Theo weiß, was er will

Antolin Quiz
von Franziska Seyboldt, Antje Drescher (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 29. August 2016

Theo weiß, was er will

'Nein' ist ein Wort, das Kleinkinder sehr oft zu hören bekommen. Manchmal hat man als Eltern - augenzwinkernd - fast Angst, es könnte das erste und lange Zeit einzige Wort sein, das der eigene Sprössling lernen wird. Tatsächlich ist es für Kinder mitunter ziemlich schwer, zu Fremden 'nein' zu sagen. Sie sind schüchtern und trauen sich nicht. Nein sagen kann man lernen. Franziska Seyboldt und Antje Drescher zeigen in ihrem Bilderbuch "Theo weiß, was er will" wie das geht.

Als Theo eines Morgens aufwacht, sitzt neben seinem Bett ein seltsamer fremder Mann. Dieser stellt sich als Herr Nein vor. Er will Theo zeigen, wie man nein sagt. Etwa, wenn Mama etwas von ihm möchte, was er nicht tun möchte oder wenn im Kindergarten andere Kinder ihm etwas wegnehmen oder einen bösen Streich spielen wollen. Er bringt Theo aber auch bei, Nein zu sagen, wenn fremde Leute ihm im Auto mitnehmen wollen. Theo merkt, dass Nein sagen gar nicht so schwer ist und auch nichts Schlimmes passiert, wenn man es sagt.

"Theo weiß, was er will" ist ein niedliches Bilderbuch, mit einem großen Thema. Nein sagen ist nicht immer ein Zeichen von Trotz oder Boshaftigkeit, Nein sagen ist in bestimmten Fällen sehr wichtig und mutig. Doch alles was mutig ist, kostet auch Überwindung und Selbstvertrauen. Das will die Geschichte dieses Buchs herüberbringen.
Leider gelingt es ihr nicht so ganz.
Zunächst treffen wir auf die Schemengestalt des Herrn Nein. Dieser kann nur von Theo gesehen werden, aber von allen anderen gehört werden. Dabei glauben andere jedoch, dass es Theo ist, der da nein sagt. Und dieses Nein ist ganz schön oft zu hören. Allerdings in Situationen, bei denen die Ablehnung eher als Trotz und Widerworte gesehen wird. Etwa wenn durch Theos Schuld eine Tasse zu Boden fällt und die Mutter ihn bittet, die Scherben aufzuheben (man muss hier jedoch anmerken, dass diese Tasse zwar Herr Nein heruntergeworfen hat, da ihn aber niemand sieht und außer Theo kein weiterer im Raum ist, fällt die Schuld auf ihn). Oder wenn die Mutter zur Eile drängt, weil sie zur Arbeit und Theo in den Kindergarten muss und er Nein sagt. Hier wirkt ein Nein zunächst fehl am Platz. Auch ruft es bei Theos Gegenüber eher Wut und Enttäuschung über sein Benehmen hervor. Theo wirkt trotzig und zänkisch. Erst als ein Junge ihm im Kindergarten bedrängt und er sich wehrt, wird deutlich, dass es in der Geschichte um das Setzen von Grenzen geht, um den Mut auch einmal nein zu sagen. Möglicherweise wollte Franzsika Seyboldt zunächst mit ihren Trotz-Neins zeigen, wann ein solches unangebracht ist und eher Missstimmung hervorruft. Doch bei Kindern, insbesondere den jüngeren, rufen diese ersten Szenen zunächst Verwirrung hervor. Hier müssen Eltern einspringen und Erklärungen zur Geschichte liefern. Erst im zweiten Teil des Buches wird für Kinder verständlich, warum Nein sagen wichtig sein kann. Jetzt werden sie aufmerksam, beginnen über Theo und sein Verhalten zu reden. Jetzt ist Theo für sie eine Figur, die sie anspricht und mit der sie sich identifizieren können. So hat man mit dem Anfang der Geschichte Platz, Raum und vor allem Potential verschenkt, das besser hätte genutzt werden können.
Die Illustrationen von Antje Drescher sind toll gelungen. Kindgerecht, fröhlich und witzig präsentieren sich die Bilder den jungen Lesern und begleiten die Handlung des Buches. Toll ist auch, wie Herr Nein ab dem Moment, als Theo sich traut Nein zu sagen, immer mehr schrumpft und schließlich, als Theo genügend Mut hat, ganz verschwindet.

"Theo weiß, was er will" ist ein Bilderbuch ab drei Jahren, das ein wichtiges Thema aufgreift. Hier geht es um den Mut und das Selbstvertrauen, in bestimmten Momenten auch einmal Nein sagen zu können. Leider ist es der Autorin nicht ganz gelungen, die Handlung gut verständlich für Kinder herüberzubringen. Eltern sollten sich zunächst in das Buch hineinlesen und insbesondere mit dem ersten Teil beschäftigen, bevor sie es mit ihren Kindern lesen. Denn dieser erste Teil wirkt etwas verwirrend und bedarf noch der einen oder anderen weiteren Erläuterung. Gelingt einem das, hat man ein Buch das zeigt, wie wichtig das Nein sagen ist.

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