Beta

von Rachel Cohn
Rezension von Janett Cernohuby | 21. Januar 2013

Beta

Eine Beta-Version ist - zumindest im Bereich der Softwareentwicklung - ist eine Version eines Computerprogramms, die noch nicht ganz fehlerfrei ist. Man veröffentlicht diese zu Testzwecken für anonyme Anwender. Etwas anders sieht Rachel Cohns "Beta" aus ihrem gleichnamigen Jugendroman aus. Denn bei diesem handelt es sich um ein junges, geklontes Teenagermädchen, welches auf einer nach außen hin paradiesischen Insel geschaffen wird.

Doch der Zweck der Klone liegt dort einzig im Dienen. Sie sind die Sklaven der Reichen, haben zu funktionieren und werden beim ersten Defekt ausgeschaltet. Ausgreift sind allerdings nur die erwachsenen Modelle. Bei den Teenager-Varianten gibt es noch etliche Fehlfunktionen; und daher sind sie nur Beta-Klone. Elysia ist eine solche Beta. Als sie eines Tages in einer Modeboutique gesehen und gekauft wird, beginnt für sie ihre Zeit als Dienstklon. Doch statt Arbeiten im Haus zu verrichten, soll sie vielmehr die Tochter der "Governor"-Familie ersetzten. Diese hat die paradiesische Insel Demesne verlassen und studiert nun am Mainland. Doch Elysia soll viel mehr tun als nur das Mädchen ersetzen. Sie soll auch so sein, wie deren Mutter sie immer gerne gesehen hätte. Elysia dient, tröstet die jüngste Tochter des Hauses, wenn sie in der Nacht Alpträume hat, begleitet die Mutter zu ihren Gesellschaften und unterstützt den "großen Bruder" bei dessen Fitnessprogramm. Doch dabei stellt Elysia etwas fest: Sie hat Gefühle, sie kann richtiges Essen schmecken und sie möchte die Dinge hinterfragen - Eigenschaften die Klone auf keinen Fall haben sollten. Als Elysia diese Fehlfunktionen auch bei anderen, erwachsenen Klonen, feststellt, wird ihr bewusst, in welcher Gefahr sie schwebt. Ihr bleibt nur die Flucht von Demesne...

"Beta" ist ein Roman, der von der ersten Seite an berührt und ergreift. Von Anfang wird nicht nur der Protagonistin Elysia, sondern auch dem Leser erklärt, dass Klone keine Seele haben. Diese ist mit deren First - jenem Menschen der als Vorlage für den Klon diente - gestorben. Klone sind Dinge, Gebrauchsgegenstände und genauso werden sie behandelt. Man benutzt sie, braucht sie und verbraucht sie. Passt ein Klon nicht mehr ins Bild - sei es, dass er zu alt ist oder eine sogenannte Fehlfunktion aufweist - wird er weggeworfen. Dieses drastische Bild wird dem Leser zu Beginn der Handlung sehr deutlich gezeigt und es bleibt auch während der gesamten Lektüre immer unterschwellig zugegen. Eine Gegebenheit, die aufwühlt und wütend macht auf die "Menschen". Denn Elysia wächst dem Leser im Verlauf der Handlung immer mehr ans Herz. Umso verletzender ist es, wenn man durch Kommentare oder Handlungen ihrer Mitmenschen daran erinnert wird, dass sie nur ein Ding ist. Doch man ist auch erstaunt über Elysia, die durch diese Behandlung keineswegs verletzt scheint. Sie hat sich der Tatsache ganz gefügt, sie ist ein Klon. Selbst als sie bemerkt, dass sie Gefühle hat, sieht sie sich immer noch als Ding. Dieser Umstand berührt und als Leser beginnt man, bewusst oder unbewusst, Partei für Elysia zu ergreifen. Während man sie immer mehr als Protagonistin akzeptiert, entwickelt man für die Menschen Verachtung. Verachtung darüber, wie sie in ihrer Genusssucht andere zu einem Nichts herabwerten. Wie sie mit Verstorbenen und sogar Lebenden spielen, um sich ihren Vergnügungen hinzugeben.
Doch das scheint in einer dystopischen Welt, wie sie im Buch vorherrscht, in Ordnung zu sein. Besonders zu Beginn liest man oft, dass ausgewählten Reichen nach den Water Wars dieser Luxus und die Belohnung Demesne regelrecht als Entschädigung zustehe. Die Kluft zwischen Arm und Reich scheint in der dargestellten Welt sehr groß zu sein und kaum zu überbrücken. Die Autorin schildert dies zwar nicht direkt, aber zwischen den Zeilen ist so mancher Hinweis darauf zu finden. Daher überrascht es nicht, dass das Ende sehr offen bleibt, sich quasi als Cliffhanger präsentiert. Tatsächlich hat die Autorin drei weitere Romane über Elysia und deren Kampf um die Rechte der Klone geplant.

Zusammengefasst ist "Beta" ein ergreifender, aufwühlender und fesselnder Roman über das Klonen. Einerseits unterhält er, bietet jungen Leserinnen eine spannende Handlung in einer dystopischen Welt. Andererseits regt er zum Nachdenken an, besonders über das Thema Klonen. So ist man am Ende fast schon froh, dass die Autorin den Ausgang offen lässt und weitere Bände folgen werden.
Wir können in diesem Fall nur überzeugt zum Kauf raten.

Details

  • Autor/-in:
  • Band:
    1
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    02/2013
  • Umfang:
    416 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    14 Jahre
  • ISBN 13:
    9783570161647
  • Preis:
    17,99 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
    Keine Bewertung
  • Gefühl:

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