Lesezug

Wolfsblick

Antolin Quiz
von Sabina Sagmeister, Petra Herberger (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 08. Juni 2021

Wolfsblick

Wieder einmal gehen Schlagzeilen über Schafe reißende Wölfe durch die Medien. Landwirte bangen um ihre Tiere und unterschwellig werden Ängste in der Bevölkerung geschürt. Ja, der Wolf kehrt in Europa zurück, doch willkommen ist er nicht überall. Auch in der Kinderliteratur ist der Wolf schon längst wieder eingezogen, jedoch stellt man ihn hier nicht als böses Tier dar, sondern versucht mit Aufklärung die junge Leserschaft zu sensibilisieren. Auch Sabina Sagmeister hat sich diesem Thema angenommen und mit „Wolfsblick“ ein spannendes Kinderbuch geschrieben.

Der Wolf kehrt zurück

Wie wichtig gute Nachbarn sind, erfährt Valentina bereits bei ihrem Umzug in das neue Haus am Stadtrand. Denn wären da nicht Nico und Opa Engel aufgetaucht, wären die Umzugskisten vermutlich vom plötzlichen Unwetter davongeschwemmt worden. Doch so schafft es Valentinas Familie gerade noch rechtzeitig, alles ins Trockene zu bringen. Sie und Nico verstehen sich sofort prima und so treffen sie sich von nun an regelmäßig. Nico zeigt Valentina die Gegend - den Spielplatz, den Wald und das verbotene Grundstück, auf dem sich merkwürdige Typen herumtreiben. Dann häufen sich Meldungen über Angriffe von Wölfen, die sich seit kurzem in der Gegend aufhalten. Die Bevölkerung ist verunsichert. Valentina und Nico belauschen zwei Baumarktmitarbeiter dabei, wie sie einen Plan schmieden, um dem Wolf aufzulauern. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn Valentina und Nico müssen nicht nur die fiesen Schurken aufhalten, sondern auch Valentinas kleinen Bruder finden, der gerade jetzt weggelaufen ist. Dabei bringen sich die Kinder in große Gefahr.

Wolfsblick

Fesselnder Kinderroman

Sabina Sagmeister erzählt in „Wolfsblick“ eine Geschichte, die Unterhaltung und Botschaft zugleich ist. Zum einen geht es um Valentina, die mit ihrer Familie in ein neues Zuhause gezogen ist, zum anderen wird die Rückkehr der Wölfe und wie wir Menschen damit umgehen thematisiert. Die Leserschaft taucht schnell in die Handlung ein. was auch daran liegt, dass diese mit einem lauten Donner beginnt. Doch jedes Unwetter hat auch etwas Gutes, für Valentina bringt es die erste Freundschaft in ihrem neuen Zuhause. Damit rückt die Umzugsthematik in den Hintergrund und macht dem Tierschutz Platz. Der Wolf betritt die Bildfläche, wenn zunächst auch nur als Nachrichtenmeldung Wölfe wurden gesichtet und nun herrscht Aufregung in der Bevölkerung. Valentinas Eltern sind Tierärzte und durch diesen Twist kann die Autorin auch allgemeine Infos über den Wolf unterhaltsam und unaufdringlich in die Handlung einfließen lassen. Es werden Interviews mit den Eltern geführt, Valentina tauscht sich mit ihrem Freund aus. Die Leserschaft bekommt vieles unterhaltsam vermittelt, ohne dass es belehrend und künstlich eingebaut wirkt. Das verleiht dem Buch Spannung, die natürlich durch die zwei Halunken zusätzlich gesteigert wird.
Die Figur der Valentina ist sehr authentisch dargestellt. Wie viele Kinder und Jugendliche betreibt sie einen Blog, für den sie immer auf der Suche nach geeignetem Foto- und Videomaterial ist. Das nervt manchmal, sowohl ihre Mitmenschen als auch die Leserschaft. Wie Nico es in einer Situation so treffend auf den Punkt bringt, stellt sich die Frage, ob Valentina eigentlich mitbekommt, was um sie herum passiert.
Doch dann ist es ausgerechnet dieser Blog, der ihr am Ende zu Hilfe kommt und sie aus großer Gefahr rettet.
Die Geschichte ist in dem österreichischen Kinderbuchverlag G&G und innerhalb der Erstlesereihe „Lesezug-Profi“ erschienen. Das ist insofern erwähnenswert, da auch bei der Formulierung und Wortwahl viele österreichische Redensarten und Begriffe verwendet wurden. Dennoch spricht die Geschichte Leser*innen länderübergreifend an, denn das Thema Wölfe ist überall aktuell und auch Vorurteile und falsche Einstellungen den Tieren gegenüber sind (leider) überall gleich.

Wolfsblick

„Wolfsblick“ von Sabina Sagmeister ist ein spannender Kinderroman, der darüber hinaus auch eine Brücke zwischen Mensch und Wolf schlagen möchte. Mit der spannenden und fesselnden Geschichte will die österreichische Autorin nicht nur unterhalten, sie zeigt auch, dass Wölfe keineswegs böse sind, sondern ein Tier, das einst in unseren Wäldern lebte und nun langsam seinen einstigen Lebensraum zurückerobert.

Details

Bewertung

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