunsch fertigt er das Baumhaus mit allen tollen materiellen Extras. Als er fertig ist und der Abend kommt, geht er festen Schrittes in sein eigenes Zuhause. Die skeptischen und ängstlichen Einwände seiner Tochter scheint er erst einmal abzutun und weiß auf alles eine gute Antwort. Erst am Ende, als Emma ihren Wunsch nach Geborgenheit erkennt, erklärt er ihr, dass sie immer und jederzeit in ihr Elternhaus zurückkehren kann. Egal wie groß sie schon geworden ist, egal wie klein das Haus scheint.
Ein Wort noch zu den Illustrationen. Diese sind, genauso wie die Geschichte, sehr stimmungsvoll gelungen. Nicht nur weil sie die geschriebenen Worte wiedergeben und das Buch in seinem Gesamtbild vervollständigen. Sondern auch weil sie mit nostalgisch anmutendem Pinselstrich gezeichnet wurden.

Zusammengefasst ist "Ein Haus für mich allein" eine stimmungsvolle und gefühlvolle Geschichte über den Wunsch nach Unabhängigkeit und das Bedürfnis nach Geborgenheit. Es ist ein Buch für Kinder, aber auch für ihre Eltern. Und es ist ein Buch, dass wir sehr empfehlen können.

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Bewertung

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