Sein kein Frosch!


Ein Tierkrimi in Grün ... äh Blau
von Kai Lüftner, Günther Jakobs (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 15. Januar 2019

Sein kein Frosch!

Tierkrimis gibt es einige und auch die Artenvielfalt der vertretenen Tiere kann sich sehen lassen. Katze, Hund, Fuchs, Stinktier, Papagei, Hamster, ja sogar eine Schildkröte war bereits als Detektiv unterwegs. Nun rückt ein Laubfrosch in den Mittelpunkt. Doch es ist kein gewöhnlicher Laufrosch, sondern ein blauer Frosch. Warum er blau ist und welche besondere Herausforderung auf ihn wartet, davon erzählt Kai Lüftner in „Sei kein Frosch - Ein Tierkrimi in Grün …äh Blau“.

Ein Toter im Naturschutzgebiet

Was haben der Hope-Diamant und ein Laubfrosch gemeinsam? Den Namen und die Farbe. Zumindest auf Laubfrosch Hope trifft das zu. Er ist ein wenig aus der Art geschlagen. Nicht nur in Bezug auf seine Farbe, sondern auch auf sein Verhalten, wie er in seinem dritten Sommer feststellt. Denn gerade als die erste Frühlingssonne über der Feuchtwiese scheint, rings um den kleinen Teich die Natur erwacht, macht Laufrosch Hope eine Entdeckung. Ein Toter schwimmt im Teich. Es ist aber nicht irgendein Toter, sondern ein Naturschützer, der alles versucht hat, um den Bau einer Luxusvilla am anderen Teichufer zu verhindern. Ob ihm das zum Verhängnis geworden ist? Plötzlich beginnen Hopes graue Zellen zu arbeiten. Angestachelt von der Zornnatter Alfred springt Hope über seinen Schatten, überwindet seine Ängste und beginnt zu ermitteln. Dafür begibt er sich in die Menschenwelt, betritt das Leben dreier Geschwister und löst eine Reihe turbulenter Ereignisse aus.

Sei kein Frosch! Ein Tierkrimi in Grün ... äh Blau

Ein Tierkrimi der anderen Art

Kai Lüftners Froschkrimi ist keineswegs die Sorte Tierkrimi, in der Tiere beginnen mit Menschen zu sprechen. Es ist auch kein Krimi, der Tiere vermenschlicht, sie in Häusern wohnen, in Autos fahren und in Restaurants essen lässt. Nein, Lüftner bleibt - bis auf kleine, literarische Kunstgriffe - relativ realistisch und bodenständig. Und genau das ist es, was dieses Buch so atmosphärisch, genial und lesenswert macht. Die Geschichte begeistert nicht durch kurzweilige Szenen, Cliffhanger am Ende jeden Kapitels, rasante Verfolgungsjagten und flotte Dialoge. Nein, die Geschichte fesselt durch ihre dichte Erzählweise, ein gelungenes Setting und einen Protagonisten, der ungewöhnlich und stark zugleich ist. Den man sofort sympathisch findet und dessen Lebensgeschichte man mit Faszination und Neugier liest.

Sei kein Frosch! Ein Tierkrimi in Grün ... äh Blau

Hope ist ein Laubfrosch mit Pigmentstörung und deswegen blau. Seine Mutter ist in Gefangenschaft geboren und aus einem Labor geflüchtet. Was dies genau bedeutet, darauf geht Lüftner nicht ein und braucht es auch nicht. Denn schon diese Beschreibung reicht um zu verstehen, dass Hopes Mutter vor ihrer Flucht kein gutes Leben hatte. Hope lebte bisher sehr zurückgezogen und immer darauf bedacht, nicht von anderen gefressen zu werden. Denn Fressfeinde hat eine Amphibie reichlich. Doch mit dem toten Naturschützer im Teich ändert sich alles. Wer hat ihn ermordet? Diese Frage gilt es zu klären. Und genau an dieser Stelle gelingt es Lüftner meisterhaft, seinen Tierkrimi nicht in die typische Bahnen abdriften zu lassen, sondern - weitestgehend - realistisch zu bleiben. Zwar kommt es zwischen Hope und dem Mörder am Ende zu einem Showdown, doch dem geht keineswegs die typische Ermittlerarbeit voraus. Hope sucht nicht nach Spuren. Er schlüpft nicht in Büroräume, liest keine Dokumente und Zeitungen, um hinter große Geheimnisse zu kommen. Hope versteht nicht einmal immer die Sprache der Menschen. Nicht selten kommt es zu Situationen, wo er die Worte hört, sie aber für ihn keinen Sinn ergeben.

Sei kein Frosch! Ein Tierkrimi in Grün ... äh Blau

In Ich-Form geschrieben, gibt Kai Lüftner dem Leser die Möglichkeit, alles aus den Augen eines Laubfroschs zu sehen. Auch seine Gedankenwelt ist die einer Amphibie. Immer wieder deutet Hope auf das seltsame, für ihn oftmals sinnfreie Verhalten von uns Menschen hin. In Hopes Aussagen schwingt mitunter Belustigung über das menschliche Treiben mit - etwa, wenn er sich über Dekofrösche im Garten äußert oder über die gärtnerischen Tätigkeiten der Zweibeiner. Alles das - das Setting, der außergewöhnliche Charakter, die Sprache, die Atmosphäre - machen diesen Tierkrimi unglaublich fesselnd und absolut lesenswert.
Vielleicht tragen zu diesem Gefühl auch Günther Jakobs Illustrationen bei. In Grün und Blau-Tönen gehalten, zeichnete er auf seine humorvolle Weise die Bilder, die einfach genial zur Handlung und zu den tierischen Charakteren passen.

Sei kein Frosch! Ein Tierkrimi in Grün ... äh Blau

Wenn man auf der Suche nach dem Geheimtipp dieses Lesefrühjahrs und -sommers ist, dann muss man unbedingt zu Kai Lüftners Froschkrimi greifen. Großartig atmosphärisch erzählt er von einem Charakter, der nicht nur den Mut besitzt über seinen Schatten zu springen und Dinge zu tun, für die ein Frosch normalerweise zu feige ist. Nein, er schuf auch ein Kinderbuch, das weniger durch Action als vielmehr durch den Erzählstil und die Charaktere selbst überzeugt.

Sei kein Frosch! Ein Tierkrimi in Grün ... äh Blau

Details

Bewertung

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