Abenteuer am Wichtelsee

von Claus Holscher
Rezension von Janett Cernohuby | 23. Januar 2009

Abenteuer am Wichtelsee

Kinder lieben Geschichten, ganz besonders abends, wenn diese ihnen vor dem Zubettgehen vorgelesen werden. Diese Abenteuer begleiten sie in den Schlaf und lassen sie das Erzählte noch einmal im Traum durchleben. Ganz oben stehen dabei Geschichten aus dem Reich der Märchen, Tiere oder gar Wichtel.

Die Wichtel sind winzige Wesen, nicht viel größer als ein Feldhamster oder eine Maus. Sie leben in einem kleinen Dorf am Wichtelsteiner See. König Balduin sorgt für Gerechtigkeit und Frieden unter den Wichtelsteinern. An einem Sonntag verbringen die Dorfbewohner einen schönen Tag am nahe gelegenen See. Dort fahren sie mit ihren Booten, lassen die Füße ins Wasser baumeln oder angeln ein wenig (wenn auch ohne Haken und Köder). Doch mit der Ruhe ist jäh vorbei, als mit lautem Knattern ein Motorboot angerast kommt und die Wichtel in ihren Booten fast über den Haufen fährt. Dieses Ereignis ist der Auftakt zu einer Reihe spannender Abenteuer in und um Wichtelstein. Nachdem die Wichtel den Motorboot-Rowdie gefunden haben, verbietet König Balduin das Motorbootfahren auf dem See. Stattdessen lässt er einen Segelclub gründen. Doch ein Segelclub braucht auch Segelboote. Eifrig beginnen die Wichtelsteiner mit dem Bau der Boote. Leider fehlt es ihnen an Wissen um den Bau und so versinkt eines nach dem anderen im Wasser. Zum Glück ist gerade eine weiße Mäusefamilie ins Dorf gezogen. Zu Beginn meiden die Wichtelsteiner die Neuankömmlinge, doch bald merken sie, dass diese nette Nachbarn sind und sogar Ahnung vom Segelbootbau haben. So werden die neuen Nachbarn schließlich doch noch herzlich aufgenommen.
Doch das ist noch lange nicht alles aus dem aufregenden Leben der Wichtel. Als sich nämlich der Bau ihres Staudamms dem Ende zuneigt, fürchten sie um einen Krieg mit den am Fluss lebenden Fröschen. Doch es kommt ganz anders. Die Frösche bitten nämlich, am neuen Staudamm ein Zuhause beziehen zu dürfen. Während die Wichtelsteiner dieses Ereignis noch feiern, müssen sie feststellen, dass ihr Bach nicht mehr mit Wasser gespeist wird. Besorgt schicken sie einen Expeditionstrupp auf die Forschung nach der Ursache. Dieser findet unweit der Quelle des Flusses den Hamster Mampf. Der hat sich seinen Fuß gebrochen und kann nicht mehr zurück nach Hause. Damit nun jemand auf ihn aufmerksam wird, hat er das Wasser des Flusses gestaut. Zusammen mit dem Verwundeten machen sich die Wichtel zurück in ihr Dorf. Doch auf dem Heimweg müssen sie noch das ein oder andere Abenteuer bestehen.

Liebevoll erzählt Claus Holscher in seinem Buch "Abenteuer am Wichtelsee" spannende und lustige Abenteuer aus dem Reich dieser kleinen Zwerge. Dabei geht es dem Autor nicht nur um die Unterhaltung der Kinder, er versucht ihnen auch Werte zu vermitteln. So handelt eine Geschichte von der weißen Mäusefamilie, die aufgrund ihres anderen Aussehens den einheimischen Wichteln fremd erscheinen. Schnell werden gemeine Gerüchte und Unwahrheiten erzählt, doch bald lernen die Wichtel, dass die Fremden gar nicht so böse sind. In einer anderen Geschichte zeigt der Autor, dass man nicht immer das tun kann, wozu man gerade Lust hat, sondern auf andere Rücksicht nehmen muss. Auch die Geschichte vom Wichtel Hasenfuß, der sich heimlich viel Gold zusammenrafft, aber dann erkennen muss, dass Reichtum nicht glücklich macht, fällt unter diese Kategorie. Claus Holscher versucht mit diesen Geschichten Kindern und jungen Lesern Respekt und Rücksicht zu vermitteln.
Das Kinderbuch beinhaltet acht in sich abgeschlossene Geschichten, die aneinander anschließen und aufeinander aufbauen. Die Abenteuer gehen immer gut aus und sind ohne jegliche Gewalt - selbst beim Angeln verzichten die Wichtel auf verletzende Angelhaken. Die einzelnen Erzählungen sind zwischen neun und zwölf Seiten lang. Dies erscheint auf den ersten Blick viel, aber durch zahlreiche großflächige Zeichnungen, erstreckt sich der Text nur sehr selten über eine komplette Buchseite. Durch die große Schrift ist das Werk zudem nicht nur ein ideales Vorlesbuch, sondern eignet sich auch sehr gut als Erstlesebuch.
Die zahlreichen Illustrationen des Buches wurden von Horst Schönwalter liebevoll und kindgerecht gezeichnet. Die Bilder erzählen die jeweiligen Episoden noch einmal und helfen so den Kindern, sich die Welt der Wichtel leichter vorzustellen. Dabei achtete der Zeichner darauf, dass die Figuren genau das in der Geschichte beschriebene Aussehen haben. So werden Kinder werden nicht nur an den Erzählungen sondern auch an den Bildern große Freude haben.

"Abenteuer am Wichtelsee" ist ein lustiges und liebevoll gestaltetes Kinderbuch. An den spannenden Abenteuern der kleinen Wichte werden die menschlichen Wichte viel Spaß und Freude haben. Aber auch die Eltern werden großen Spaß haben, ihren Jüngsten das abenteuerliche Leben der Wichtel vorzulesen.

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