Prinz Hajo der Glückliche

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10 Geburtstage, 2 Hunde, 1 Prinz
von Edward van de Vendel, Mattias De Leeuw (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 15. Februar 2017

Prinz Hajo der Glückliche

Worüber definiert sich Glück? Ist jemand glücklich, weil er dies als Beinamen trägt? Ist jemand glücklich, weil er in eine reiche Familie geboren wurde und jeder seiner Wünsche erfüllt wird? Oder ist jemand glücklich, der schöne Momente mit jemand anderem teilen kann? Worüber Glück auch immer definiert werden kann, Edward van de Vendels und Mattias De Leeuws Bilderbuch trägt dies auf jeden Fall in seinem Titel "Prinz Hajo der Glückliche".

Prinz Hajo kann sich glücklich schätzen. Denn zu seinem 1. Geburtstag bekommt er 2 Hunde geschenkt. 2 Standbilder werden von ihm gefertigt und 3 Bilder gemalt. Zu seinem 2. Geburtstag bekommt er 3 Kaninchen geschenkt, zu seinem 4. Geburtstag bekommt er 1 Spielplatz und an seinem 6. Geburtstag darf er zu 1 Videoparty mit 4 Prinzen und 3 Prinzessinnen einladen. So ziehen die Geburtstage ins Land, Prinz Hajo wird älter und bekommt zahlreiche Geschenke. Bis er schließlich 10 Jahre wird. Da wünscht er sich 0 Geschenke. Doch genau 12 Tage später bekommt er das schönste Geschenk von allen: 1 kleine Schwester. Mit der teilt er von nun an alles, denn das macht Geburtstage und Geschenke 2-mal so schön - und Einsamkeit nur noch ½ mal so schlimm.

"Prinz Hajo der Glückliche" ist eine verspielte Zahlengeschichten über einen Prinzen, der alles haben kann. Wirklich alles? Nein, denn ganz gleich was ihm seine Eltern und die beiden Omas im Laufe der Jahre schenken, ganz gleich wie viele Lakaien er hat, letztendlich ist Hajo nicht glücklich, sondern einsam. Treu an seiner Seite stehen nur die beiden Hunde, die er zu seinem ersten Geburtstag geschenkt bekam. Alles andere gerät in Vergessenheit und verliert seinen Glanz.
"Prinz Hajo der Glückliche" ist eine Geschichte, die uns auf zweierlei Arten begegnet. Zum einen ist es eine Geschichte mit Zahlen und über das Zählen. Zahlen begegnen uns auf allen Seiten und in allen Textabschnitten. Sie fallen auf, insbesondere dadurch, dass sie optisch hervorgehoben sind. Immer fettgedruckt und oft in roter Farbe, springen sie ins Auge und werden zum Mittelpunkt. Sie markieren die wichtigen Augenblicke in Hajos jungem Leben und zeigen, dass ein Prinz, der im Überfluss lebt, alles haben kann.
Alles, bis auf Freunde, das zweite Thema des Buchs. Denn Hajo ist einsam. Schon sein Name trägt diese Bedeutung in sich: jemand der im eigenen, umfriedeten Gebiet lebt. Sein Vater ist mit Regierungsgeschäften beschäftigt, seine Mutter hat andere Dinge zu tun. Die beiden Omas tauchen von Zeit zu Zeit auf und auch den chinesischen Zwillingsprinzessinnen begegnen wir immer mal wieder. Doch mit denen kann Hajo nur per Videokonferenz telefonieren. Warum chinesische Prinzessinnen? Sie sind präsent, aber wecken im Leser dennoch das Gefühl, unerreichbar zu sein. Die beiden Hunde werden zu Hajos treuen Begleitern und ein besonderer Lakai sein Vertrauter. Erst mit der Geburt seiner kleinen Schwester ist Hajo das erste Mal wirklich glücklich. Nun ist er nicht mehr alleine. Er hat jemanden, für den er da sein kann, mit dem er sein Glück teilen kann.
Begleitet wird diese wunderbare Geschichte mit verspielten Illustrationen von Matthias De Leeuw. Ebenso wie der Autor mit Zahlen und Mengen spielt, spielt De Leeuw mit Pinsel und Farbe. Seine bunten Bilder bestehen aus vielen kleinen Szenen. Sie erzählen etappenweise von Hajos Leben, zeigen ihn und seine Geschenke. Oft mit Lakaien, manchmal mit den Großmüttern, selten mit den Eltern. In den Bildern gibt es unglaublich viel zu entdecken und Kinder betrachten sie lange und intensiv. Sie ergänzen den Text und bilden mit ihm eine wunderbare Einheit.

"Prinz Hajo der Glückliche" ist eine verspielte Zahlengeschichte über einen kleinen Prinzen der viele Geschenke bekommt, aber keine Freundschaft. Es ist eine Geschichte, die unterhält, fröhlich macht, aber auch zum Nachdenken anregt. In Bildern und Text kann man viel finden und viel zählen. Und es gibt ein Happy End, das Hajo letztendlich doch noch zum "Glücklichen" macht.

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