Der 13. Stuhl

von Dave Shelton
Rezension von Janett Cernohuby | 14. Mai 2017

Der 13. Stuhl
Nicht immer sind Anthologien eine Sammlung unterschiedlicher Geschichten zu einem bestimmten Thema. Durch so manche Kurzgeschichtensammlung zieht sich durchaus ein roter Faden, der jedes einzelne Werk mit dem anderen verknüpft, wodurch diese am Ende ein Gesamtbild ergeben. Das ist auch bei Dave Sheltons "Der 13. Stuhl" der Fall.

Dreizehn Geschichten zum Gruseln

Ein geheimnisvolles, altes Haus. Dunkle Gänge und nur ein schwacher Lichtschimmer aus einem der Zimmer. In diesem Umfeld findet sich Jack wieder. Wenn er ehrlich ist, weiß er gar nicht, warum er überhaupt hergekommen ist. Am besten wäre es eigentlich, wenn er sich einfach umdrehen würde und nach Hause ginge. Allerdings ist da etwas faszinierendes, das ihn anzieht und so geht er auf das besagte Zimmer zu. Dort drinnen sitzen zwölf  Menschen um einen Tisch versammelt, ihn offenbar erwartend. Nachdem er Platz genommen hat, beginnt die bunt zusammengewürfelte Gruppe damit, nacheinander schaurige Geschichten zu erzählen. Geschichten über Taschendiebe, Autounfälle, dämonische Katzen und verwunschene Bäume. Sie alle haben eines gemeinsam: Den Tod. Dann ist Jack an der Reihe und seine Ahnungslosigkeit über das, was er erzählen soll, ist mit einem Mal wie weggeblasen…

Eine Anthologie mit Horrorgeschichten für 12jährige Leser?

Dreizehn Horrorgeschichten plus einer Rahmenhandlung warten darauf, bereits zwölfjährigen Lesern einen Schauer über den Rücken zu jagen. Grundsätzlich ist natürlich nichts dagegen einzuwenden, wenn auch Kinder sich für die Literatur begeistern, die gruslig ist und ihnen beim Lesen eine Gänsehaut verursacht. Doch ob es moralisch und für die geistige Reife eines zwölfjährigen vertretbar ist, Geschichten über Taschendiebe zu erzählen, die ihr Opfer erschlagen, über Taxifahrer, die sich an ihren Gästen mit einer Todesfahrt rächen oder über einen dämonischen Baum, der seine Opfer erst in seine Zweige lockt, um sie dann ausbluten zu lassen, , bleibt fraglich. Hier müssen letztendlich die Eltern entscheiden, ob sie der Altersfreigabe des Verlags zustimmen oder nicht.
Rein technisch gesehen, verstehen die hier erzählten Geschichten zu begeistern. Sie sind kurz und bündig erzählt und lassen beim Leser eine schaurige Stimmung entstehen. Rasch spürt der Leser die sich anbahnende, düstere Atmosphäre, den Grusel und Horror, mit dem alles enden wird. Da alle Erzählungen vom gleichen Autor stammen, sind sie in ihrer Erzählweise und im Grundton sehr ähnlich, inhaltlich jedoch sehr unterschiedlich und thematisch vielseitig. Sie spielen in der Gegenwart und in der Vergangenheit. Sie handeln von dämonischen Tieren, alten Sagen und Überlieferungen, von skrupellosen Geschäftsleuten, Seemännern und Schriftstellern. Doch über allem schwebt noch etwas anderes, die Rahmenhandlung. Was ist das für eine illustre Gesellschaft, die sich in dem alten Haus zusammengefunden hat? Warum erzählen sie sich gegenseitig diese Geschichten und welche Rolle übernimmt dabei der geheimnisvoll aussehende Vorsitzende? Um das herauszufinden, muss man bis zum Ende weiterlesen.

"Der 13. Stuhl" ist eine gruslige Geschichtensammlung mit dreizehn düsteren, teils blutigen und garantiert immer tödlichen Erzählungen. Autor Dave Shelton spinnt um diese Erzählungen eine alles verbindende Rahmenhandlung, die als Gerüst dient und in die sich jede einzelne Erzählung sehr gut einpasst. Ob man sie allerdings schon seinem zwölfjährigen Kind zu lesen geben möchte, ist natürlich eine ganz andere Frage.

Details

Bewertung

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