Land unter bei Samuel

Antolin Quiz
von Susanne Weber, Susanne Göhlich (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 02. März 2020

Land unter bei Samuel

Der Klimawandel ist in aller Munde und auch Kinder beschäftigen sich mit ihm. Dabei haben sie ganz unterschiedliche Gründe: Die einen sorgen sich tatsächlich um ihre Zukunft und wollen etwas bewegen, bei anderen beschränkt es sich auf schulische Aktivitäten und einige wenige haben Eltern, die unmittelbar beruflich mit dem Thema arbeiten. So wie Samuel aus Susanne Webers Kinderbuch „Land unter bei Samuel“.

Wie kann man Kiribati retten?

Denn Samuels Vater ist Klimaforscher und arbeitet an einem Projekt, in dem es um die Inselgruppe Kiribati geht. Diese ist aufgrund des Schmelzens der Polkappen und dem dadurch steigenden Meeresspiegel davon bedroht, in absehbarer Zukunft unterzugehen.
Kiribati ist auch der Grund, warum Samuels Eltern vom einen Ende Berlins ans andere gezogen sind. Denn die Arbeit seines Vaters liegt in diesem Stadtteil und ist somit leichter für ihn erreichbar. Für Samuel und seine ältere Schwester Kiara bedeutet das, die alte Schule und alle Freunde zurückzulassen und neu anzufangen. Das ist gar nicht so leicht. Doch während Kiara immer gemeiner zu Samuel wird, vertieft sich der ganz in seine Erfindungen. Denn Samuel ist Erfinder und findet zu jedem Problem eine Lösung. Etwa zur lauten Klospülung, die seine neue Klassenlehrerin Frau Leise so sehr stört. Oder einen Dinoverwandler, der ihn in den Pausen vor dem blöden Bela schützt.
Nur für Kiribati findet er keine Lösung. Aber vielleicht könnten er ja ein Klassenprojekt zum Thema Klimaschutz starten?

Land unter bei Samuel

Klimaschutz aus Kindersicht

Klimaschutz ist derzeit ein aktuelles Thema, das uns alle bewegt. Dennoch gibt es einen Unterschied, ob wir nun allgemein über die Klimaerwärmung, den Treibhauseffekt und das Schmelzen der Polkappen sprechen oder ob wir tatsächlich einen Landabschnitt - beispielsweise die Inselgruppe Kiribati - vor Augen haben und uns deren Zukunft bewusst werden. Plötzlich bekommt die Klimaerwärmung ein Gesicht, wird die Katastrophe nachvollziehbar. Genauso geht es Samuel. Ihn berührt und erschüttert diese Situation. Dass eine ganze Insel untergehen soll, dass ein Land einfach so von der Karte verschwinden und seine Bewohner umgesiedelt werden sollen, lässt  ihn nicht los. Immer wieder kommt er in seinen Gesprächen auf Kiribati zurück, was zeigt, wie nah ihm das Thema geht. Genau das ist es, was diese Geschichte so unter die Haut gehen lässt. Es geht nicht nur um Klimaschutz, sondern die Probleme bekommen ein Gesicht.
Beim Erzählen ihrer Geschichte begibt sich Autorin Susanne Weber auf Augenhöhe ihres jungen Lesepublikums. Äußerst gelungen fasst sie in Worte, wie Kinder das Thema betrachten, wie sie es verstehen und wie sie damit umgehen. Für Kinder ist es schwer verständlich, wie Menschen so rücksichtslos handeln können und warum sie ihr Verhalten nicht überdenken wollen. Sie würden sofort etwas ändern wollen.

Land unter bei Samuel

Das Thema Klimaschutz ist zwar der Aufhänger des Buchs, aber bei weitem nicht das einzige Thema. Denn zusätzlich muss sich Samuel auch in einem neuen Umfeld und einer neuen Schule einleben und Fuß fassen. Das ist gar nicht so leicht und er hat so seine Startschwierigkeiten. Doch mit Köpfchen und seinem unbefangenen, natürlichen Charakter gelingt es ihm, selbst den schlimmsten Jungen in seiner Klasse zu zähmen und sich am Ende sogar mit ihm anzufreunden. Überhaupt besitzt die Geschichte trotz all der darin genannten Probleme immer einen positiven und fröhlichen Charakter. Auch an Witz und Situationskomik fehlt es nicht, was den Leser zum Lachen bringt. So entwickelt sich eine Handlung, die sehr atmosphärisch dicht erzählt wird, die den Leser fesselt, umgarnt und ihn einfach mitreißt.

Susanne Weber erzählt in ihrem Kinderbuch „Land unter bei Samuel“ von einem ganz normalen Jungen, der mit seiner Familie in einen neuen Stadtteil zieht und in einer neuen Schule Fuß fassen muss. Gleichzeitig bewegt ihn auch die aktuelle Klimadebatte und ganz besonders die Bedrohung einer Inselgruppe im Pazifik. Es sind viele Themen, die die Autorin in ihr Buch einfließen lässt. Dennoch wirkt die Handlung zu keiner Zeit überladen. Im Gegenteil. Es ist eine atmosphärisch dicht erzählte Geschichte, die Susanne Weber ihren jungen Lesern und Leserinnen präsentiert und in der es um Neuanfang, Freundschaft und Klimaschutz zugleich geht. Absolut empfehlenswert, absolut lesenswert!

Details

Bewertung

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