Der lange Weg zu dir

Antolin Quiz
von Martin Widmark, Emilia Dziubak (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 28. Oktober 2019

Der lange Weg zu dir

Der Verlust einer geliebten Person kann uns manchmal richtig den Boden unter den Füßen wegreißen. Dabei kann es egal sein, ob es sich um einen Menschen oder um ein Tier handelt. Vor allem Kinder leiden stark unter dem Verlust eines geliebten Haustiers, das sie viele Jahre lang begleitete. Über solch einen Verlust erzählen Martin Widmark und Emilia Dziubak in ihrem poetischen und gefühlvollen Bilderbuch „Der lange Weg zu dir“.

Zwei Kinder, zwei Tiere und zwischen ihnen das Meer

Das Mädchen Sonia lebt zusammen mit ihrer Katze Miezi. Sie haben kein Zuhause, wandern umher, immer mit knurrenden Mägen. Sonia wünscht sich, irgendwann einmal den Ort zu sehen, der auf der anderen Seite des Meeres liegt.
Der Junge Adam lebt auf der anderen Seite des Meeres. Dort hat seine Großmutter ein kleines Haus. Sein bester und einziger Freund ist sein Hund Rufus. Doch Rufus ist schon sehr alt und stirbt eines Tages. Adam versinkt immer tiefer in der Trauer um seinen Freund und verliert schon bald seinen Lebenswillen.
Zur gleichen Zeit begeben sich Sonia und Miezi auf eine Reise. Diese führt sie durch Städte, über Brücken und Landstraßen, durch finstere Schankstuben, bis sie eines Tages vor dem Haus von Adam und seiner Großmutter stehen. Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn Adam ist nur noch ein Schatten seiner selbst…

Der lange Weg zu dir

Bilderbuchzauber

Wieder einmal ist es Martin Widmark und Emilia Dziubak gelungen, ein wundervoll poetisches und gefühlvolles Bilderbuch herauszugeben. Nach den großen Themen Glück und Einsamkeit geht es dieses Mal um den Verlust eines geliebten Weggefährten, um Einsamkeit und das Gefühl des Verlorenseins, aber auch um Neuanfang und neue Freundschaften.
Poetisch und märchenhaft erzählt Martin Widmark abwechselnd von den Kindern Sonia und Anton. Erreicht Sonia eine neue Station auf ihrem Weg, gibt es auch etwas von Anton zu berichten. So begleitet man beide Kinder auf ihrem Weg, der sie jedes Mal ein Stück näher zusammenführt. Jeder von ihnen hat eine schwere Bürde zu tragen. Anton treibt die Trauer um seinen geliebten Hund um, Sonia zieht alleine durch die Welt und ist dabei abhängig von der Wohltätigkeit anderer. Das Schicksal ist ihr wohlgesonnen und so ergeben sich für Sonia immer wieder Gelegenheiten, die sie auf ihrem Weg voranbringen. Um der Geschichte zusätzliche Atmosphäre zu verleihen, ist sie in einer Zeit angesiedelt, als noch Autos und Pferdewagen zugleich das Straßenbild ausmachten.
Getragen wird die Geschichte dieser beiden Kinder von Emilia Dziubaks Illustrationen. Sie sind genauso poetisch und tiefgründig, wie Martin Widmarks Worte. Die opulent gezeichneten Szenen geben einen Einblick in das Leben beider Kinder, in ihre Gefühle und in die Sorgen, die sie umgeben. Wo Widmarks ausführlichere Beschreibungen und Schilderungen fehlen, machen das die Bilder wieder wett. Sie zeigen uns, was die Worte nicht sagen und runden dadurch die Erzählung in ihrer Gänze ab. Dunkle Farben, bedrückende Szenen lassen uns die Traurigkeit und Trostlosigkeit spüren. Doch es gibt auch Lichtblicke, vor allem für Sofia, in denen ihre Reise weniger beschwerlich ist, in denen ihr das Schicksal wohl gesonnen ist und sie gut vorankommt. Am Ende stehen dann beide Kinder am Strand, blicken in den Sonnenaufgang und spüren, dass für sie beide nun ein neues Leben beginnt.

Der lange Weg zu dir

„Der lange Weg zu dir“ ist ein weiteres poetisch erzähltes und zauberhaft illustriertes Bilderbuch. Es erzählt eine Geschichte, die unter die Haut geht, die von Traurigkeit, Verzweiflung, aber auch Zuversicht und einem Neuanfang handelt. Martin Widmark und Emilia Dziubak haben hier erneut ein wahres Kunstwerk geschaffen, das berührt und bei dem man spürt, dass von nun an für beide Protagonisten alles besser werden wird.

Details

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