Der Zauberladen von Applecross

Das geheime Erbe

von Pierdomenico Baccalario
Rezension von Stefan Cernohuby | 02. August 2014

Das geheime Erbe

Der Glaube an Übernatürliches oder Magisches ist nie stärker ausgeprägt als in der Kindheit. In einem Alter, in dem man selbst noch nicht für alles eine logische, technische oder mathematische Erklärung erhalten hat, ist es schlicht einfacher an übernatürliche Zusammenhänge zu glauben. Dementsprechend ist es kein Wunder, dass Literatur, die sich um das Thema Magie dreht, Kindern auch sehr gut gefällt. In diese Kategorie könnte also auch der Jugendroman "Der Zauberladen von Appecross" von Pierdomenico Baccalario fallen.

Der Ich-Erzähler, der junge Finley McPhee, wächst in einem kleinen schottischen Dorf namens Applecross auf. Sein eher eintöniges Leben, in dem er neben der Schule nur seinen Eltern mit ihren Schafen hilft, gestaltet er dadurch ein wenig abwechslungsreicher, dass er gemeinsam mit seinem Hund Dusty angeln geht. Da im aktuellen Schuljahr jedoch eher das Angeln überhandgenommen hat, werden seine Eltern damit konfrontiert, dass er die Klasse wiederholen muss. Diese sind außer sich, haben sie ihm doch die harte Arbeit erspart, die dafür sein (eher tumber) Bruder Doug verrichten muss - der dafür auch nicht in die Schule muss. Immer noch kochend vor Wut wird er Reverend Prospero anvertraut, mit dem Auftrag, Finley tüchtig arbeiten zu lassen. Der erste Job als Aushilfe im lokalen Markt ist dank eines Ladendiebes nicht so erfolgreich. Schließlich findet der Reverend einen Posten als Aushilfspostbote für Finley, der sogar ihm gefällt. Als er einen seltsamen Brief an eine Adresse liefern soll, die er gar nicht kennt (erst sein Vater kann ihm helfen), lernt er die wilde und geheimnisvolle Aiby kennen. Sie will mit ihrer Familie einen Zauberladen wiedereröffnen. Doch da gibt es einige weitere geheimnisvolle Vorkommnisse. Einen seltsamen und verrückten Holländer, einen Engländer als Hintermann und einen Plan, welcher der Familie Lily nicht zum Vorteil gereichen soll. Welche Rolle soll nun der junge Finley dabei spielen?

Man kann "Der Zauberladen von Applecross" unter unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachten. Einerseits ist da natürlich der abenteuerliche und magische Anteil für die jungen Leser. Dieser ist durchaus vorhanden und auch gelungen. Dann ist da der der geschichtliche Anteil, beziehungsweise die Zeit, in welche das Werk passt, beziehungsweise wohin es zeitlich gehören soll. Das ist ein kleines bisschen problematisch. Denn einerseits wirkt das Buch ein wenig so, als würde es Anfang des 20. Jahrhunderts spielen - Eltern können nur ein Kind zur Schule schicken, keiner hat Mobiltelefone -, andererseits Fahren alle munter mit Autos herum und der Protagonist fragt sich, warum denn E-Mails erfunden wurden, wenn er doch Post schleppen muss. Irgendwie passt das nicht ganz ins Bild. Besitzt man Ortskenntnisse, muss man sich jedoch noch einige weitere Fragen stellen. Applecross ist im Norden Schottlands? Was ist mit der so schwierig zu passierenden "Bergstraße"? Irgendwie kommt es einem so vor, als hätte der Autor einen passenden Namen gewählt, sich aber nicht wirklich mit dem Hintergrund der Gegend beschäftigt. Die Handlung selbst ist der Zielgruppe angepasst und gelungen sowie weitgehend spannend. Auch die Illustrationen zu den vorkommenden magischen Gegenständen sind schön anzusehen, selbst wenn sich die ganze Materie doch ziemlich wie technische Ausführung liest - wobei wieder ein etwas vom Zaubers des Geheimnisvollen verloren gehen. Insgesamt ist das Buch daher trotz wunderschöner Bindung und tollen Illustrationen leider nur mittelmäßig.

Das neue Werk von "Ulysses Moore"-Autor Pierdomenico Baccalario "Der Zauberladen von Applecross" weist zwar junge Protagonisten, schöne Illustrationen und eine spannende Geschichte auf, hat jedoch im Bereich historischer Glaubwürdigkeit und Ortskenntnis einige Schwächen. Nicht zuletzt deshalb ist der Gesamteindruck daher eher nur solides Mittelmaß. Fans von Ulysses Moore werden aber sicherlich auf ihre Kosten kommen.

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