Die schönsten Sagen der Brüder Grimm

von Lev Kaplan (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 14. September 2014

Die schönsten Sagen der Brüder Grimm

Kaum ein Autorenpaar hatte so viel Erfolg mit seinen Werken, wie die Brüder Grimm. Noch heute lesen Eltern ihren Kindern deren weltbekannten Märchen vor. Doch die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm trugen nicht nur Märchen zusammen, auch alte deutsche Sagen schrieben sie nieder und bewahrten sie so für folgende Generationen. Märchenkennerin Arnica Esterl hat eine Auswahl dieser Sagen zusammengestellt und sie feinfühlig für Kinder nacherzählt. Heraus kam das im Esslinger Verlag erschienene Buch "Die schönsten Sagen der Brüder Grimm".

Die Sage von "Frau Holle" eröffnet nicht nur das Buch, es lässt die Leser auch gleich stimmungsvoll in die grimmsche Sagenwelt eintauchen. Anders als im gleichnamigen Märchen wird hier nicht von den beiden Schwestern erzählt, von denen eine fleißig und die andere faul ist, sondern von Frau Holle als eine Schattengestalt, die man in früheren Zeiten darum gebeten hat, den Wunsch nach einem Kind zu erfüllen. Sie ist für Schnee im Winter verantwortlich, aber auch grünende Fluren im Frühjahr. Doch nicht immer ist eine Begegnung mit ihr gut, manchmal erschreckt sie auch die Leute, die ihr begegnen.
Schockiert hat in vergangenen Zeiten auch der Teufel die Menschen, die er besuchte. Denn meistens geht es dem Belzebub darum, Seelen für sich zu gewinnen. Im Harz versucht er es bei einem Müller, der verzweifelt danach trachtet auf einem Berg seine Mühle zu errichten. Der Teufel bietet ihm seine Hilfe an, verlangt im Gegenzug dafür des Müllers Seele. Doch dem Müller gelingt es, heil aus dem Packt mit dem Teufel herauszukommen.
Auch beim Bau des "Dom zu Köln" sind Neid und Missgunst bei Baumeistern vorhanden, was dem dem Höllenfürsten zugutekommt und letztendlich dazu führt, dass der Bau ins Stocken gerät.
Reichtum macht gierig, stolz und hart, wovon auch die Sage über "Die stolze Frau von Stavoren" erzählt.
Zwei weitere gut bekannte und verbreitete Sagen sind im Buch zu finden: "Die Kinder zu Hameln", die vielen unter dem Titel "Der Rattenfänger von Hameln" bekannt sein dürfte, und "Wilhelm Tell".
"Der Ritter mit dem Schwan" ist eine Überlieferung, deren Elemente auch in dem Grimm'schen Märchen "Die sechs Schwäne" zu finden sind.
Auch die drei Sagen "Otto mit dem Bart", "Heinrich der Löwe" und "Der Kaiser und die Schlange" haben in diesem Werk Einzug gefunden.

Es gibt kaum schönere Sagen als jene der Brüder Grimm. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass Jakob und Wilhelm sie so wundervoll erzählen und weitergeben konnten. Doch was auch immer es war, sie sind mindestens genauso wertvoll wie ihre Märchen. Daher verdienen es auch sie, nicht in Vergessenheit zu geraten und an unsere Kinder weitergereicht zu werden. Das ist mit dem vorliegenden Band sehr gut gelungen. Arnica Esterl trug hier nicht nur eine erlesene Auswahl zusammen, sie holte sie auch sprachlich und erzählerisch in unsere Zeit. Mit viel Fein- und Fingerspitzengefühl erzählte sie die Sagen nach, bearbeitete sie, ohne aber den Inhalt und vor allem den Wortklang der Brüder Grimm negativ zu beeinflussen. Das war sicherlich keine leichte Aufgabe. Ebenso zu entscheiden, welche der zahlreichen Sagen in diesem Buch Einzug halten durfte und welche nicht. Hier war es wichtig, eine gute Mischung zwischen bekannte und weniger bekannten Texten zu treffen. Das ist Arnica Esterl auf jeden Fall gelungen! Es macht Spaß, bekanntes wieder zu lesen, aber noch mehr, von Sagen zu lesen, die man bisher noch nicht kannte.
Doch bei allem Geschick für die Wahl der Texte, bei allem Talent diese erzählerisch in unsere Zeit zu holen, wäre das Buch wäre bei weitem nicht so stimmungsvoll gelungen, hätte man es nicht von Lev Kaplan illustrieren lassen. Nun mag so mancher mit seiner Bemerkung Recht haben, dass alle Gesichter der Personen gleich aussehen, dass sich die Figuren jeder Sage ähnlich sehen, aber irgendwie ist das nebensächlich. Viel wichtiger ist der Gesamteindruck. Hier legt Lev Kaplan eine Tiefe und eine Detailtreue an den Tag, bei der man sich völlig in den Bildern verlieren kann. Die Bilder sind ein Genuss für das Auge! Man sieht nicht nur einfach mal über das Bild, nein man hält inne, verweilt, versucht Details des jeweiligen Abschnittes darin wiederzuerkennen. Sie sind nicht nur eindrucksvoll gelungen, sie besitzen auch eine altvertraute Pinselführung, wie wir es aus alten Märchenbüchern unserer Eltern kennen.

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Insgesamt ist "Die schönsten Sagen der Brüder Grimm" ein wunderschönes und stimmungsvolles Buch, welches ein wichtiges Stück Kulturgut an die junge Generation weitergibt. Es enthält eine Auswahl unterhaltsamer und vor allem sehr gut nacherzählter Sagen. Es ist ein sehr wertvolles Buch in einer Zeit, in der Werte und Kulturgut manchmal zu schnell durch Neues, Modernes ersetzt werden. Es ist aber auch ein Buch für Jung und Alt, denn beim gemeinsamen Lesen kann man jene Erzählungen an seine Kinder weitergeben, die einen durch die eigene Kindheit begleitet haben. Daher ist es fast schon ein Muss für die heimische Kinderbuchsammlung.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    08/2014
  • Umfang:
    88 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    5 Jahre
  • ISBN 13:
    9783480230983
  • Preis:
    19,99 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
    Keine Bewertung
  • Gefühl:
    Keine Bewertung

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