Lesezug: Vor- und Mitlesen

Und Paul hat eine kleine Schwester

von Christoph Mauz
Rezension von Janett Cernohuby | 03. Dezember 2013

Und Paul hat eine kleine Schwester

Schon im Kindergarten beginnen Kinder damit, sich für Buchstaben zu interessieren; den eigenen Namen zu schreiben, vielleicht auch schon in Büchern das eine oder andere Wort zu erkennen. Will man als Eltern dieses Interesse nicht verstreichen lassen, sondern auf spielerische Weise fördern, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine davon ist es, auf Bücher aus der Reihe "Der G&G-Lesezug" zurückzugreifen. Denn in dieser gibt es bereits für Kinder im Kindergartenalter Vor- und Mitlesebücher, die ihnen die Tür zum selbständigen Lesen öffnen. Wir haben uns eines davon einmal näher angesehen: "Und Paul hat seine kleine Schwester".

Paul ist schlecht gelaunt. Nicht etwa, weil er sich mit einem Schulkollegen gestritten oder die Katze ihn gekratzt hat. Nein, Paul ist sauer, weil der Geburtstag seiner kleinen Schwester vor der Tür steht. Das wäre ja noch nicht schlimm, aber Sarah feiert mit all ihren Freundinnen im Park. Und da muss natürlich auch Paul teilnehmen. Und das findet Paul ganz schön doof. Mega-über-drüber-doof. Doch da hat er die rettende Idee. Er beschließt krank zu werden. Vor dem Spiegel übt er, ein krankes Gesicht zu machen und fürchterlich zu husten. Es klappt. Seine Eltern nehmen ihm die Maskerade sofort ab. Doch leider läuft es dann nicht ganz so, wie Paul es sich vorgestellt hat. Denn nun ist für ihn Bettruhe und Tee trinken angesagt. Oma kommt vorbei und liest ihm Geschichten vor. Und Sarah? Die feiert draußen im Garten mit ihren Freundinnen. Als Paul dann auch noch mitbekommt, wie die die Mädchen anfangen Fußball zu spielen, merkt er, dass seine Idee doch nicht so gut war...

Die Reihe "Der Lesezug" bedient sich eines einfachen, aber dennoch erfolgreichen Konzepts. Zusammen mit Eltern und Pädagogen wurde diese mehrstufige Reihe, welche die Altersgruppen erste bis vierte Klasse Volksschule abdeckt, entworfen. Zwei weitere Stufen, "Vor- und Mitlesen" sowie "Lesezug-Profi" runden dieses Angebot ab.
Bei der Gestaltung der Geschichten wurde sehr viel Wert auf die österreichische Sprache und deren Ausdrücke gelegt. Gerade das macht diese Reihe zu etwas Besonderem, wird der Erstlesebuchmarkt doch oft von Büchern dominiert, die für deutsche Grundschüler und Erstleser gedacht sind und somit auch auf regionale deutsche Begriffe zurückgreifen. Das hat auch bei unseren Buchbesprechungen schon zu so manchen Fragen geführt. Mit dieser Reihe wird nur ein Publikum bedient, das oft vernachlässigt wird.
Noch etwas zeichnet das Konzept der "Lesezug"-Reihe aus. Der Textfluss ist nicht nur groß, er ist auch in österreichischer Fibelschrift verfasst.
Das vorliegende Buch "Und Paul hat eine kleine Schwester" ist aus der Kategorie "Vor- und Mitlesen". Diese ist für Kinder zwischen vier und sieben Jahren konzipiert. Die Geschichte ist nicht nur als dem Alltag gegriffen, sie ist auch besonders einfach geschrieben. Kurze Wörter und kurze Sätze laden Kinder regelrecht dazu ein, mitzulesen. Lange und schwierige Wörter werden nicht ausgeschrieben, sondern als kleines Bild im Fließtext eingebunden. Gleichzeitig bietet das Buch auch viel Raum für die Fantasie. Denn die Bilder geben kein zwingendes Wort vor, sondern lassen Kindern die Möglich eigener Interpretationen. So wird das gemeinsame Lesen zu einem besonderen Vergnügen. Als Erwachsener liest man den Text und das Kind ergänzt dann einfach, was ihm zum dargestellten Bild einfällt. Das hat zusätzlich noch einen weiteren Effekt: Die Kinder sind gezwungen, zuzuhören. Die Geschichte berieselt nicht nur, rauscht nicht mehr nur an ihnen vorbei, nein, sie müssen aktiv beim Vortragen helfen. So wird gleichzeitig auch die Konzentration gefördert.

Zusammengefasst ist das Vor- und Mitlesebuch "Und Paul hat eine kleine Schwester" ein sehr gut gelungenes Erstlesebuch für Kinder zwischen vier und sieben Jahren. Die Geschichte über Paul, seine kleine Schwester und die Geburtstagsfeier ist aus dem Leben gegriffen. Somit können sich Kinder sehr schnell in sie hineinversetzen und werden viel Spaß daran haben. Das Konzept zum Mitlesen ist nicht nur gut durchdacht, sondern mit seinen Bildern und der daraus resultierenden Interpretationsfreiheit, für Kinder eher Unterhaltung als Lernen. Uns hat das Werk auf jeden Fall überzeugt und wer für sein Kind fernab der deutschsprachigen Erstleseliteratur etwas sucht, der macht mit diesem Produkt aus der "Lesezug"-Reihe definitiv nichts falsch.

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