Das Geheimnis der 100 Pforten

von N. D. Wilson
Rezension von Stefan Cernohuby | 21. April 2009

Das Geheimnis der 100 Pforten

Viele Geschichten handeln davon, Pforten zu durchschreiten. Manchmal geht es um eine bestimmte Anzahl zu betreten, ein anderes Mal um die Möglichkeit, mit einem Tor in unterschiedlichste Welten zu gelangen. N. D. Wilson hat in seinem Roman "Das Geheimnis der 100 Pforten" eine weitere Möglichkeit gefunden, das Thema zu behandeln. Sein Jugendbuch erzählt nämlich von einer ziemlich reiselustigen Familie.

Nachdem seine Eltern bei einer Radtour durch Kolumbien entführt worden sind, kommt Henry zu seinem Onkel Frank und seiner Tante Dotty in Henry, Kansas. Während diese interessante Übereinstimmung aber niemandem aufzufallen scheint, muss sich der zwölfjährige Junge erst einmal in der Kleinstadt zurechtfinden.
Als er am Dachboden einzieht, entdeckt er schnell, dass sich hinter dem Putz der Wand seltsame Fächer befinden, die alle unterschiedlich aussehen. Danach stellt er fest, dass es sich dabei um Tore in andere Welten handelt, die allerdings alle relativ klein sind. Ein weiteres Geheimnis der findet er im Zimmer des verstorbenen Großvaters der Familie. Und während er und seine Cousine Henrietta sich mit selbigen beschäftigen, ist ihnen leider keineswegs klar, dass sie dabei mit dem Feuer spielen. Denn hinter einigen der Portale brauen sich Gefahren zusammen, denen die Kinder in keiner Hinsicht gewachsen sind. Wie wird das weitere Schicksal der Familie aussehen und was werden sie gegen die kommenden Gefahren unternehmen...

"Das Geheimnis der 100 Pforten" erweist sich von Anfang an als etwas seltsames Buch. Der Protagonist Henry vereinte unterschiedlichste Charakterzüge. Er ist schicksalsergeben, scheint unter Minderwertigkeitskomplexen zu leiden, gleichzeitig völlig naiv zu sein, keine eigenen Wünsche zu haben und präsentiert sich dabei stets überrascht über seine eigenen Fähigkeiten. Das einigermaßen witzlose Namensspiel mit der Stadt Henry, dem Jungen Henry und seiner Cousine Henriette wird dem Leser einfach vorgesetzt - die Charaktere scheinen dabei nicht in der Lage zu sein, die angedachte Komik auch nur ansatzweise wahrzunehmen. Auch wurde vom Lektorat an einigen Stellen nach Gutdünken mit der deutschen Sprache umgegangen. So mancher umgangssprachlicher Begriff wird nicht jedem Jugendlichen geläufig sein, da er nur in bestimmten Bereichen Deutschlands verwendet wird. Die Geschichte, die erzählt wird, ist allerdings spannend, ungeachtet der Tatsache, dass sie nicht immer ganz nachvollziehbar oder logisch erscheint. So handelt es sich bei den Hauptpersonen keineswegs um Helden, die jede Herausforderung mit Leichtigkeit meistern, sondern um Heranwachsende, die sich mehrfach verrechnen und überschätzen - und sich dadurch auch ernste Probleme einhandeln. Dabei geht es auch einige Male nicht unblutig zu, sondern im Gegenteil, einigermaßen brutal.
Fraglich ist auch die Zielgruppe. An manchen Stellen ist die Geschichte gruslig und erschreckend, an anderen wieder relativ harmlos und naiv. Aber was man definitiv sagen kann ist, dass der Autor bereits auf den letzten Seiten eine geplante Fortsetzung andeutet. Denn schließlich wurden bisher von 100 Pforten erst relativ wenige erforscht...

N. D. Wilson hat mit "Das Geheimnis der 100 Pforten" einen Jugendroman veröffentlicht, bei dem nicht ganz klar ist, wie er gemeint und wem er gewidmet ist. Durch seine spannende und abwechslungsreiche Handlung ist er durchaus lesenswert, kann sich aber von vielen anderen Werken, deren Ausrichtung etwas deutlicher ist, nicht merklich absetzen. Da er zudem als Fortsetzung konzipiert ist, kann man das Buch nur eingeschränkt empfehohlen werden.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    03/2009
  • Umfang:
    348 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    14 Jahre
  • ASIN:
    3570137503
  • ISBN 13:
    9783570137505
  • Preis:
    16,95 €

Bewertung

  • Gesamt:
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  • Anspruch:
  • Humor:
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