Das blaue Herz von Finn

von Thomas J. Hauck, Katharina Sieg (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 08. April 2019

Das blaue Herz von Finn

Was bedeutet es eigentlich, wenn jemand anders ist? Was bedeutet normal sein? Diese Fragen stellt sich auch Lena, deren Freund anders ist. Wie anders, davon erzählt Thomas J. Hauck in seinem poetischen Bilderbuch „Das blaue Herz von Finn“, das von Katharina Siegs Illustrationen begleitet wird.

Eine besondere Freundschaft

Lena lebt zusammen mit ihren Eltern und ihrer Schwester in einem Haus, das nur ihnen gehört.
Finn lebt zusammen mit anderen Kindern in einem Heim. Jeden Tag kommen er und die anderen Kinder am Haus von Lena vorbei. Dann hört sie, wie sie komisch reden und sich auch komisch bewegen. Immer wenn Lena hinaus geht, steht Finn am Zaun. Die beiden winken sich zu. Eines Tages hört Finn, wie Lena auf dem Heimweg von der Schule singt. Er ist ganz fasziniert von ihrem Gesang und bittet sie von nun an öfters zu singen. Natürlich kommt Lena diesem Wunsch nach und so freunden sich die beiden an. Doch dann hat Finn einen großen Wunsch: Er möchte, dass Lena singt, wenn er abends zu Bett geht. Nur wie soll das gehen? Lena überlegt angestrengt, bis sie eines Tages eine Idee hat…

Das blaue Herz von Finn

Feinfühliges Bilderbuch über eine besondere Freundschaft

Thomas J. Hauck erzählt in diesem Bilderbuch von einer ganz besonderen Freundschaft. Einer Freundschaft, die sich über unsere Vorurteile über normal und anders hinwegsetzt. Die trotz großer Unterschiede viele wichtige Gemeinsamkeiten findet: Begeisterung, Hilfsbereitschaft, Offenheit, Herzlichkeit. Alle diese Werte, diese Eigenschaften schwingen in dem Erzählton mit.
Finn ist behindert. Auf welche Art und in welcher Weise, wird im Buch nicht angesprochen. Das braucht es auch nicht, denn es wäre überflüssig. Zudem kann Thomas J. Hauck so die Besonderheit dieser Freundschaft viel fühlbarer, verständlicher wiedergeben. Es gelingt ihm zu zeigen, dass Andersseins in Ordnung ist und dazugehört. Auch erzählt er diese Geschichte aus der Sicht Lenas. Er spricht mit den Worten eines Kindes, unbekümmert, unbeschwert und frei von Vorurteilen. Damit gelingt es ihm, ein schwieriges, gefühlsbetontes Thema feinfühlig und auf spielerische Weise aufzugreifen. Selbst wenn Lena diejenige ist, die uns von dieser Freundschaft, bekommt Finn durch sie eine eigene Stimme und rückt in den Mittelpunkt. Gerade das lässt diese Erzählung so herzlich und feinfühlig werden. Man erlebt mit, wie unvoreingenommen Lena ihrem neuen Freund gegenüber tritt. Wie sie offen auf ihn zugeht und auch versucht, ihm seinen Herzenswunsch zu erfüllen. Die Dankbarkeit, die sie dafür zurückbekommt, ist der größte Lohn.

Das blaue Herz von Finn

Begleitet wird dieses gefühlvolle Bilderbuch von nicht minder charismatischen Illustrationen. So poetisch wie die Geschichte erzählt sind, so poetisch zeichnet Katharina Sieg die begleitendenden Bilder. Sie lässt die Unbekümmertheit und Unvoreingenommenheit mit hineinfließen. Mit warmen, freundlichen und nicht aufdringlichen Farben lässt sie die Welt von Lena und Finn Bild annehmen. Sie lädt uns ein, in diese Welt einzutauchen und nicht nur von der besonderen Freundschaft zu lesen, sondern sie auch mit eigenen Augen zu sehen. Diese Bilder runden den Auftritt des Buchs großartig ab.

Das blaue Herz von Finn

„Das blaue Herz von Finn“ ist ein feinfühlig erzähltes Bilderbuch vor einem ernsten Hintergrund. Doch gerade durch die unvoreingenommene Erzählweise wird seine Botschaft spielerisch und leichtfüßig zu den Lesern und Leserinnen getragen. Das Buch berührt und verzaubert auf charmante Art und Weise.

Details

Bewertung

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