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Mein Freund Otto, das wilde Leben und ich

von Silke Lambeck, Barbara Jung (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 26. August 2018

Mein Freund Otto, das wilde Leben und ich

Eltern und Großeltern erzählen der jüngsten Generation gerne mal von ihren Streichen aus Kindertagen. Da werden die Ohren gespitzt und die Augen ganz groß vor Staunen. Im Stillen fragt man sich, ob die heutigen Kinder überhaupt noch Streiche spielen können? Oder sind sie mittlerweile so behütet, das ihnen die Möglichkeit für Streiche fehlt? Die zwei Protagonisten aus Silke Lambecks Kinderroman "Mein Freund Otto, das wilde Leben und ich" stammen aus einem solchen behüteten Umfeld und wollen nun auch einmal etwas Wildes erleben.

Mit einem Gangsta-Rap gegen Immobilienhaie

Auf die Idee, aus ihren Zwängen auszubrechen, kommen die beiden Jungs durch ihre Musiklehrerin. Diese zeigt im Unterricht das YouTube Videos eines Berliner Rappers im Alter ihrer Schüler und fordert die Klasse dazu auf, etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen. Matti und sein Freund Otto sind hoch motiviert. Sie wollen aus ihrem braven Leben ausbrechen und einmal richtig wild sein. Und wenn es nur für dieses Schulprojekt ist. Schnell kommt ihnen auch eine Idee: Sie wollen einen Rap über einen Kioskbesitzer Hotte schreiben. Der verkauft zwar Eis und Süßigkeiten im Viertel, jedoch ist er auch ziemlich übellaunig und schnauzt die Kinder oft an. Nun wollen sich die zwei an ihm rächen. Doch es soll ganz anders kommen. Denn Matti und Otto beobachten, wie Hotte von zwei Schlägern bedroht wird, die von einem Immobilienhai geschickt wurden. Eins ist klar: Sie müssen ihren Rap über Hotte aufnehmen, jedoch nun, um ihm damit zu helfen!

Viel zu brav

Noch einmal: Können Kinder auch heute noch Streiche spielen? Besonders dann, wenn sie in einem wohlbehüteten Umfeld aufwachsen?
Die Antwort ist einfach: ja, sie können. Denn Matti und Otto, die Protagonisten dieses Kinderbuchs, machen es vor. Auch ihr behütetes Leben bietet den beiden Jungs genügend Freiraum, um sich zu treffen und gemeinsam ihre Idee vom eigenen Rap umzusetzen. Dabei merken sie, dass das wilde Leben gar nicht so weit weg ist. Im Gegenteil, es findet direkt vor ihrer Haustür statt, beim Kiosk um die Ecke.
Silke Lambeck erzählt ihre Geschichte über die beiden Freunde sehr temporeich und kurzweilig. Zudem füllt sie diese mit vielen Klischees. Der eine geht zum Yoga, der andere bekommt Klavierunterricht und eine der beiden Mütter führt einen Mama-Blog. Nicht gerade zur Freude ihrer Kinder, denn Otto ist dieser Blog furchtbar peinlich. Darum legt er auch großen Wert darauf, dass niemand davon weiß. Irgendwie verständlich, oder? Schließlich war es doch auch uns peinlich, wenn unsere Mütter den Nachbarn die neuesten Verfehlungen erzählt haben.
Doch zum Mittelpunkt der Ereignisse wird eine Beobachtung rund um den Kiosk, die die beiden Jungen machen. Dieser Kiosk bietet nichts Ungewöhnliches, aber die beiden Jungs können dort günstig Eis kaufen. Selbst wenn der Besitzer ein eher unfreundlicher Zeitgenosse ist. Trotzdem wollen Matti und Otto nicht, dass der Laden verschwindet. Das ist allerdings schwer, wenn ein Immobilienmakler alles daran setzt, diesen Laden zu bekommen und dabei auch nicht vor Gewalt zurückschreckt. Ein Plan ist schnell gefasst, der jugendliche Gangsta-Rapper aus Berlin-Neukölln muss her. Bei dieser Aktion erleben die Jungs mehr als nur eine Überraschung.
Erzählt wird das ganze aus der Sicht von Matti. Dadurch hat der Leser die Möglichkeit, ganz nah an der Handlung dran zu sein. Er erfährt die Geschehnisse nicht nur aus erster Hand, sondern weiß auch, wie Matti sich fühlt, was er denkt und was ihn bewegt. Das verleiht der Geschichte die richtige Stimmung und sorgt darüber hinaus auch für manche witzige Passage. Denn das Buch ist nicht nur spannend und temporeich geschrieben, sondern auch sehr humorvoll.

Silke Lambeck erzählt mit ihrem Kinderroman "Mein Freund Otto, das wilde Leben und ich" eine herrlich kurzweilige und unterhaltsame Geschichte über Freundschaft, das Leben in der Großstadt, Mama-Blogs, Immobilienhaien, Gangsta-Rapper und Kioskbesitzer, die gar nicht so gemein sind, wie sie vielleicht wirken. So sieht wildes Leben aus!

Details

Bewertung

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