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Maikäfer, flieg! Mein Vater, das Kriegsende, Cohn und ich.

von Christine Nöstlinger
Rezension von Stefan Cernohuby | 14. Juni 2016

Maikäfer, flieg! Mein Vater, das Kriegsende, Cohn und ich.

Um einen Klassiker den man schon seit vielen Jahren kennt erneut zu lesen, benötigt es manchmal einen Anlass. So wie im Fall von Christine Nöstlingers Meilenstein der Jugendliteratur „Maikäfer, flieg! Mein Vater, das Kriegsende, Cohn und ich.“. Denn seit März 2016 gibt es auch einen Kinofilm, zu dessen Anlass natürlich auch eine Neuauflage des Romans erschienen ist. Wir haben die Gelegenheit genutzt und unsere Erinnerung aufgefrischt.

Der zweite Weltkrieg ist fast zu Ende. Täglich wird Wien bombardiert und das Flüchten in die Keller ist ein alltägliches Ritual. Doch die Bomben zerstören einen großen Teil Wiens, so auch das Haus, in dem die Großeltern und Eltern der Ich-Erzählerin wohnen. Während sich ihre Großmutter weigert das Haus zu verlassen, erhält der Rest Familie den Auftrag, auf ein Haus in Neuwaldegg aufzupassen. Natürlich nehmen sie diese Möglichkeit wahr, denn in das Villenviertel werden keine Bomben geworfen. Als der Krieg endet, finden sich die Schwiegertochter der Besitzerin mit ihren Kindern in der Villa ein. Ein gespanntes Verhältnis zu den Nachbarn, Familie Engel, verliert schnell an Bedeutung, als die Russen kommen. Doch die Plünderungen halten sich in Grenzen, als sich ein russischer Major samt seinem Stab einquartiert. Dank der vereiterten Beine ihres Vaters können sie auch überzeugend behaupten, dass dieser kein Soldat gewesen wäre – obwohl die Verletzungen von Granatsplittern stammen. So freundet sich die Erzählerin mit einem hässlichen russischen Koch an, arrangiert sich mit den Soldaten und unternimmt Abenteuer, die nicht nur ihr beinahe den Kopf kosten. Und schließlich muss auch jemand für ihre Fehler bezahlen, bevor der Krieg sich wieder aus dem Land zurückzieht...

Christine Nöstlinger erzählt den Roman „Maikäfer, flieg!“ aus der Ich-Perspektive. Und so ist schließlich auch klar, dass sie in diesem Werk ihre eigenen Kindheitserinnerungen verarbeitet hat. Fantastisch gelungen sind vor allem die Gegensätze. Die Naivität der Kinder im Buch steht im klassischen Widerspruch zu ihrer gleichzeitigen Abgeklärtheit, wenn es um Konzentrationslager und Erschießungen geht. Situationen, in denen Gefahr einfach nicht erkannt oder gar negiert wird, wechseln sich mit übertriebener Vorsicht ab. Doch was vor allem an dem Buch überzeugt, ist die authentische Erzählung aus Sicht eines Kindes. Da wird schon einmal aus purer Abenteuerlust in das verlassene Haus der Nachbarn eingebrochen, nur um herauszufinden, dass diese Hirschbraten, Rehragout und Leberwurst gebunkert hatten. Charakterliche Veränderungen werden überrascht wahrgenommen. Denn wenn plötzlich die stets so resolute Großmutter vor Angst zittert, ist das für die Protagonistin nur schwer verständlich. Insgesamt gibt es vermutlich wenige Werke, welche das Ausklingen eines großen Krieges und den Beginn der Nachkriegszeit überzeugender und realistischer darstellen, als der vorliegende Roman. Die sieben Seiten mit farbigen Fotos aus dem Kinofilm sind zwar nett, aber letztendlich nicht von Bedeutung. Denn das Buch steht für sich selbst.

„Maikäfer, flieg! Mein Vater, das Kriegsende, Cohn und ich“ ist mittlerweile einer der großen Klassiker der Geschichte österreichischer Jugendbücher. Die Geschichte, die von der Protagonistin aus der Ich-Perspektive erzählt wird, ist nicht nur die Aufarbeitung der eigenen Kindheit der Autorin, sondern eine naiv-aufgeklärte Sicht einer der schwierigsten Zeitperioden für alle Österreicher. Ein Buch, das jeder junge Österreicher unbedingt gelesen haben sollte.

Details

Bewertung

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