Die Überlieferung der Welt

Die Überlieferung der Welt

von Selin Visne
Rezension von Emilia Engel | 19. Mai 2020

Die Überlieferung der Welt

Die Neuen Götterlande sind aufgeteilt in fünf Nationen, benannt nach den jungen Göttern, die einst in dieses Land geflüchtet sind. Die Adeligen sind mit besonderen Kräften gesegnet - jede Nation hat ihre eigenen Gaben. Diese sollen die Menschen führen und mit Hilfe ihrer heiligen Schrift “Die Überlieferung der Welt” ihr Volk schützen. Doch die Zeiten scheinen im Wandel begriffen, denn schon längst ist nicht mehr alles so wie es einst gedacht war. 

Laelia ist eine siebzehnjährige junge Frau, die aufgrund eines tragischen Unglücks in der Familie gezwungen ist, sich als Taschendiebin zu versuchen. Anders würde Laelia mit ihrem kleinen Bruder und ihrer beeinträchtigten Mutter nicht über die Runden kommen. Doch ihr Tun bleibt keineswegs unbemerkt. Nero, der Herr der kriminellen Unterwelt, ist auf ihre Diebeszüge aufmerksam geworden und sieht es gar nicht gern, dass ihm jemand in seinem Territorium in die Quere kommt.
Hadrian ist schon lange Teil von Neros Welt. Schon als Junge ist er bei ihm in die Lehre gegangen. Teils aus Neugierde, teils aber auch aus Trotz den Eltern gegenüber, denn nötig hat es der Senatorensohn nicht, dass er sich seine Zeit mit Diebstahl und anderen kriminellen Machenschaften vertreibt. Nun ist er als junger Mann schon weit an der Spitze des kriminellen Imperiums angekommen und nur noch eine Zusage davon entfernt, die Hand Neros zu werden. Ein hochrangiger Job mit einer kurzen Lebensspanne. Als Nero Hadrian zu Laelia schickt um sie zu warnen, beginnt das Schicksal seinen Lauf zu nehmen.
Laelia ist alles andere als begeistert, dass Hadrian erneut in ihr Leben tritt - denn eine kurze Begegnung hatten sie bereits. Doch Nero bedroht Laelias Familie und so muss sie Hadrians Hilfe annehmen, der sich wegen der meist gar nicht so liebreizenden, aber hübschen  jungen Frau wagt gegen Nero zu wenden. Eine Flucht ist unvermeidlich.
Genau zur rechten Zeit taucht ein junger Seher bei den beiden auf und erzählt ihnen von seiner Vision. Gemeinsam brechen sie zu einer Mission auf, die sowohl gefährlich und langwierig ist, als auch das Schicksal ihrer Leben und das der ganzen Neuen Götterlande beeinflussen soll. Drei weitere junge Begabte müssen sie aufspüren. Es ist eine Reise voller Gefahren, Intrigen und Geheimnissen.

Selin Visne ist eine junge Wienerin, die mit diesem Buch ein fabelhaftes Fantasy-Debüt geschafft hat. Schon viele Jahre geht sie ihrer Leidenschaft nach und schreibt Geschichten. Mit ihren neunzehn Jahren kann sie nun zurecht stolz ihr erstes gedrucktes Werk präsentieren.
Für “Die Überlieferung der Welt” hat sie eine ganz eigene Welt erschaffen mit allem was dazu gehört. Zu Beginn des Buches wird uns gleich eine Karte der Neuen Götterlande präsentiert, die es dem Leser im Laufe des Buches leicht macht sich einen Überblick über das Land und die Reise der Protagonisten zu machen. Anschließend gibt es eine kurze Übersicht über die fünf verschiedenen Gruppen der Begabten und eine Erklärung zu der eigenen Zeitmessung in der Geschichte.
Die Protagonistin Laelia gehört der Gruppe der Heiler an, ebenso wie Hadrian. Laelia ist eine engstirnige junge Frau, die gern Kontra gibt, vor allem Hadrian. Ihre frühere Begegnung ist ihr etwas peinlich, doch es lässt sich nicht leugnen, dass es sehr tief in ihr Gefühle für den jungen Dieb gibt. Doch der Schatten der Vergangenheit, der Tod ihres Vaters und das Leben in Armut, haben Spuren hinterlassen. Vertrauen fällt Laelia schwer. Doch auf ihrer Reise ist es unerlässlich, sich einander zu vertrauen.
Auch Hadrian hat einen Verlust erlitten, den er immer noch nicht verarbeitet hat. Selbst wenn er nach außen hin auf hart und cool macht, ist er dennoch sensibel wenn es um das Thema Familie geht.
Divan nutzt diese Verluste um die beiden Begabten für sich zu gewinnen - ebenso wie bei Bacary, Merla und Vena, die anderen, die sie im Laufe der Reise aufsammeln. Doch dass er allen etwas verheimlicht, ist jedem klar.
Bei Hadrian und Laelia ist von den ersten Seiten an klar, dass sich da etwas anbahnt. Dass die beiden sich oft in die Haare kriegen, macht das Ganze nur unterhaltsamer. Es sind sympathische Charakteren, die man gerne auf ihrer Reise begleitet.
Die Kapitel sind jeweils aus Sicht der einzelnen Begabten geschrieben. So bekommt man einen guten, wenn auch kleinen Überblick, wie es in den jeweiligen Nationen zugeht. Auch der Einblick aus den verschiedenen Sichtweisen macht die Geschichte interessanter als wenn sie nur aus der Sicht der beiden Hauptprotagonisten geschrieben wäre. 

“Die Überlieferung der Welt” ist der Beginn einer tollen Fantasy-Reihe und ein Debüt, das sich sehen lassen kann. Wer Fantasyabenteuer liebt, kann auf jeden Fall zu diesem Buch greifen. Es gibt eine gut durchdachte Fantasy-Welt und ihre Geschichte sowie eine dezente Liebesgeschichte, die nicht kitschig oder übertrieben im Vordergrund steht. Das Ende des Buches ist spektakulär und sorgt bestimmt für jede Menge Ungeduld. Wir hoffen, dass der zweite Teil nicht lange auf sich warten lässt.

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