Die Spiegelreisende

Das Gedächtnis von Babel

Antolin Quiz
von Christelle Dabos
Rezension von Emilia Engel | 03. September 2020

Das Gedächtnis von Babel

Drei Jahre ist es her, seit Ophelia herausgefunden hat, dass Gott - der Tausendgesichtige - wirklich existiert. Gott hat die Familiengeister erschaffen und kann jedes beliebige Aussehen und deren Kräfte annehmen. Er ist es auch, der das Gedächtnis der Familiengeister gelöscht hat. Als Gott Ophelia und Thorn in der Nacht ihrer Hochzeit im Gefängnis gegenübertritt, sieht es nicht gut für das junge Ehepaar aus. Nur knapp können sie dem Tod entrinnen. Doch Gott scheint nicht ihr einziger Feind zu sein, denn da gibt es noch den “Anderen”, der die Archen zerstören möchte und den Untergang der restlichen Menschheit bedeutet.

Für Ophelia sind es drei unendlich lange Jahre, die sie Thorn nicht mehr gesehen hat. Nur mit knapper Not ist es ihm in jener Nacht, als sie Gott begegneten, dank Ophelias Familienkraft gelungen, durch einen Spiegel zu fliehen. Doch niemand weiß, wo er sich befindet und niemand scheint ihn zu suchen.
Ophelia selbst ist wieder bei ihrer Familie in Anima, wo sie mit Argusaugen von den Doyennen bewacht wird. Über den Verlust von Thorn kommt sie jedoch nicht hinweg. Gerade als sie sich eingestanden hat, was er ihr bedeutet, wurden sie getrennt.
Als Ex-Botschafter Archibald plötzlich auf Anima auftaucht und Ophelia mitnimmt, zögert sie nicht keine Sekunde. Gemeinsam mit seinen neuen Gehilfen Reineke und Gwenael versucht er die geheimnisvolle Arche Erdenbogen zu finden, da er glaubt den Schlüssel zu Gott dort zu finden.
Doch Ophelia zieht es ganz woanders hin. Ihre geheimen Nachforschungen in Anima haben ergeben, dass sie ihre Suche nach Antworten am Besten auf der modernen Arche Babel fortsetzen muss. Auch die Chance ihren vermissten Ehemann wiederzufinden, ist dort am größten.
Alleine auf sich gestellt beginnt Ophelia ein Leben unter dem Decknamen Eulalia und tritt in eine Akademie ein, um Zugang zum Memorial zu bekommen. Dort hofft sie Antworten zu finden. Antworten auf die Fragen, wer Gott ist, wo er ist und wie man ihn aufhalten kann.  Und wer ist dieser “Andere”, von dem Gott behauptet, Ophelia hätte ihn aus einem Spiegel befreit? Wo hält sich dieser Andere auf? Wie kann man die Zerstörung der Archen verhindern? Und natürlich die wichtige Frage von allen: Wo ist ihr Ehemann?
Dafür, dass die Arche Babel ein Ort des Wissens sein soll, ist das Schweigen jedoch  ziemlich laut und die Zensur allgegenwärtig. Antworten zu finden, wird eine schwierige Herausforderung, doch nicht unmöglich.
Zudem machen ihre Kollegen in der Akademie Ophelia das Leben ziemlich schwer. Doch Durchhalten hat sie schon auf Pol gelernt und um Thorn zu finden, ist sie bereit viel zu ertragen. Als dann die erste Tote im Memorial entdeckt wird, wird der jungen Animistin erst klar, in welch gefährlicher Situation sie sich befindet. 

Dieser Band der Reihe “Die Spiegelreisende” unterscheidet sich etwas von den beiden Vorgängerbänden. Bisher war Ophelia auf der Arche Pol mit all seinen Intrigen und Gefahren. Nun begibt sich die Protagonistin ganz alleine auf eine andere Arche, die sich komplett von ihrer Heimat Anima und dem Pol unterscheidet. Hier müssen sich sowohl die Leserschaft  als auch Ophelia erst einleben. Die Arche Babel hat wie jede Arche ihre eigenen Gesetze. Obwohl sie eine Arche von Welt ist und hier Wissen vermittelt wird, gibt es Zensur nicht nur bei den zahlreichen Büchern, sondern sogar in der Wahl der Worte, die man sprechen darf. In dieser Welt tummeln sich zwischen den Menschen auch Automaten - ähnlich Robotern, die den Menschen die Arbeit erleichtern soll.
Spannend ist es, dass sich auf dieser Arche Menschen der verschiedensten Arche wiederfinden und die Leserschaft so einen größeren Einblick in die verschiedenen Gaben bekommt. Überhaupt erfährt man in diesem Band vieles über die Vergangenheit. Es gibt immer wieder kurze Kapitel, die Einblick in die Vergangenheit der Familiengeister und Gott geben.
Ophelia begegnet in dieser Welt wieder interessanten Persönlichkeiten. Trotz aller Widrigkeit und dem berechtigten Misstrauen anderen Gegenüber schafft es die Protagonistin, die eine oder andere Freundschaft zu schließen.
Ihr Bestreben Thorn und Antworten auf ihre Fragen zu finden, treibt sie dazu, alles zu geben und alles zu ertragen. Es gibt hier wirkliches vieles, was Ophelia und die Leserschaft über diese äußerst komplexe Welt erfahren.
Dazu kommt noch die drohende Gefahr der Zerstörung der Welt. Denn die angekündigte Zerstörung durch “den Anderen” hat bereits begonnen. 

Auch der neue Band “Das Gedächtnis von Babel” ist wieder ein gelungener und fesselnd geschriebener Fantasy-Roman der Autorin Christelle Dabos. Einzelne Passagen sind vergleichsweise zu den anderen Büchern etwas langatmig, doch die vielen Antworten auf Ophelias unzählige Fragen entschädigen das. Und die Leserschaft kann sich freuen, denn erst kürzlich ist der vierte und finale Teil dieser Reihe erschienen. Also kann man sich  gleich ins Finale stürzen.

Details

  • Autor/-in:
  • Originaltitel:
    La Passe-miroir 3: La Mémoire de Babel
  • Band:
    3
  • Verlag:
  • Genre:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    11/2019
  • Umfang:
    520 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    14 Jahre
  • ISBN 13:
    9783458178279
  • Preis:
    18 €

Bewertung

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