Philomena sucht das Glück


...und das ist näher, als sie denkt
von Inge Misschaert, Richard Verschraagen (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 07. Dezember 2018

Philomena sucht das Glück

Nicht immer braucht man Geschichten mit atemberaubender Spannung, mit einem großen Knalleffekt und ganz außergewöhnlichen Charakteren. Nein, manchmal sind es auch die kleinen Alltagsgeschichten, die uns verzaubern, die uns fesseln und in die man als Leser/-in eintauchen kann. Genauso eine Geschichte erzählt Inge Mischaert mit „Philomena sucht das Glück“.

Die kleinen Abenteuer des Alltags

Philomena - von allen nur Phil genannt - lebt mit ihrer Familie am Meer. Ihre Mutter ist Journalistin und deswegen viel auf Reisen. Ihr Vater, den Phil liebevoll Papamann nennt, wechselt ständig seinen Job und probiert immer wieder etwas Neues aus. Und dann ist da noch Meetje, die Tante ihrer Mutter. Sie ist für Phil ein Oma-Ersatz, denn ihre eigenen Großeltern sind schon lange verstorben.
Ihre Freizeit verbringt Phil mit ihrer besten Freundin Charlotte am Strand. Dort haben die zwei eine geheime Hütte gebaut - das Piratennest Meerblick. Leider war diese Hütte auch der Grund für einen entsetzlichen Streit der beiden. Überhaupt ist momentan alles komisch. Phils Mutter ist wieder da, hat aber Tante Caroline und deren Sohn Lucas mitgebracht. Doch Tante Caroline weint ständig und Lucas ist total zurückgezogen und spricht mit niemandem. Phil vermutet hinter all dem ein Familiengeheimnis, das sie unbedingt lüften will…

Philomena sucht das Glück von Inge Misschaert

Wunderbare Alltagsgeschichte mit vielen kleinen Episoden

„Philomena sucht das Glück“ ist eine ganz bezaubernde Geschichte. Sanft wie das Meeresrauschen kommt sie auf die jungen LeserInnen zugerollt, bringt viele kleine Episoden mit, die zusammen ein wunderbares Bild ergeben. Es ist ein Buch, das mit einer sanften, stillen Geschichte begeistert und gleichzeitig kraftvoll ist.
Zunächst stellt sich Phil ihrem Lesepublikum vor. Sie erzählt von sich selbst, von ihren Eltern, von ihrer Freundin. Nach und nach bekommen wir so ein Bild des Mädchens und ihres Leben. Phil selbst ist sehr sympathisch, hat ein heiteres Gemüt, geht an vieles entspannt und unverkrampft heran. Interessant an Phil ist ihre Sicht auf ihre Eltern. Sie spricht es nie direkt aus, denkt auch selbst nicht viel darüber nach, trotzdem geht es nicht spurlos an ihr vorbei, dass ihre Mutter mehr unterwegs als zuhause ist. Auf der Suche nach einem größeren Zimmer, wie ihr Vater mal erklärte. Die fehlende Bindung zwischen Tochter und Mutter spürt man dennoch deutlich in Phils Worten. Denn während sie ihrem Vater einen liebevollen Namen gegeben hat - Papamann - nennt sie ihre Mutter genauso. Es wirkt kalt, klingt distanziert und eher wie ein Titel als wie eine liebevolle Bezeichnung. Doch wie sollte Phil auch eine engere Bindung zu jemandem aufbauen, der so selten da ist, wie ihre Mutter?
So präsentiert sich uns nach und nach das Bild eines liebenswerten Mädchens und einer besonderen Familie. Durch die Erzählperspektive in der Ich-Form haben wir Teil an Phils Gedanken und ihren Gefühlen. Wir können uns gut in Phil hineinversetzen, ihr Tun verstehen und schnell in die Handlung eintauchen. Inge Misschaert bringt sehr viele Themen zur Sprache. Neben den bereits genannten kommen noch einige weitere hinzu. Trotz dieser Fülle  hat man beim Lesen nie das Gefühl, erdrückt zu werden. Die Geschichte, die Familie wirken ungewöhnlich, aber glaubwürdig. So machen all diese kleinen Episoden das Buch so entzückend und fesselnd zugleich.

Philomena sucht das Glück von Inge Misschaert

„Philomena sucht das Glück“ ist eine wunderbare und kraftvolle Geschichte über die kleinen Momente des Alltags. Über Augenblicke die uns traurig machen, aber auch fröhlich stimmen. Aufgebaut als Tagebuch, gewährt uns Inge Misschaert Einblick in das Leben eines besonderen Mädchens, das man sofort ins Herz schließt und dessen Geschichte den Leser begeistert.

Details

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Gefühl:
  • Illustration: