Roberta verliebt

Antolin Quiz
von Judith Burger, Ulrike Möltgen (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 23. Juli 2019

Roberta verliebt

Was heißt das, verliebt zu sein? Wie fühlt es sich an? Was geht in einem vor? Wie verhält man sich und vor allem, wie kann man seine Gefühle der Angebeteten oder dem Angebeteten zeigen? Ähnliche Fragen gehen allen durch den Kopf, wenn sie sich das erste Mal verlieben. Judith Burger hat diese aufgegriffen und in einem gefühlstarken und kraftvollen Kinderroman verarbeitet.

Das erste Mal verliebt

Roberta fühlt es ganz deutlich: sie ist verliebt. Und zwar in Felix, den Neuen aus dem Zeichenkurs. Während sie an nichts anderes mehr denken kann, ist ihre Mutter genervt. Denn sie findet, mit elf Jahren kann man sich noch gar nicht verlieben. Da weiß man noch gar nicht, was Liebe bedeutet. Doch Roberta ist sich ganz sicher, sie ist in Felix verliebt. Zum Glück kann sie mit Heidi darüber sprechen, einer älteren Dame, mit der sie seit ihrer Geburt befreundet ist. Heidi, die einst Schauspielerin war, ist selbst mehr als einmal der Liebe begegnet und weiß ganz genau, was zu tun ist. Sie nimmt Robertas Gefühle und Fragen ernst. Und sie hat so manchen Tipp parat, wie Roberta mit Felix ins Gespräch kommen kann. Bald schon merkt Roberta, dass Verliebtsein Hochs und Tiefs hat - aber auch ungeahnte Kräfte in einem weckt. Jetzt muss ihr nur noch eins gelingen, Felix dazu zu bringen, sich zurückzuverlieben.

Roberta verliebt

Kraftvoller und gefühlvoller Kinderoman

Das erste Mal verliebt sein - was heißt das? Und noch wichtiger, wie fühlt sich das an? Jedes Kind auf der Schwelle zum Teenageralter wird sich irgendwann diese und weitere Fragen stellen. Wie gut, wenn man dann jemanden hat, dem man sich anvertrauen kann, mit dem man offen über seine Gefühle sprechen kann und der einen ernst nimmt. Für Roberta, der junge Protagonistin aus Judith Bergers Kinderbuch, ist es eine alte Freundin der Familie.
Die Autorin erzählt diese Geschichte sehr kraftvoll, aber auch unaufgeregt. Wir bekommen hier keine rasante Liebesgeschichte präsentiert, sondern ein stilles, gefühlvolles Werk. Es erzählt nicht auf lautstarke, reißerische Art vom ersten Flirt, sondern entfaltet still und sanft mit der Kraft der Worte seine Geschichte. Das macht das Buch zu einem ganz wunderbaren Leseerlebnis mit Tiefgang.

Roberta verliebt

Doch diese Personen sind viel mehr als nur Charaktere in einer Geschichte. Sie nehmen ganz spezielle Rollen ein. Die elfjährige Roberta, fast zwölf, wie sie immer betont, beginnt, sich langsam vom Kindsein zu lösen und die Welt der Heranwachsenden, der Jugendlichen zu betreten. Doch noch steht sie am Anfang, ist sehr unbeholfen, unerfahren, naiv und sucht vor allem nach Antworten. Aber sie ist nicht unsicher, nein, Roberta weiß, was sie will und geht ihren Weg. Sie kann sich glücklich schätzen, eine Freundin wie Heidi zu haben. Freilich ist die ältere Dame nicht der Umgang, den ein Mädchen haben sollte. Roberta hat auch gleichaltrige Freundinnen. Doch für diese Geschichte, für die Erfahrung des Verliebtseins, ist Heidi diejenige, die zur wichtigsten Person wird. Sie hört Roberta zu, nimmt sie ernst und hat Verständnis für ihre Gefühle. Gleichzeitig ist sie auch bereit, Roberta zu helfen. Sie erzählt Roberta von der Zeit, als sie selbst noch jung war und sich verliebt hat. Sie lässt sie an diesen Erinnerungen teilhaben, erzählt ihr von Blumen, Liebesbriefen und kleinen Geschenken. Vieles davon wirkt auf Roberta sehr altmodisch, steif und seltsam. Gleichzeitig probiert sie es dennoch aus.
Die dritte, wichtige Person für die Handlung ist Robertas Mutter. Sie rückt aber zunächst in den Hintergrund, nicht zuletzt, da sie Robertas Gefühle zunächst als lächerlich abtut. Die Mutter blickt selbst auf eine gescheiterte Ehe zurück und steht der Liebe skeptisch gegenüber. Außerdem hat sie einen Verehrer, dessen Gefühle sie allerdings nicht erwidert. So ist es nicht verwunderlich, dass sie zunächst blockt, als sich Roberta ihr anvertraut und dem Mädchen auch sagt, sie solle nicht albern sein. Mit der Zeit erkennt Robertas Mutter, dass es ihrer Tochter doch ernst ist und unterstützt sie.
Als letztes gibt es natürlich noch den Angebeteten, Felix. Er wirkt zunächst sehr unnahbar, kapselt sich ab und gibt sich sehr wortkarg. Bald schon erkennen wir aber, dass der Junge ebenfalls unter den Folgen von Liebe leidet, nämlich der seiner Mutter zu einem neuen Freund. Deswegen musste Felix in eine andere, fremde Stadt ziehen und seine Freunde zurücklassen. Ob er Robertas Gefühle erwidert? Das rückt mit der Zeit etwas in den Hintergrund. Denn die beiden werden auf jeden Fall gute Freunde, die füreinander da sind und sich helfen. Natürlich nach einer Achterbahn der Gefühle - vor allem für Roberta.

Roberta verliebt

Begleitet wird das Buch von ganz wunderbaren Illustrationen, die gekonnt die Stimmung der Geschichte aufgreifen und auf ihre unspektakuläre Weise wiedergeben. Es sind Schwarzweißzeichnungen, die sich meistens über eine Seite, hin und wieder auch eine Doppelseite erstrecken. In ihnen liegt die süße Schwermut des Verliebtseins, mit all ihren glücklichen, peinlichen und auch traurigen Momenten.

„Roberta verliebt“ ist ein ganz wunderbares literarisches Werk für Kinder. Es erzählt auf unaufgeregte Weise vom ersten Verliebtsein und was das in heranwachsenden Kindern hervorruft. Mit diesem Buch liegt aber keine turbulente Mädchengeschichte vor, sondern ein ruhiges, kraftvolles Buch voller tiefer Gefühle.

Details

Bewertung

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