Bom dia camaradas. Ein Roman aus Angola

von Ondjaki
Rezension von Janett Cernohuby | 08. Februar 2009

Bom dia camaradas. Ein Roman aus Angola

Der Affenbrotbaum, auch Baobab genannt, steht im Zentrum vieler afrikanischer Dörfer. Im Schatten dieses von Legenden umrankten Baumes erzählen sich die Menschen Geschichten. Hiervon ließ sich der Nord-Süd-Verlag inspirieren und nannte seine Jugendbuchreihe ebenfalls Baobab. In dieser Reihe erscheinen Bilderbücher und Erzählungen aus Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika für Kinder und Jugendliche. Rund 50 Titel aus über 20 Ländern wurden bereits veröffentlicht. Unter ihnen auch "Bom dia camaradas", ein Jugendroman aus Angola.

Dies ist die Geschichte Ndalus, eines zwölfjährigen Jungens aus Angola. Angola ist jetzt, in den 80er Jahren, ein eigenständiges Land. Vom Genossen Antonio, dem Koch der Familie, erfährt Ndalu Geschichten aus der Kolonialzeit. Doch bald wird sein Interesse auf andere Dinge gelenkt. So erfährt er eines Nachmittags, dass seine Tante aus Portugal zu Besuch kommt. Dies ist für ihn ein besonderes Ereignis, denn er kennt seine Tante nur aus Telefongesprächen. Durch den Besuch erhält Ndalu einen ersten Eindruck von den Unterschiedlichkeiten verschiedener Länder. So ist er beispielsweise sehr überrascht, als er erfährt, dass man in Portugal keine Lebensmittelmarken braucht, um Essen einzukaufen sondern so viel nehmen kann, wie man möchte. Ebenso verwundert ihn, dass die Menschen in Portugal nicht aus dem Auto steigen, wenn der Präsident vorbeigefahren kommt.
Doch der Besuch der ausländischen Verwandtschaft ist bei weitem nicht alles, was der Junge erlebt. Er wird nämlich gebeten, eine Botschaft im Radio zum 1. Mai zu verkünden. Ebenso nimmt seine Schule an der Mai-Demonstration teil und marschiert sogar an der Spitze mit. Alle diese aufregenden Erlebnisse werden überschattet von der Angst, dass eine brutale Gangsterbande die Schule überfallen will. Doch der so gefürchtete Überfall soll sich als Überraschungsbesuch des Genossen Inspektors entpuppen. Und schließlich stehen noch die großen Prüfungen am Ende des Schuljahres bevor.

Mit Charme, Witz und Humor entführt Ondjaki die jungen Leser in das Angola der 80er Jahre. Er erzählt aus dem Leben des 12jährigen Jungen Ndalu und gibt Einblicke in die Lebensgewohnheiten der Schüler des afrikanischen Landes. Dabei konzentriert er sich weniger auf politische und gesellschaftliche Strukturen, die ein Kind auch noch gar nicht wahrnimmt oder begreift. Viel mehr erzählt er mit kindlicher Unschuld und Naivität aus dem Schüler- und Pionierleben und schreibt von einschneidenden Ereignissen, wie der Ansprache im Radio, dem Besuch der Tante aus Portugal oder den Prüfungen am Schuljahresende. Alles Begebenheiten, wie sie auch Schüler aus Deutschland in ähnlicher Form kennen. Zudem lässt der Autor in seinen Roman Erinnerungen und Gefühle aus seiner Zeit als Schüler einfließen und gibt so dem Buch zusätzlich noch einen authentischen Anstrich.
Geschrieben ist der Roman in der Ich-Form. Durch diesen Stil hatte der Autor die Möglichkeit, mehr Emotionen und Gefühle des Protagonisten in das Werk einzubauen. Gleichzeitig kann der Leser in die Rolle Ndalus schlüpfen und die Geschehnisse hautnah miterleben. Dadurch können sich Jugendliche sehr bald mit dem Schüler aus dem Buch identifizieren und erkennen, dass er doch ganz ähnliche Probleme hat, wie sie selbst, auch wenn er viele tausende Kilometer weit weg lebt.
Dem Autor gelingt es, den Protagonisten überzeugend darzustellen. Er gibt ihm einen jungen, unschuldigen und lebensfrohen Charakter. Ndalu geht mit offenen, wenn auch noch naiven Augen durch die Welt. Er beginnt gewisse Dinge und Begebenheiten zu hinterfragen, versteht aber von allen noch nicht deren Bedeutung und Tragweite. Ein rundum gut ausgearbeiteter Charakter, mit dem der Autor beweist, dass er in der Lage ist, sich in die Gefühls- und Gedankenwelt eines Jugendlichen hineinzuversetzen.
Auch die Extras des Buches verdienen Aufmerksamkeit. Am Ende des Romans ist nicht nur ein Glossar beigefügt, in dem Begriffe und Namen aus Angola erklärt werden, sondern es findet sich auch eine kurze Zusammenfassung der Geschichte des Landes. Beides liefert dem jungen Leser noch zusätzliche Informationen über das afrikanische Land.

Zusammengefasst ist "Bom dia camaradas" ein gelungener Jugendroman. Das Buch erzählt von den Problemen eines zwölfjährigen aus Angola und gibt gleichzeitig auch Einblick in ein fremdes Land und eine fremde Kultur.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    08/2006
  • Umfang:
    147 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    12 Jahre
  • ISBN 13:
    9783314015144
  • Preis:
    12 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gefühl: