Die Spiegelreisende

Die Verlobten des Winters

Antolin Quiz
von Christelle Dabos
Rezension von Emilia Engel | 30. August 2020

Die Verlobten des Winters

Leser und Leserinnen, die gerne mal wieder eine richtig gelungene Jugendbuchreihe im Fantasy-Bereich mit außergewöhnlichen Charakteren suchen, sollten auf jeden Fall zu diesem Buch bzw. dieser Reihe greifen. Christelle Dabos hat eine Welt geschaffen, die so komplex und gut durchdacht ist, wie man sie nur selten findet. Zudem bietet sie den Vorteil, dass der vierte und finale Band der Reihe soeben erschienen ist. Es ist also die ideale Gelegenheit, jetzt anzufangen, wo man nicht mehr auf den nächsten Teil warten muss. Denn eines sei vorweg gesagt: Diese Reihe hat suchtpotential!

Ophelia lebt in einer Welt, die durch einen Riss zerstört wurde und die nun aus 21 Archen besteht - schwebenden Inseln anstatt einer heilen, runden Erde. Auf jeder Arche gibt es einen Familiengeist, einen Urahn, der über die Familie auf der Arche herrscht. Jede Familie weist andere Eigenschaften und magische Talente auf.
Auf Ophelias Heimatarche Anima sind die Bewohner Herrscher über die Dinge. Sie animieren leblose Gegenstände,  und hauchen ihnen Leben ein. Ophelia, ein Mädchen an der Schwelle zum Frausein, hat zwei ganz besondere Gaben. Zum einen ist sie eine außerordentliche Leserin. Das bedeutet, wenn sie einen Gegenstand mit bloßen Händen berührt, fühlt sie die Geschichte dieses Objektes. Aber Ophelia hat noch eine sehr viel bedeutendere und seltener Gabe: Sie ist eine Spiegelreisende. Sie kann durch einen Spiegel schlüpfen und durch einen anderen wieder herauskommen.
Trotz all dieser tollen Fähigkeit ist die junge Frau heillos tollpatschig, dazu noch ziemlich schusselig, gleichgültig was ihr Aussehen angeht und ungesellig.
Als ihre Eltern einer arrangierten Ehe zustimmen, bleibt Ophelia nichts anderes, als sich zu fügen, denn diese Wahl ist von höchster Stelle getroffen worden. Ihr zukünftiger Verlobter Thorn kommt von der fernen Arche Pol, eine äußerst unwirtliche und kalte Arche. Fernab von ihrer Heimat und ihrer Familie soll Ophelia nun ihre Zukunft beginnen. Einzig ihre Tante Roseline begleitet sie, um als Anstandsdame dafür zu Sorgen, dass Ophelia in den Monaten bis zur Hochzeit eine ehrbare Frau bleibt.
Doch niemand der beiden ist darauf vorbereitet, was auf dieser fremden Arche auf sie wartet. Zuallererst gibt es da den Verlobten, ein riesiger und schlaksiger Mann, der an Ruppigkeit und offensichtlichem Widerwillen Ophelia gegenüber nicht zu übertreffen ist. Thorn ist in einer äußerst hochrangigen Position, doch ist seine Herkunft nicht lupenrein - und somit leider ein allseits gehasster Mann. Seine Tante Berenilde, die sich um Ophelia kümmern soll, ist alles andere als liebevoll. Sie ist eine strenge und unerbittliche Frau, die es liebt Ophelia das Leben schwer zu machen. Das alles an sich wäre schon Grund genug zu verzweifeln, doch es kommt noch schlimmer.
Pol ist eine Arche voller Wunder, Illusionen und anderer Magie. Doch hinter all diesem Schein lauern überall Gefahren. Intrigen stehen an der Tagesordnung und vor dem Familiengeist Faruk sollte man sich ohnehin in Acht nehmen. 

Christelle Dabos hat mit “Die Spiegelreisende” eine ganz fantastische Welt erschaffen, die von der ersten Seite an ihren Leser fesselt. Es gibt so viel zu erfahren, so viele Details, die diese Welt und deren Geschichte besonders macht.
Beginnend mit feststehenden Tatsache der arrangierten Ehe tauchen wir ein in Ophelias Leben auf der Arche Anima, ihren Fähigkeiten und ihrer Arbeit als Museumsleiterin. Ophelia ist eine ganz eigenwillige Persönlichkeit und eine Romanheldin, wie man sie nicht oft findet. Fernab irgendwelcher Ideale, Konventionen oder Perfektionen ist sie eine Protagonistin wie man sie nur lieben kann. Wie kann man ein tollpatschiges, schüchternes, ewig schniefendes Mädchen nicht sympathisch finden? Doch sollte man diese junge Frau keinesfalls unterschätzen. Sie mag still sein und sich lieber zurückziehen, doch hinter dieser Fassade ist ein Verstand und eine Beobachtungsgabe, die ihr kaum jemand zutraut.
Bei Tante Roseline braucht es vielleicht etwas bis der Leser merkt, dass hinter deren ruppigem Verhalten eine liebende und fürsorgliche Tante steckt.
Thorn ist auch ein ganz eigenwilliger Charakter, Ophelia nicht ganz unähnlich. Auch er ist nicht wirklich gesellschaftsfähig, redet nicht gern und Gefühle scheint er nicht zu kennen. Für ihn zählt nur die Arbeit. Dass er Geheimnisse mit sich herumträgt, die er nicht teilt, ist Ophelia von Anfang an klar. Diese zu ergründen wird kein Leichtes sein. Was wirklich mit dieser Hochzeit bezweckt werden soll, muss Ophelia erst herausfinden.
Thorns Tante Berenilde ist eine schillernde Persönlichkeit für sich. Sie ist eine Dame von Welt, die am Hofe des Pols ein und aus geht und zu den absoluten Favoritinnen des Familiengeists zählt. Ihr Verhalten Ophelia gegenüber ist zu Beginn zwar oberflächlich nicht ganz unfreundlich, doch wie alles auf dieser Arche ist es nur Schein und nicht nur gelegentlich leidet Ophelia unter Berenildes Hand.
Im Laufe der Entwicklung gibt es noch so einige interessante und wichtige Charaktere, doch wir wollen da nicht zu viel vorwegnehmen.
Der Schreibstil ist detailreich und flüssig zugleich, sodass es dem Leser leicht gemacht wird, sich im Geiste ein ausdrucksstarkes und lebhaftes Bild von dieser fantastischen Welt zu machen. Dennoch ist die Erzählung nicht so überladen, dass man überfordert und gelangweilt wird. Schritt für Schritt erfährt der Leser innerhalb der Geschichte mehr über diese Welt.

Wer sich für “Die Spiegelreisende: Die Verlobten des Winters” entscheidet, hat eine ausgezeichnete Wahl getroffen - egal ob Erwachsene oder Jugendliche. Man sollte dieses Buch nicht unterschätzen, nur weil es in den Buchhandlungen unter der Rubrik Jugendbuch zu finden ist. Ebenso wie “Harry Potter” oder “Die Tribute von Panem” ist dies eine Fantasy-Buchreihe, die Leser aus verschiedensten Altersklassen ansprechen wird. Diese Reihe ist eine Empfehlung, die wirklich von Herzen kommt!

Details

  • Autor/-in:
  • Originaltitel:
    La Passe-miroir: Les Fiancés de l’Hiver
  • Band:
    1
  • Verlag:
  • Genre:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    03/2019
  • Umfang:
    535 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    14 Jahre
  • ISBN 13:
    9783458177920
  • Preis:
    18 €

Bewertung

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  • Anspruch:

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