Pfui Spucke, Lama!

Antolin Quiz
von Katalina Brause, Carola Sieverding (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 05. Februar 2020

Pfui Spucke, Lama!

Niemand auf der Welt ist perfekt. Der eine hat Segelohren, der andere ist ein bisschen zu dick, wieder ein anderer trägt eine Brille und der nächste lispelt. Na und? Das ist alles nicht schlimm und macht uns auch nicht zu schlechteren Menschen. Denn schließlich kommt es auf den Charakter an. Um so einen unbedeutenden, kleinen Sprechfehler geht es in Katalina Brauses und Carola Sieverdings Bilderbuch „Pfui Spucke, Lama!“.

Wie ein Sprechfehler die Kirmes rettet

Alle Tiere der Stadt sind aufgeregt, denn sie bereiten eine eigene Kirmes vor. Auch das Lama möchte gerne bei den Vorbereitungen helfen, doch keiner mag es dabei haben. Denn das Lama hat einen kleinen Sprechfehler: es spuckt immer. Doch wer spuckt, so denken das feine Schwein, das Huhn und der dicke Hund, darf weder beim Luftballon aufpusten noch bei anderen Sachen helfen. Und am besten wäre es, das Lama bliebe auch der Kirmes fern! Ganz betrübt geht das Lama nach Hause und kann am Abend lange nicht einschlafen. Da beobachtet es, wie sich jemand auf den Kirmesplatz schleicht und etwas stehlen will. Jetzt ist seine Chance gekommen und das kleine Lama kann allen zeigen, was in ihm steckt. Denn so schlecht ist spucken manchmal gar nicht…

Pfui Spucke, Lama!

Geschichte über Vorurteile und Freundschaft

Katalina Brause bringt mit ihrem Bilderbuch „Pfui Spucke, Lama!“ nicht nur eine liebevolle Geschichte zu jungen Leserinnen und Lesern, sie gibt ihnen nebenbei auch eine wichtige Botschaft mit auf den Weg: Du bist gut, so wie du bist.
Nicht gut finden nämlich die Tiere das Lama. Nicht etwa, weil es unhöflich ist (ist es nämlich nicht) oder weil es faul ist (ist es nämlich auch nicht) oder weil es nicht hilfsbereit ist (das ist es ganz sicher nicht), sondern einfach, weil es einen Sprechfehler hat. Ja, das Lama spuckt, wenn es etwas sagt. Aber nicht mit Absicht. Doch das ist den Tieren egal. Schon hier wird klar, wie oberflächlich sie sind. Wie wichtig ihnen Äußerlichkeiten sind. Ihnen, dem feinen Schwein mit Melone und gezwirbeltem Bart, dem Huhn mit hübschem Halstuch und dem dicken Hund. Sie verurteilen das Lama und geben ihm keine Chance. Doch es soll seine Gelegenheit bekommen und beweisen, was in ihm steckt. Und das tut das Lama, obwohl die anderen gemein zu ihm waren. Schließlich erkennen die Tiere, wie hilfreich so ein spuckendes Lama sein kann - nicht nur in Bezug auf den Dieb, sondern auch in vielen anderen Dingen.

Pfui Spucke, Lama!

Neben dieser liebevoll erzählten Geschichte gefallen auch die Illustrationen von Carola Sieverding dem jungen Lesepublikum. Mit strahlenden, kräftigen Farben zeichnete sie die bunte Kulisse für das Setting. Dort hinein setzte sie das herzig und flauschig aussehende Lama, wie es immer wieder versucht, die Freundschaft der anderen zu gewinnen. Lange Zeit ist es frohen Mutes, bis es dann nach der letzten Abfuhr geknickt und traurig nach Hause geht. Hier hat die Illustratorin eine ganz wunderbare Szene im goldenen Abendrot geschaffen. Ein Bild, das berührt und ans Herz geht. Umso schöner, wenn sich am Ende alles zum Guten wendet und wir die neuen Freunde lachen sehen.

Pfui Spucke, Lama!

„Pfui Spucke, Lama!“ ist ein charmantes Bilderbuch, das seinen jungen Leserinnen und Lesern eine ganz wichtige Botschaft mit auf den Weg gibt. Platziert vor einem tierischen Kirmes-Setting, zeigen uns die Autorinnen, dass man nicht nach den Äußerlichkeiten, nach dem ersten Erscheinungsbild urteilen soll, sondern hinter die Fassade blicken und jemanden so akzeptieren soll, wie er ist.

Details

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