Unter falschem Verdacht

von Sabine Streufert
Rezension von Janett Cernohuby | 27. Januar 2009

Unter falschem Verdacht

Der Aberglaube war im Mittelalter ein bedeutender Bestandteil des täglichen Lebens. Die Menschen sahen in vielen unterschiedlichen Begebenheiten Vorboten für Glück oder Unglück. Auch die Angst vor vermeintlichen Hexen wurde dadurch gefördert. Sobald eine Person etwas Ungewöhnliches tat, blickte man misstrauisch auf sie und schreckte auch nicht davor zurück, sie als Hexe zu bezeichnen. Wie schnell so etwas tatsächlich ging, will die Kinderbuchautorin Sabine Streufert jungen Lesern in ihrem Buch "Unter falschem Verdacht" näher bringen.

Die Geschwister Anna und Wilfried leben in einem kleinen Dorf. Als nach einem harten und langen Winter der erste Händler ins Dorf kommt, bringt er nicht nur neue Waren, sondern auch Nachrichten und Geschichten aus der Stadt. Dort wurden erst vor kurzem zwei Frauen als Hexen verurteilt; ein Bericht, den die Dorfbewohner mit großem Interesse verfolgen.
Als Wilfried sich mit seinem Messer schwer verletzt und mit dem Tod ringt, rettet ihm das Köhler-Mädchen Ida das Leben. Sie gibt seiner Mutter Kräuter, mit denen die Wunde behandelt wird. Gleichzeitig bittet sie aber, darüber nicht zu reden. Ida hat Angst, dass andere Leute böse über sie reden und sie gar als Hexe anzeigen würden. Als Wilfried nach seiner Genesung Ida in die Stadt begleitet, kommt es zu einem folgeschweren Zwischenfall. Einer älteren Frau fällt der Besen aus der Hand. Im letzten Moment können die zwei Kinder zur Seite springen, um nicht auf diesen zu treten und ihn zu zerstören. Denn die beiden wissen, wie teuer Besen sind. Doch die alte Frau versteht diese Handlung falsch und behauptet, Ida sei eine Hexe. Die Dorfbewohner zeigen sie beim Grafen an und behaupten, dass dies nicht der einzige Zwischenfall war. So leidet der Sohn der Müllerin seit kurzem an einer seltsamen Krankheit; die Hühner des Bauern legen keine Eier mehr, der Fluss führt zu wenig Wasser und die Frau des Schmiedes kann (angeblich) nicht mehr sprechen. Wilfried ist erschüttert. Zusammen mit seiner Schwester will er beweisen, dass Ida keine Hexe ist. Doch gelingt es den beiden, den Burggrafen rechtzeitig von der Unschuld des Mädchens überzeugen zu können?

Mit diesem Werk verfasste Sabine Streufert ein spannendes Kinderbuch aus dem Mittelalter. Sie führt ihre Leser in die dunkle und schwere Zeit jener Epoche und zeigt ihnen, wie hart und gefährlich das Leben damals war. Im Vordergrund steht dabei das Thema Hexenverfolgung. Das Mädchen Ida wird hier aufgrund einer Laune der Dorfbewohner der Hexerei beschuldigt und es kommt zu einem sogenannten Gottesurteil. Zwar klärt sich am Ende alles auf und niemand kommt ernsthaft zu Schaden, dennoch zeigt die Geschichte, wie grausam und brutal die Gesetzgebung jener Zeit war.
Allerdings, und das muss man der Autorin lobend anerkennen, achtete Sabine Streufert sehr darauf, in ihren Schilderungen nicht zu berichtend zu werden und auch nicht auf die grausamen Methoden der Richter einzugehen. Denn vieles in dem Handlungsverlauf wäre früher keineswegs geschehen. Dazu zählt schon die Tatsache, dass Ida am Ende mit dem Schrecken davon kommt. Denn von ihren Mitmenschen hätte sich keiner dazu bereit erklärt, nach einer Vernünftigen Erklärung der Vorkommnisse zu suchen. Auch wäre der Verlauf der Verhaftung und späteren Verurteilung weitaus härter geworden. Doch diese orientiere sich stark an den damals noch gepflogenen Verhältnissen. Denn die Hexenverfolgung so wie wir sie uns vorstellen, mit ihrer grausamen Folter und Verhörmethoden, kam erst nach dem Spätmittelalter.
Neben der Geschichte bietet das Buch für die Leser noch weitere Extras. So findet sich am Ende eines jeden Kapitels eine Frage zur vorangegangenen Handlung. Diese kann man jedoch nur beantworten, wenn man aufmerksam gelesen hat. Eine Auflösung dieser Fragen findet sich natürlich am Ende des Buches.
Ebenfalls am Ende findet sich auch eine Zeittafel des Mittelalters. Hier werden alle geschichtsträchlichen Stationen dieses Zeitalters zusammenfassend dargestellt. Zwei informative Texte über den Aberglauben der damaligen Zeit und die Namensgeben lassen das Buch ausklingen.

Somit ist "Unter falschem Verdacht" aus der Feder von Sabine Streufert ein spannender historischer Roman für Leser ab acht Jahren. Neben fesselnder Unterhaltung werden auch zahlreiche Informationen über dieses spannende wie auch harte Zeitalter gegeben. Jungen Geschichtsfans kann dieses Buch daher sehr empfohlen werden.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    06/2008
  • Umfang:
    144 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • Altersempfehlung:
    8 Jahre
  • ISBN 13:
    9783811231603
  • Preis:
    4,95 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
    Keine Bewertung
  • Gefühl:
    Keine Bewertung