Das Gift der Wüste

von Gloria Whelan
Rezension von Stefan Cernohuby | 29. Mai 2009

Das Gift der Wüste

Geschichte ist etwas, was nicht immer schön oder abenteuerlich ist, vor allem wenn man in ihrem Fluss mitgerissen wird. Dies muss auch die Protagonistin in Gloria Whelans Roman "Das Gift der Wüste" erkennen. Dieser spielt einige Jahre, bevor das osmanische Reich Anfang des 20. Jahrhunderts zerfällt. In einer so bewegten Zeit von Abenteuern zu träumen ist verwegen, denn manchmal werden derartige Wünsche auf eine Weise wahr, die man nicht erwartet.

Julia Hamilton wächst sehr behütet auf. Nachdem ihre Mutter gestorben ist, als sie noch sehr jung war, lässt ihr Vater ihr so gut wie keine Freiheit. Die Aussicht, mit ihm gemeinsam auf Reisen zu gehen, das osmanische Reich zu sehen und mit dem Orientexpress zu fahren, erscheinen ihr wie die Möglichkeit eines Ausbruchs aus ihrem goldenen Käfig. Als ihr Vater nach langem Drängen tatsächlich nachgibt und beschließt, sie mitzunehmen, kann sie ihr Glück nicht fassen. Doch noch weiß sie nicht, was sie erwartet. Denn von den Reisegefährten, die sie treffen, scheint niemand die Reise ohne Hintergedanken zu machen. Der junge Student Grahem Geddes versucht sich politisch zu engagieren, um einen politischen Umsturz zu beschleunigen, der Franzose Louvois scheint nur daran interessiert zu sein, einheimische Kunstwerke ins Ausland zu schmuggeln und die Biologin Edith scheint ohnehin alle "Ausländer" feindselig zu behandeln. Und dann ist offensichtlich sogar ihr eigener Vater für seine Regierung vor Ort, um für selbige im Fall der Fälle die interessantesten Regionen zu identifizieren. Kann sie eine solche Reise, quasi am Vorabend des Umsturzes, überstehen, ohne seelische Wunden davonzutragen? Oder muss sie mit ansehen, wie jemand, den sie liebt, durch das Gift der Wüste umkommt?

Es ist schwer zu sagen, was Gloria Whelan mit ihrem Roman "Das Gift der Wüste" bezweckt hat. Um als Jugendroman bezeichnet zu werden, erlebt die Protagonistin des Werks zu wenige "klassische" Abenteuer und die Handlung ist zu politisch. Um aber als zeit- und gesellschaftskritisches Werk zu gelten, ist der Roman zu unstet, beleuchtet Ereignisse zu einseitig und versucht auch nicht dem Leser eine bestimmte Schlussfolgerung zuteil werden zu lassen. Die Protagonistin selbst ist gut gezeichnet, so stellt man sich eine 16jährige vor, die erstmals mit Politik und Gesellschaft konfrontiert wird. Andere Elemente im Roman wirken aber willkürlich und teilweise auch ein wenig kindisch, wie zum Beispiel das Attentat auf Julias Vater, das überstürzte Abreisen des Franzosen Louvois und auch der Fanatismus des Engländers Geddes. Somit hat man insgesamt einen Roman, von dem man nicht weiß, in welche Schublade man ihn stecken soll. Abenteuer, Jungend, Geschichte, politische Bildung, kein Genre ist wirklich passend, obwohl man fairerweise zugeben muss, dass der Inhalt gut geschrieben ist. Insofern ist das Buch nur Lesern zu empfehlen, die kein Problem damit haben, nicht so genau zu wissen, was sie von ihm erwarten können. Diese werden es aber sicherlich als unterhaltsam empfinden, denn mit Abwechslung und Spannung kann das Werk allemal aufwarten. Für ein stabiles Hardcover mit ansprechendem Design ist auch der Preis von gerade einmal 12,90 Euro völlig in Ordnung.

"Das Gift der Wüste" von der amerikanischen Autorin Gloria Whelan ist ein Buch, das schwer einzuordnen ist. Irgendwo zwischen Jugendroman, historischem und politischen Roman angesiedelt, ist das Werk nicht generell empfehlenswert, aber trotzdem gut geschrieben und spannend, trotz einiger kleineren Schwächen. Wer sich also auf eine bunte Mischung einlassen will, ist mit diesem Roman sicher nicht allzu falsch bedient.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    02/2009
  • Umfang:
    286 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    12 Jahre
  • ASIN:
    9783791522432
  • ISBN 13:
    3791522434
  • Preis:
    12,9 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gefühl: