Der Krieg und das Mädchen

von Jürgen Seidel
Rezension von Janett Cernohuby | 18. März 2014

Der Krieg und das Mädchen

Zum mittlerweile einhundertsten Mal jährt sich 2014 der Beginn des Ersten Weltkriegs. Er wird oft als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet, fanden in ihm fast 100 Millionen Soldaten einen grausamen Tod. Der Erste Weltkrieg veränderte sowohl die Menschen als auch Europas Staaten. Damit diese Katastrophe nicht in Vergessenheit gerät, gibt es speziell zu diesem Jahrestag zahlreiche Projekte und Veranstaltungen. Auch auf dem Buchmarkt, speziell im Bereich der Jugendliteratur, ist entsprechendes Material zu finden. So erschien im cbj Verlag der Roman "Der Krieg und das Mädchen" von Jürgen Seidel.

Die 17jährige Mila lebt im Berlin der 1914iger Jahre. Die Luft ist erfüllt vom nahenden Krieg. Überall auf den Straßen erklingen Parolen und Spottlieder auf die Feinde, die Schulen machen mobil und schwingen große Reden von Heldentum und Blitzsieg. Die Oberstufenklasse eines Jungengymnasiums will ein paar Tage Sommerfrische am Müggelsee verbringen. Die junge Mila reist ihnen hinterher, ist doch ihr Freund Fritz ein Schüler dieser Klasse. Doch es kommt zur Katastrophe, als in einem hitzigen Wortgefecht ein Lehrer plötzlich einen Herzanfall erleidet und stirbt. Mila und ihre Mutter geraten unter Mordverdacht, schließlich ist Milas verstorbener Vater Franzose, der Erbfeind. Bei einer Wohnungsdurchsuchung findet die Polizei Dokumente mit brisantem Inhalt. Doch wie sind sie in Milas Besitz gekommen? Von nun an überschlagen sich die Ereignisse. Es folgen Verhöre, tätliche Übergriffe auf Mila und ihre Mutter und schließlich kommt es zur Verhaftung.
Währenddessen gerät auch Fritz in einen Strudel von Ereignissen. Da ist der Krieg, dessen Beginn immer mehr in greifbare Nähe rückt, zum anderen leidet er stark unter einem regelrechten Gefühlschaos. Seine Empfindungen zu Mila werden auf eine harte Probe gestellt, obendrein provoziert er auch durch unbedachte Äußerungen Schüler, Lehrer und Freunde.
So werden Mila und Fritz in Ereignisse verwickelt, deren Ausgang weder vorhersehbar noch beeinflussbar sind...

"Der Krieg und das Mädchen" ist ein Jugendroman, der nicht immer einfach zu lesen ist. Jürgen Seidel verlangt von seinen jugendlichen Lesern sehr viel, wenn er ihnen einen Ausschnitt aus dem Leben fiktiver Oberstufenklässler zeigt, die es aber ähnlich durchaus zu zugetragen haben könnte. In ihrem Mittelpunkt stehen Mila und Fritz. Die Geschichten beider Jugendlichen sind zu Beginn des Romans in zwei Handlungsstränge aufgegliedert, die einander immer wieder kreuzen. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr werden daraus zwei parallel nebeneinander herlaufende Handlungen, die nur noch gelegentlich ineinander fließen.
Dabei gerät die Welt von beiden gleichermaßen aus den Fugen. Der bevorstehende Krieg verändert sie, ebenso wie die Menschen in ihrer Umgebung. Feindbilder werden gepflegt und nicht hinterfragt, was die Stimmung zusätzlich aufgeheizt. Zukunftsgedanken enden bei der Meldung für den Kriegsdienst. Keiner der jungen Menschen denkt darüber nach, wie es nach dem Krieg weitergeht. Ob es nach dem Krieg weitergeht. Für jeden ist das versprochene Heldentum wichtig, Fritz hofft sogar auf Heilung, Reinigung durch den Tod fürs Vaterland.
Jürgen Seidel gelingt es wunderbar, die innere Zerrissenheit der Jugendlichen überzeugend und ergreifend darzustellen. Gleichzeitig beobachtet man als Leser fassungslos, mit welcher Leichtgläubigkeit die jungen Menschen in ihr Verderben rennen, aufgeheizt durch die kriegstreiberischen Reden ihrer Eltern, Lehrer und Mitmenschen. Jürgen Seidel hat mit dieser Darstellung jedoch hervorragend den damaligen Zeitgeist eingefangen.
Ob junge Leser jedoch mühelos den Zugang zu dem Roman und seiner Geschichte finden, ist nicht garantiert. Zu anspruchsvoll sind sowohl das behandelte Thema, als auch die Erzählweise des Autors selbst. Sprachlich und inhaltlich ist das Buch zwar sehr spannend und fesselnd, jedoch ist es keine leichte Unterhaltungskost.

Insgesamt ist Jürgen Seidel mit seinem Werk "Der Krieg und das Mädchen" ein fesselnder und anspruchsvoller Jugendroman gelungen, der für seine Zielgruppe jedoch alles andere als ein einfaches Buch ist. Dennoch sollten es junge Menschen lesen, gerade da dieser eine neue Epoche einleitende Krieg in diesem Jahr seinen hundertsten Jahrestag feiert.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    02/2014
  • Umfang:
    480 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    13 Jahre
  • ISBN 13:
    9783570157633
  • Preis:
    16,99 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
    Keine Bewertung
  • Gefühl: