Spuren in der Polenta

Antolin Quiz
von Lukas Hartmann
Rezension von Janett Cernohuby | 27. Januar 2009

Spuren in der Polenta

Kinder lieben die Abwechslung und neue Ideen, besonders bei Geschichten. So sollen beispielsweise Geschichtensammlungen nicht nur von Tieren oder von Rittern handeln. Viel lieber hätten sie alle unterschiedlichen Themen zusammen in einem Buch. Der Autor Lukas Hartman weiß das ganz genau, erhält er doch seit Jahren immer wieder Briefe von seinen jungen Lesern, in denen sie sich genau das wünschen. Er weiß aber auch, dass Kinder Essen mögen. So hat er abwechslungsreiche Geschichten mit leckeren Rezepten kombiniert und dies unter dem Titel "Spuren in der Polenta" veröffentlicht.

Den Auftakt des Buches macht die etwas nachdenklich stimmende Geschichte "Der verliebte Apfel". In dieser liegt ein rotbackiger Apfel zusammen mit einer noch etwas grünen Banane in einem Obstkorb. Der Apfel ist so angetan von dem wunderschönen Geschöpft, dass er die Banane fragt, ob sie ihn heiraten möchte. Doch die Banane hat nur Spott für den Apfel übrig. So einen schrumpeligen Kerl wollte sie auf keinen Fall haben! Außerdem ist er ihr nicht lang und gebogen genug. Der Apfel versucht, sein Aussehen dem Wunsch der Banane anzupassen, doch er wirkt dabei nur lächerlich. Doch dann geschieht etwas, womit die Banane nie gerechnet hat: Sie wird reifer und reifer - bis sie schließlich überreif ist. Ein Kind kommt vorbei und findet sie einfach nur unappetitlich. Doch den komisch aussehenden Apfel findet es, könnte man noch gut für einen Kuchen verwenden.
"Ein ganz besonderes Ei" erzählt von dem ungewöhnlichen Wunsch eines kleinen Mädchens. Während sich viele ihrer Altersgenossen einen Hund oder eine Katze wünschen, will sie unbedingt ein Krokodil haben. Natürlich sind ihre Eltern damit gar nicht einverstanden. Als das Mädchen eines Tages in der Eierschachtel ein Ei findet, das gar nicht wie die anderen aussieht, ist es sich sicher, dass es sich hierbei nur um ein Krokodilei handeln kann. So beginnt sie, es heimlich auszubrüten. Tatsächlich schlüpft nach einigen Wochen ein kleines Lebewesen aus dem Ei - doch es ist nicht ganz da, was sich das Mädchen wünscht.
"Spuren in der Polenta", die titelgebende Erzählung, ist ein spannender Kinderkrimi. Das Mädchen Tina hilft einer alten Dame aus dem Haus immer bei den Einkäufen. Als sie eines Tages wieder zu der Nachbarin geht, findet sie diese auf dem Boden liegend vor. Sofort ruft sie den Notarzt, der die Frau ins Krankenhaus bringt. Während Tina auf diesen wartet, fallen ihr seltsame Dinge in der Wohnung auf. Warum hatte die alte Dame den Tisch für zwei Personen gedeckt? Wo waren die Krücken der alten Dame? Und was hat der Abdruck in der Polenta zu bedeuten? Das Mädchen sieht und hört sich etwas genauer um und macht eine folgenschwere Entdeckung.

Dies sind nur drei der insgesamt zehn Kurzgeschichten dieses Buches. Sie alle vorzustellen würde den Rahmen dieser Rezension sprengen. Doch bereits an diesen dreien kann man das Wesen der in diesem Buch enthaltenen Erzählungen erkennen. Obwohl sie alle ganz unterschiedlich sind und stets unterschiedliche Genres bedienen, haben sie etwas gemeinsam: Speisen. So handelt nicht nur jede von Essen oder Lebensmitteln, am Ende gibt es immer ein leckeres Rezept, das ganz bestimmt jedem Kind schmecken wird. Bei diesen handelt es sich um ganz abwechslungsreiche und auch einmal exotische Gerichte, doch stets sind nur Zutaten und Bestandteile enthalten, die jedes Kind ohne Murren essen wird.
Die Idee Lukas Hartmanns, in einem Kinderbuch Rezepte einzubinden, ist nicht unbedingt neu. Dies haben bereits viele andere Kinderbuchautoren umgesetzt. Hier muss man leider zugeben, dass es dabei durchaus ansprechendere Werke gibt. Betrachtet man die Geschichten als einzelne Werke, sind sie sehr unterhaltsam und für sich gut gelungen. Sie sind sehr unterschiedlich und decken sehr viele Genres ab. So gibt es Liebes-, Lausbuben-, Tier- und Kriminalgeschichten ebenso wie fantastische Erzählungen. Hier hat der Autor zweifellos ein breites Spektrum abgedeckt, das sicherlich für jedes Kind etwas Geeignetes bereit hält. Dennoch ergeben sie alle zusammen kein stimmiges Bild und als Kurzgeschichtenband wirken sie alle unglücklich zusammengewürfelt. Auch das Einbinden der Kochrezepte wirkt oftmals sehr gezwungen. Manchmal erscheint der Bezug von der Handlung zu dem vorgestellten Rezept doch sehr weit hergeholt.
Auch die dazu gezeichneten Bilder sprechen wenig an. Es handelt sich um einfache, schlichte Zeichnungen, die jedoch wenig Emotion an den Leser weitergeben. Die Figuren sind nicht schön anzusehen und strahlen auch keine Sympathie aus.

"Spuren in der Polenta" ist die gute Absicht und der gutgemeinte Versuch, Kindern eine breite Auswahl spannender Geschichten zu bieten, die allesamt ein gemeinsames Thema haben, das Kochen. Doch es blieb bei diesem Versuch, da das Gesamtwerk nicht richtig überzeugen kann und eher einen erzwungenen Eindruck macht. Schade.

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