Die Muschelbruderschaft

Anand und das Geheimnis des Silbertals

von Chitra Banerjee Divakaruni
Rezension von Janett Cernohuby | 23. Januar 2009

Anand und das Geheimnis des Silbertals

Fantasygeschichten müssen nicht immer in fremden und magischen Reichen spielen. Auch unsere eigene Welt eignet sich sehr gut dafür, besonders Länder und Kontinente, die uns trotz unserer mobilen Zeit noch fremd und unbekannt sind. Die indische Autorin Chitra Banerjee Divakaruni entführt junge Leser in ihrer Reihe "Die Muschelbrüderschaft" in das indische Kalkutta und lässt sie dort ein märchenhaftes Abenteuer erleben. Der erste Band hierzu erschien unter dem Titel "Anand und das Geheimnis des Silbertals".

Der zwölfjährige Junge Anand bekam schon sehr früh die grausame Willkür des Schicksals zu spüren. Bis zum mysteriösen Verschwinden seines Vaters lebte die Familie in guten Verhältnissen und konnte sich auch den einen oder anderen Luxus leisten. Doch nun sind sie verarmt. Das Geld, welches die Mutter verdient, reicht gerade mal für das Notwendigste, so dass auch Anand eine Arbeit in einer Teestube annehmen muss. Dort trifft er eines Tages einen rätselhaften alten Mann. Dieser folgt dem Jungen bis nach Hause und stellt sich dort als ein Heiler einer alten Bruderschaft vor. Der alte Mann braucht Anands Hilfe, denn vor vielen Jahren wurde die Bruderschaft verraten. Ein egoistischer und selbstsüchtiger Bruder stahl das wertvolle und mächtige Kleinod der Bruderschaft: Die Muschel. Diese konnte in einem harten Kampf zwar zurückgewonnen werden, jedoch befindet sie sich noch nicht in Sicherheit bei der Bruderschaft. Der alte Mann trägt die Muschel bei sich und bittet Anand nun um darum, ihn bei der langen und gefährlichen Reise in das geheimnisvolle Silbertal im Himalaja zu begleiten. Der Junge willigt ein und findet sich schon bald in einem gefährlichen und magischen Abenteuer wieder. Wird es ihnen gelingen, die Muschel vor den bösen Mächten zu schützen?

Indien und der Himalaya bieten eine einzigartige, bisher noch nicht verwendete Kulisse für diesen Fantasyroman. Seine fremde Kultur, faszinierende Tradition und exotische Lebensweise verleihen der Geschichten allein schon magische Ausstrahlung. Doch die Autorin weis dies noch auszubauen. Sie nimmt ihre Leser mit auf eine spannende und abenteuerliche Reise durch Indien und den Himalaya. Von der ersten Seite an ist man gefangen in der Handlung. Die Ereignisse spielen in der Gegenwart und beginnen in einem der ärmsten Viertel Kalkuttas. Hier lebt und arbeitet der Junge Anand. Als eines Tages ein mysteriöser Mann erscheint und sich als Heiler einer alten Bruderschaft ausgibt, betritt der Junge eine Welt, die er zuvor nur aus seinen Märchenbüchern kannte. Er macht sich auf die gefährliche Reise in das geheimnisvolle Silbertal und muss unterwegs so manche Herausforderung meistern. Das Böse, das in Form des Zauberers Surabhanus auftritt, versucht immer wieder, Gewalt über Anand zu bekommen und die Muschel an sich zu reißen. Immer wieder kommen die Reisenden in scheinbar ausweglose Situationen, müssen Prüfungen bestehen und Mut beweisen. Nur durch Treue, Aufrichtigkeit und Mitgefühl gelingt es ihnen schließlich, bis zu den Pforten des Silbertals zu gelangen. Doch noch steht Adnan die größte Prüfung bevor.
Die Autorin schuf mit ihrem Jungendroman nichts Neues. Es ist eine klassische Fantasygeschichte, die sie dem Leser anbietet. Dennoch ist sie etwas ganz Besonderes. Obwohl Magie und Zauberei stets vorhanden sind, treten sie doch eher in den Hintergrund. Trotz der vielen Gefahren, die während der Reise auf die Gefährten warten, wirken sie realistischer als in so manch einem anderen Werk des gleichen Genres. Denn diese Gefahren sind keine grausamen Dämonen oder schrecklichen Ungeheuer (auch wenn Surabhanu durchaus als solches bezeichnet werden kann). Letztendlich fliehen die Reisenden doch immer nur vor einer Person. Dies verleiht dem Buch eine gewisse Authentizität, wodurch der Leser das Gefühl bekommt, die Handlung könnte sich tatsächlich in unserer Welt so zutragen.

"Anand und das Geheimnis des Silbertals" ist ein wunderschönes modernes Märchen, welches in die magische Welt des Himalajas entführt. Die Autorin erzählt eine Geschichte, die so realistisch wirkt, als würde Magie zum Leben dazugehören. Es ist die Art der Verwendung klassischer Fantasy-Elemente, die diesen Roman so außergewöhnlich, aber vor allem spannend und einfühlsam machen.

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Bewertung

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