Das Elefantenkind


Wie der Elefant zu seinem Rüssel kam...
von Rudyard Kipling
Rezension von Stefan Cernohuby | 06. Januar 2019

Das Elefantenkind

Klassische Literatur kann immer wieder neu erzählt und gegebenenfalls auch neu illustriert werden. „Das Elefantenkind“ von Rudyard Kipling, mit dem Untertitel „Wie der Elefant zu seinem Rüssel kam…“ ist eine solche Erzählung, die in der Michael Neugebauer Edition neu erschienen ist, illustriert von Jonas Lauströer.

Man weiß es heute kaum mehr, aber – so erzählt die Geschichte – früher hatten die Elefanten keinen Rüssel. Doch ein Elefantenkind war damals anders als die anderen. Dieses stellt alles in Frage und untersucht alles. Die Schwanzfedern von Onkel Strauß, die fleckige Haut von Tante Giraffe und die roten Augen der breiten Tante Nilpferd. Das führt oft zu Schlägen wegen der unersättlichen Neugierde, aber diese scheinen das Elefantenkind eher zu ermuntern, als abzuschrecken. Als die Frage nach dem Frühstück von Krokodilen zu besonders viel Gehaue führt, trifft das Elefantenkind den Kolokolovogel, der ihm einfach rät, das Krokodil selbst aufzusuchen. Mit Proviant bepackt macht sich das Elefantenkind auf den Weg, trifft noch eine Python und stößt schließlich auf das Krokodil. Und dort machen das Elefantenkind und besonders seine Nase eine Erfahrung, die bleibenden Eindruck hinterlässt.

Das Elefantenkind Rudyard Kipling

Der Text, den Rudyard Kipling 1902 in einer Geschichtensammlung veröffentlichte, mag einigen Lesern heutzutage ein wenig brutal vorkommen, denn schließlich wird der junge Protagonist beinahe in jeder Szene verhauen, bis er am Schluss den Spieß umdreht. Über den Text kann man geteilter Meinung sein – abgesehen von der Pythonfelsschlange, die ausdrucksmäßig über jeden Zweifel erhaben ist –, aber die Illustrationen sind einfach genial. Die Mischung aus minimalistischen Schwarz-Weiß-Illustrationen und farbenprächtigen beinahe-realistischen Gemälden ist wunderschön anzusehen, besonders die Auseinandersetzung zwischen Elefantenkind und Krokodil. Ob man damit zum Ausdruck bringen will, dass Neugier oft zu Verbesserung führt oder, dass jeder Schlag, den man austeilt, irgendwann zurückkommt? Was man jetzt als Moral von der Geschichte mitnehmen will, liegt wohl beim Leser selbst.

Das Elefantenkind Rudyard Kipling

„Das Elefantenkind“ oder „Wie der Elefant zu seinem Rüssel kam…“ ist eine Geschichte von Rudyard Kipling, die er ursprünglich seinen eigenen Kindern erzählte und die dann den Weg in eine Kurzgeschichtensammlung für Kinder fand. Eine der zahlreichen Übersetzungen ist nun in der Edition Michael Neugebauer von Jonas Lauströer neu illustriert worden. Das Ergebnis basiert zwar auf einer etwas anachronistisch wirkenden Geschichte, die Illustrationen dazu sind aber wirklich wunderschön geworden. Wer das Werk einmal durchgeblättert, sieht überzeugende Argumente für einen Kauf.

Details

Bewertung

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