Rosalie

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Als mein Vater im Krieg war
von Timotée de Fombelle, Isabelle Arsenault (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 27. August 2020

Rosalie

Krieg. Unsere Kinder kennen dieses Wort (zum Glück) nur aus dem Fernsehen, aus den Nachrichten und Berichten. Vielleicht sind sie durch die Schule in Kontakt mit Kindern gekommen, die aus Kriegsgebieten geflohen sind. Einen Eindruck vom Krieg vermittelt Timothée de Fombelle in seinem Buch „Rosalie. Als mein Vater im Krieg war“, das von Isabelle Arsenaults ausdrucksstarken Illustrationen begleitet wird.

Kindheit im Krieg

Rosalie ist fünfeinhalb Jahre alt, als 1916 der große Krieg tobt. Zusammen mit ihrer Mutter lebt sie in einer französischen Kleinstadt. Der Vater ist im Krieg, kämpft an der Front. Während die Mutter tagsüber in einer Fabrik arbeitet um Geld zu verdienen, verbringt Rosalie die Tage in der Dorfschule. Dort hinten, unter den Jacken des Garderobenständers verborgen, sitzt sie, hört dem Lehrer zu und beobachtet die anderen Kinder. Sie wartet, dass die Mutter nach Hause kommt. Sie überlegt sich eine Taktik, wie sie ihre Mission erfüllen kann. Abends liest die Mutter aus den Briefen des Vaters vor. Rosalie spürt, dass die Mutter nicht alles vorliest. Dass sie manches beschönigt, vieles auslässt. Eines Tages schleicht sie sich aus der Schule fort, zurück nach Hause, um heimlich die Briefe von der Front zu lesen…

Rosalie. Als mein Vater im Krieg war

Schweres Thema

Krieg ist immer ein schweres Thema, daher ist auch dieses Kinderbuch keine leichte Kost. Und auf gar keinen Fall etwas, dass man seinem Kind unkommentiert zu lesen gibt. Eigentlich stellt sich die Frage, warum man das überhaupt tun sollte. Die Stimmung ist beklemmend, das Thema traurig und nichts, womit man Kinder belasten sollte. Andererseits ist die Geschichte ein Zeitzeugnis. Sie könnte begleitend zum Schulunterricht gelesen werden. Sie ist ein Bilderbuch für uns Erwachsene, das mit seiner ergreifenden Geschichte bewegt.
Aus der Ich-Perspektive erzählt Timothée de Fombelle die Geschichte eines Mädchens, das seine Kindheit im Krieg erlebt, zwischen arbeitender Mutter und auf dem „Feld der Ehre“ gefallenem Vater. Es ist eine fragile Geschichte, die große Emotionen enthält, alles andere als leicht ist und die den Lesenden und die Lesende bewegt. Dabei kommt die Erzählung mit wenig Dialogen und wörtlicher Rede aus. In Rosalies erzählenden Worte spürt man die Schwere jener Tage, die Last jener Zeit und die Angst vor dem, was die Zukunft bringt.
Begleitet wird dies von Isabelle Arsenaults eindrucksvollen Illustrationen. Sie haben die Stimmung großartig eingefangen. Durch den Einsatz von überwiegend schwarz-orangen Tönen wird die bedrückende Atmosphäre überzeugend transportiert. Der Krieg ist allgegenwärtig, die Angst, die Beklemmung in jedem Pinselstrich zu sehen. Man sucht vergeblich nach Trost und fragt sich am Ende, ob ihn der posthum verliehene Orden zu bringen vermag.

Rosalie. Als mein Vater im Krieg war

„Rosalie. Als mein Vater im Krieg war“ ist die tiefgründige und sehr intensive Erzählung eines fünfjährigen Mädchens, das während des ersten Weltkriegs heranwuchs. Es gewährt uns einen Blick in ihren Alltag, der sich still verborgen untern den Jacken im Klassenzimmer einer Dorfschule abspielt, während die Mutter in der Fabrik arbeite und der Vater an der Front kämpft. Es ist keine fröhliche Erzählung, es gibt kein Happy End, sondern nur Erinnerungen an eine Zeit, die vorbei ist und hoffentlich nie wieder kommen wird.

Details

Bewertung

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