Popelalarm!!

von Annette Langen, Andrea Hebrock (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 05. Juli 2018

Popelalarm!!

"Bohr nicht in der Nase", ist ein Satz, den Eltern oft zu ihren Kindern sagen. Zugegeben, es sieht nicht gerade schön aus, wenn jemand in der Nase bohrt. Doch  eigentlich sind Popel ja getrocknetes Nasensekret, das einfach nur juckt und damit stört. Klar, ein Taschentuch sehe wesentlich ästhetischer aus. Warum wir so ausführlich davon schreiben? Weil es in Annette Langens neuem Bilderbuch genau darum geht, ums Popeln. Der klangvolle Titel: "Popelalarm!!".

Vom Nasebohren und der Popelzei

Kennt ihr die Popelzei? Die passt auf, dass niemand in der Nase bohrt. Denn das machen ja bekanntlich nur Ferkel. Dabei stimmt das gar nicht, wie ein Besuch bei ihnen beweist. Aber wer popelt denn dann in der Nase? Der Kraken oder der Elefant oder die Bienen? Oder etwa jemand ganz anderes? Begleite die Popelzei und finde es heraus. Aber lass dich nicht beim heimlichen Nasebohren erwischen!

Herrlich frech und witzig

Ja, ja, das liebe Nasebohren. Es gibt kaum ein Kind, das nicht seinen Finger in die Nase steckt - manchmal aus langer Weile, manchmal weil die Nase eben juckt. Doch Popeln gehört sich nicht, ist die einhellige Meinung. Es ist unästhetisch und ungesund. Sagt man zumindest. Fragt man unter Erwachsenen nach, werden die wenigsten zugeben, dass sie selbst in der Nase bohren. Dabei kann man sie immer wieder in der Öffentlichkeit dabei beobachten: beim Lesen der Zeitung im Stadtpark, im Auto oder in einem unbeobachtet geglaubten Moment auf dem Balkon. - Das ist übrigens auch die letzte Szene im Buch, in der vier lustige Klappen zeigen, dass Kinder zwar offensichtlich und ungeniert in der Nase bohren, Erwachsene es aber genauso tun. Nur eben heimlich. Was ja nicht schlimm ist, wie die Popelzei am Ende selbst zugibt und damit die Situation wunderbar auflöst.
Das Bilderbuch ist herrlich witzig und frech. Nicht zuletzt wegen des Themas. Doch wer glaubt, dass hier die Autorin mit erhobenem Zeigefinger kommt, Kinder über das Nasebohren belehrt, der irrt gewaltig. Annette Langen spielt mit der Thematik, schickt einen kleinen Papagei los, der aufpassen soll, dass niemand popelt. Natürlich tut das auch keiner. Zumindest nicht, solange jemand guckt. Denn sobald sich der kleine, gefiederte Kerl umdreht, kann man im Hintergrund jemanden erkennen, dessen Finger verdächtig in Richtung Nase wandert.
Für Kinder ist das ein herrlicher Bilderbuchspaß. Niemand wird beim Popeln erwischt, obwohl es fast alle tun. Und jeder hat eine tolle Ausrede, warum er selbst nicht in der Nase bohren kann. Das Buch lädt zum immer wieder angucken, zum gemeinsamen lesen, gemeinsamen entrüstet sein, aber vor allem zum gemeinsamen Lachen ein. Es ist ein Liebling bei den Kindern, nicht zuletzt, weil es ein spannendes Thema aufgreift.

Annette Langen, der Mutter vom reisefreudigen Hasen Felix, ist wieder einmal ein Geniestreich gelungen. Dafür schaute sie sich einfach mal genauer unter ihren kleinen Lesern um, beobachtete und erinnerte sich vielleicht auch an eigene Familiensituationen - und schon kam die Idee zu einem Bilderbuch, dass herrlich witzig, wunderbar humorvoll ist und zum immer wieder durchblättern einlädt. "Popelalarm!!" ist ein heißer Tipp für alle kleinen Nasenbohrer.

Details

Bewertung

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