Millie in Wien

Antolin Quiz
von Dagmar Chidolue, Gitte Spee (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 10. April 2017

Millie in Wien

Wien - das sind Sisi, Schönbrunn und der Prater. Das sind Wiener Schnitzel, Kaffeehaus und Sachertorte. Nicht nur für Erwachsene hat die Stadt viel zu bieten, auch Kindern kann es großen Spaß machen, Wien während eines Städtetrips zu erkunden. Millie reist mit ihrer Familie nach Wien und wandelt hier auf den Spuren von Kaisern, Musikern und Konditoren: "Millie in Wien".

Auf Sisis Spuren

Ein Fehlgriff beim CD-Kauf bringt Millies Eltern auf die Idee, über Pfingsten die Stadt Wien zu besuchen. Gesagt, getan und schon bald darauf sitzen sie im Flieger in Richtung Donaumetropole. Hier kommt Millie aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Sie bewundern die barocke Pracht der Ringstraßenbauten, besuchen den Steffl und die Pummerin, wandeln auf den Spuren von Kaiserin Sisi und besuchen Mozarts Zauberflöte als Marionettentheater. Doch nicht nur kulturell genießen sie die Stadt, auch kulinarisch. Mittags gibt es tellergroße Schnitzel und am Nachmittag Sachertorte mit Verlängertem. Millie kann sich an der Stadt gar nicht satt sehen und genießt herrliche Tage in Wien.

Unterhaltsamer Reiseführer mit Lücken

Charmant, unterhaltsam und mit einer Prise Humor führt Dagmar Chidolue ihre jungen Leser durch Wien und lässt sie an den Schönheiten und Sehenswürdigkeiten der Stadt teilhaben. Dabei gelingt es ihr, einen Reiseführer in Romanform zu schreiben. Spielerisch verpackt sie Fakten und Zahlen, wissenswerte und geschichtliche Hintergründe in einer unterhaltsamen Geschichte. Für junge Leser wirkt das Buch wie ein lustiger, spannender Familienausflug, den Millie mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester erlebt. Wie nebenbei fließen ein paar Informationen über die Wahrzeichen der Stadt, über wichtige historische Persönlichkeiten, kulturelle Angebote und kulinarische Spezialitäten ein. Man hat jedoch nie das Gefühl, hier ein trockenes und langweiliges Sachbuch zu lesen, sondern eine unterhaltsame Geschichte. Es gibt viel wörtliche Rede, was den Lesefluss sehr auflockert. Auch so manche witzige Antwort darf dabei natürlich nicht fehlen.
Allerdings übertreibt es die Autorin stellenweise mit dem Witz. Ist die Bezeichnung "Straußvatersohn" für Johann Strauß aus der Handlung heraus noch nachvollziehbar und auch witzig, wird die Verballhornung von Mozart zu Mozzarella schon eher fragwürdig. Und auch die alternativen Bezeichnungen für  Belvedere, Wiener Schmäh, Radetzky und manch anderem werden irgendwann zu viel des Guten. Man kann einen Schmäh auch überstrapazieren. Ebenso haben sich vereinzelt Fehler eingeschlichen. So gibt es in Wien keine U-Bahn Haltestelle "Opernplatz", das wäre der Karlsplatz. Die Wiener Bim heißt nicht so, weil sie vor der Haltestelle zweimal bimmelt. Das tun sie eigentlich nur dann, wenn ein Fußgänger meint, noch schnell über die Straße rennen zu müssen. Der berühmte Wiener Schmäh hat nichts damit zu tun, wenn sich Leute auf der Straße Beleidigungen zuwerfen. Die Beschimpfung 'Schlamperl' ist nicht nur als Wort in einem Kinderbuch fraglich, sondern auch an entsprechender Stelle als Bezeichnung für Millies Mutter schlichtweg nicht gebräuchlich. Weil wir gerade bei der Wiener Mundart sind. Dialekt zu schreiben ist natürlich immer schwierig und es gibt keine allgemeingültige Form. Aber ganz sicher net "spüns Granada" sondern höchstens "spüts" . Ein Nicht-Österreicher überliest das und sieht darüber hinweg, doch von Österreichern oder gar Wienern kann dies schon negativ aufgenommen werden.
Das macht es letztendlich ein wenig schwierig. Das Buch ist toll geschrieben, liest sich spannend und ist unterhaltsam. Doch gerade diese kleinen Schönheitsfehler machen es für Österreicher und Wiener wenig empfehlenswert.

"Millie in Wien" ist ein charmantes Kinderbuch über Millie und ihre Familie, die in Wien Urlaub machen und die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten erkunden. Beeindruckend ist, dass man hier einen Reiseführer in den Händen hält, der als Kinderroman verpackt ist. Leider enthält er auch einige kleine inhaltliche Fehler, womit das Werk zumindest für den österreichischen Buchmarkt nur eingeschränkt zu empfehlen ist.

Details

Bewertung

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  • Humor:

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