Clementine

von Sara Pennypacker
Rezension von Janett Cernohuby | 23. Januar 2009

Clementine

Allergien zählen mittlerweile zu den Volkskrankheiten. Man kann auf so ziemlich alles allergisch sein; auf Heu, Gräser, Obst, Gemüse, Tierhaare, Nüsse, Stillsitzen... Wie? Das gibt es gar nicht? Dann kennt ihr Clementine, ein kleines Mädchen aus der dritten Klasse, nicht. Denn sie ist gegen das Stillsitzen allergisch, genauso wie ihr kleiner Bruder auf Erdnüsse. Und wie er bekommt sie dann überall juckenden Ausschlag und kann nicht mehr richtig atmen.

Aber zuerst einmal von Anfang an. Denn diese Woche war für Clementine gar nicht toll. Eigentlich fing der Montag ja richtig gut an, doch dann endete er in einer Katastrophe. Ihre Freundin Margret hat sich während dem Basteln versehentlich Kleber ins Haar geschmiert. Nach missglückten Versuchen, ihn sich aus den Haaren zu schneiden, half Clementine den Schaden zu beseitigen und schnitt die fransig hängenden Strähnen allesamt ab. Die restlichen Stoppel wurden mit einem Permanentfilzstift rot angemalt - nicht gerade zur Freude von Margrets Mutter. Irgendwie tat Margret ihrer Freundin leid. Als einzige mit so einem Stoppelkopf in der Schule herumlaufen ist schon ziemlich doof. Also griff Clementine ebenfalls beherzt zur Schere und schnitt sich ihre Haare kurz. - Was erneut zu Ärger mit den Eltern führte...
Aber das sind keinesfalls die einzigen Probleme, die Clementine in dieser Woche hatte. Zum Einen sind da die Lehrer, die nie wissen, was sie wollen. Ständig ermahnen sie Clementine aufzupassen. Und passt sie dann auf - etwa auf die Essensfrau, die den Pförtner küsste, oder auf den Eierfleck auf dem Schal der Kunstlehrerin - ist den Lehrern das auch nicht recht. Daher wird Clementine oft zur Rektorin der Schule geschickt und muss dort ihr Verhalten rechtfertigen. Bei einem dieser "Treffen" klärt Clementine die Schulleiterin dann auch über ihre Stillsitz-Allergie auf. Die verläuft ähnlich wie bei ihrem kleinen Bruder. - Ach ja, der kleine Bruder. Auch eine große Sorge in Clementines jungem Leben. Clementine findet es ungerecht, dass sie einen Obstnamen hat und ihr kleiner Bruder nicht. Deswegen gibt sie ihm Gemüsenamen. Obendrein ist Broccoli auch noch das pflegeleichte Kind, wie Margrets Mutter einmal erklärte. Clementine dagegen die Schwierige. Bestimmt haben ihre Eltern ihn deswegen viel lieber als sie. Oder etwa nicht?

"Clementine" ist die lustige Geschichte eines kleinen Mädchens, das anderen mit ihren gut gemeinten Ideen aus schwierigen Situationen helfen möchte, aber dabei nur noch für noch größeren Schlamassel sorgt. Auch wissen die meisten Erwachsenen ihre Bemühungen gar nicht zu schätzen. Zum Glück hat Clementine ihre Eltern, die sehr wohl wissen, dass ihre Tochter es nicht böse meint und sie, besonders ihr Vater, unterstützen. Schließlich ist es seine Tochter, die es endlich schafft - wenn auch mit etwas ungewöhnlichen Maßnahmen - die Taubenplage zu lösen. Trotzdem glaubt Clementine, dass ihre Eltern sie nicht mögen. Weil sie so anstrengend ist, wie Margrets Mutter behauptet. Clementine hört einige Wortfetzen ihrer Eltern und glaubt, dass diese sie weggeben wollen. Schließlich haben sie ja noch Clementines kleinen Bruder, den Pflegeleichten. Doch da hat das junge Mädchen etwas ganz falsch verstanden, denn ihre Eltern planen eine große Überraschung für sie - aber mehr wird hier nicht verraten.
Das Kinderbuch ist lustig bis leicht ironisch. Die jungen Leser werden mitten in das Leben der Protagonistin hineingeworfen. Es wird weder etwas über Clementines bisheriges Leben erzählt, noch über das der anderen Charaktere. Das erfährt man alles nebenbei. Dieses Vorgehen der Autorin ist aber keinesfalls negativ zu beurteilen. Durch die Entscheidung, die Geschichte in der Ich-Form zu erzählen, wird dieser eine ganz eigene Stimmung verliehen. Die Leser begleiten die Protagonistin eine Woche in ihrem Leben. Sie erleben dabei Ärger, Freude, Sorgen und allerlei lustige Begebenheiten. Die Handlung hat durchweg einen lustigen Grundton, der aber zu keiner Zeit ins Kitschige abrutscht. Somit bereitet es einfach nur riesige Freude, die Abenteuer der Hauptperson zu verfolgen und mitzuerleben, was sie denn als nächstes anstellt. Ob es von diesem Buch wohl Fortsetzungen geben wird?
Das Layout des Buches ist für Erstleser ausgelegt. In großen Buchstaben und einem übersichtlichen Textaufbau können Leseanfänger die Geschichte mühelos selbst lesen. Die Sätze sind einfach strukturiert und ohne große Verschachtelungen. Zusätzlich finden sich zahlreiche schwarz/weiß- Illustrationen, um den Textfluss aufzulockern.

Insgesamt ist "Clementine" ein lustiges Jung-Mädchenbuch, das durch seinen lustigen Ton pure Lesefreude bereitet. Die Geschichte klingt realistisch und könnte tatsächlich einem Mädchen so zugestoßen sein.
Absolut empfehlenswert.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    07/2007
  • Umfang:
    128 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    7 Jahre
  • ISBN 13:
    9783551554963
  • Preis:
    7,95 €

Bewertung

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