Wer das Christkind beschützte

von Annette Langen, Ute Simon (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 01. Oktober 2018

Wer das Christkind beschützte

Viele Tiere waren in der ersten Weihnachtsnacht, als das Christkind geboren wurde und seine ersten Besucher hatte, zugegen. Still schauten sie auf die Heilige Familie und erfreuten sich an dieser besonderen Nacht. Wir kennen sie alle: Ochs, Esel, Schafe - doch eines dieser Tiere haben wir bisher immer übersehen, nämlich jenes, das das Christkind beschützte.

Eine kleine Spinne bewirkt Großes

Die kleine Spinne hatte es satt, dass jeder ihr mühsam gesponnenes Netz zerstörte. Darum suchte sie sich einen besonderen Platz, um ein neues zu bauen: genau zwischen den Ohren eines Esels. Doch das war nicht irgendein Esel, sondern jener, der Maria und Josef nach Bethlehem brachte. In jener Nacht, als das Christkind geboren wurde. Die kleine Spinne war so beschäftigt damit, ihr Netz zu spinnen, dass sie die Wunder der Heiligen Nacht gar nicht bemerkte. Erst auf dem Rückweg, als Soldaten das Jesuskind bedrohten, tat sie etwas Wunderbares, um Josef, Maria und Jesus zu retten.

Eine Spinne in der Weihnachtsgeschichte

Alle Jahre wieder wird die Weihnachtsgeschichte für Kinder neu erzählt, neu illustriert und als Bilderbuch neu herausgebracht. Auch in diesem Jahr gibt es sie wieder, allerdings einmal anders erzählt. Annette Langen rückte in ihrem "Wer das Christkind beschützte" nicht die Ereignisse um Jesu Geburt in den Mittelpunkt, sondern konzentrierte sich ganz auf eine winzig kleine Spinne, die allerdings große Aufmerksamkeit einfordert. Denn die kleine Spinne webt ein wunderschönes Netz und hätte gerne, dass alle es bewundern. Doch keiner tut es, sondern jeder zerstört es im Eifer seiner alltäglichen Handlungen. Das macht die kleine Spinne sehr traurig und wütend zugleich. Und so ist sie in der Heiligen Nacht auch gar nicht aufmerksam, als um sie herum das große Wunder geschieht. Das schlägt sich auch im Erzählstil nieder. Wenngleich die klassischen Stationen - beschwerliche Reise nach Bethlehem, Unterkunft im Stall, Geburt, Besuch der heiligen drei Könige - im Buch erwähnt werden, rücken sie in den Hintergrund. Die Autorin konzentriert sich auf die kleine Spinne und so geschieht das eigentliche Wunder, der Höhepunkt dieser Erzählung erst Tage später, als sich Josef, Maria und Jesus in einer Höhle vor den Soldaten verstecken. Jetzt ist die große Stunde der Spinne gekommen, die ihr Netz vor dem Höhleneingang webt und somit die Familie beschützt. Durch diese Ausrichtung der Erzählung ist es ein Bilderbuch, das man gut in der Weihnachtszeit lesen kann, ohne dass es zu religiös wirkt. Es ist eine tolle Geschichte mit weihnachtlichem Bezug.
Nicht nur die Erzählung hat einen anderen Fokus, sondern auch die Illustrationen von Ute Simon. Genau wie die Erzählerin, lässt sie uns die Szenerie durch das Netz der Spinne hindurch betrachten. So bekommt alles eine völlig neue Perspektive. Gleichzeitig wirken die Bilder durch den Einsatz von Silberfolie sehr stimmungsvoll. Filigran und glänzend spannt sich das Netz der Spinne vor dem Blick des Betrachters, reißt hier und da ein, um uns mehr von der dahinter liegenden Szene zu zeigen. Besonders beeindruckend ist die Darstellung der Höhle gelungen, wenn die Spinne nicht nur den Soldaten den Blick hinein versperrt. Mittels Guckloch, vor dem ein dichtes Spinnennetz gespannt ist, kann man die dahinter stehenden Personen nur erahnen. Diese hochwertige Ausstattung verleiht dem Bilderbuch einen ganz besonderen Glanz und Charakter.

"Wer das Christkind beschützte" ist ein unterhaltsames Bilderbuch für die Vorweihnachtszeit. Es erzählt fröhlich, manchmal ein bisschen versponnen, die Geschichte von Josef und Maria, wie sie nach Bethlehem zogen und wie dort in einem Stall Jesus geboren wurde. Doch auch wenn dies die Rahmenhandlung bildet, rücken die Ereignisse etwas in den Hintergrund und geben den Blick auf ein winzig kleines Tier frei, das später eine große und bedeutende Rolle einnehmen soll. Durch die aufwändige und hochwertige Ausstattung mit Silberfolie, bekommt das Buch einen ganz besonderen Charme.

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