Trampolina

Antolin Quiz
von Soheyla Sadr
Rezension von Janett Cernohuby | 24. Juni 2015

Trampolina

Anders zu sein und nicht in das Bild zu passen, das Erwachsene und das Umfeld gezeichnet haben, ist besonders für Kinder eine schmerzliche Erfahrung. Während sie von allen abschätzig betrachtet und behandelt werden, versuchen sie selbst so zu werden, wie es von ihnen erwartet wird. Dabei darf man sehr wohl anders sein und kann trotzdem dazugehören. Davon erzählt Soheyla Sadr in ihrem Bilderbuch "Trampolina"

Polina hat einen Traum: Sie möchte so leicht sein wie ein Schmetterling und davonfliegen können. Doch die Realität sieht anders aus. Polina ist ein wenig pummelig, ein wenig dick. Das sagt ihr die Ballettlehrerin sehr deutlich und wirft sie zudem aus dem Kurs. Zu dick und zu trampelig sei Polina. Seither ist sie für alle nur noch Trampel-Polina. Was lustig klingt, ist für Polina jedoch sehr verletzend. Je mehr sie versucht, nicht über ihre Füße zu stolpern, desto schlimmer wird es. Sie schämt sich und zieht sich immer mehr in sich selbst zurück. Als eines Tages ein Zirkus in die Stadt kommt, nimmt Polina all ihren Mut zusammen und besucht die Artisten. Da geschieht etwas Unglaubliches. Die Artisten nehmen Polina freundlich auf und lassen sie das Wunder ihres Lebens erleben.

Wie schnell grenzen wir andere aus, wenn sie nicht unserem Ideal entsprechen? Wenn sie nicht hübsch genug sind, nicht schlank genug, wenn sie eine Brille tragen oder einfach nur ungeschickt sind? Besonders Kinder können aufgrund ihrer direkten Art sehr brutal sein. Sie übernehmen schnell die Denkmuster ihrer erwachsenen Vorbilder. Darum sollten wir nicht mit Abweisung reagieren, sondern Mut machen. Mut zum Anderssein, Mut zum Dazugehören. Denn jeder trägt etwas Besonderes in sich. Mancher ist vielleicht sportlich, tänzerisch oder musikalisch begabt, ein anderer künstlerisch oder verfügt über endlos viel Geduld. Genau das will uns Soheyla Sadr mit ihrem Bilderbuch sagen. Wir sollen nicht das Schlechte sehen, sondern die guten Dinge hervorholen. Somit können wir Ausgrenzungen überwinden, Kindern Selbstvertrauen mit auf den Weg geben und ihnen die Chance bieten, ihre Träume zu verwirklichen.
Einfühlsam und herzerwärmend erzählt Soheyla Sadr die Geschichte der kleinen Polina. Wir lernen ein liebenswürdiges, freundliches Mädchen kennen, das einen Traum hat, aber aufgrund ihrer Mitmenschen glaubt, sich diesen nicht erfüllen zu können. Wir erleben mit was Traurigkeit ist, wie es sich anfühlt verletzt zu werden. Wir erleben aber auch mit ihr Überraschung und Freude und dass es manchmal nur etwas Mut braucht, um seine Träume zu verwirklichen. Mut, den man dort findet, wo man ihn vielleicht nicht erwartet hat. Begleitet wird die Geschichte von wunderschönen Illustrationen. Sie konzentrieren sich auf Polina und die wichtigsten Menschen um sie herum, verzichten dabei auf eine zu detaillierte Tiefe. Dennoch gibt es an bestimmten Stellen sehr genau und klar gezeichnete Elemente, die vor allem auf Polinas Traum und Ziel hindeuten. Einige dieser Elemente sind als Collagen eingesetzt. Diese Mischung macht die Bilder fragil und einfühlsam, wie die gesamte Erzählung auf den Leser wirkt. Eine stimmige Kombination, die ein berührendes Gesamtbild darstellt.
Dennoch gibt es auch einige Punkte, die nicht unsere Zustimmung fanden. So wirkt das nicht geschriebene Ende des Buches irritierend auf Kinder und Vorleser. Denn plötzlich sind es nicht mehr die Worte, welche die Erzählung tragen, sie ausklingen lassen, sondern ein Bild, das man sich selbst erklären muss. Natürlich gibt dies andererseits wieder viel Freiraum zum aktivwerden und nachdenken. Allerdings sehen es Kinder gerne, wenn etwas genauso abgeschlossen wird, wie es begonnen wurde.
Auch irritierend war eine Szene vor dem Zirkuszelt. Hier macht Polina deutlich, dass sie nicht mit dem fremden Artisten mitgehen möchte. Dieser versteht dies und heißt ihre Aufmerksamkeit auch gut. Allerdings scheint sie das im nächsten Augenblick zu vergessen, als eine weitere Artistin hinzukommt, die offenbar genügend Sicherheit verspricht. Ein sehr gefährlicher Ansatz für Kinder, da die Anwesenheit einer zweiten fremden Person nicht minder gefährlich sein kann. Im Gegenteil. Hier werden Ansichten weitergegeben, die gefährlich und leichtsinnig sind.
Da hier jedoch ein Bilderbuch vorliegt, welches man Kindern nicht einfach zum Lesen hinlegt, sondern sie dabei begleitet und mit ihnen bespricht, kann man diese Stelle gleich in ein richtiges Licht rücken.

"Trampolina" von Soheyla Sadr ist zusammengefasst ein schönes Bilderbuch, das auf einfühlsame und herzerwärmende Weise von Verletzlichkeit und Stärke erzählet, von Mut und Angst, vom Anderssein und wie man am Ende dennoch dazugehöret. Trotz seiner kleinen Schwächen ist es ein Bilderbuch, das Kindern Mut macht und Eltern zeigt, dass und wie man diesen trainieren kann.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    06/2015
  • Umfang:
    24 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    3 Jahre
  • ISBN 13:
    9783843606288
  • Preis:
    12,99 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Gefühl:
  • Illustration:

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