Jakobs Muschel

Antolin Quiz
von Jens Sparschuh, Julia Dürr (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 11. Februar 2019

Jakobs Muschel

Fiese Typen gibt es überall. Sie lauern auf dem Schulhof, sie passen einen auf dem Heimweg ab und sie lungern sogar auf den Spielplätzen herum. Mit ihnen legt man sich besser nicht an, sondern geht ihnen aus dem Weg. So wie Jakob es bei Jonas tut. Und wenn das einmal nicht klappt, tja, dann hilft vielleicht Fantasie weiter.

Jakobs Muschel

Jakob hat aus dem Urlaub eine ganz besondere Muschel mitgebracht. Wenn man sie ans Ohr hält, kann man das Meer rauschen hören. Zumindest hat man ihm das noch im Urlaub erzählt. Jetzt, zuhause in seinem Zimmer, klappt das allerdings nicht mehr so gut. Alles was er da rauschen hört, ist der Straßenverkehr. Vielleicht klappt es auf dem Spielplatz hinterm Haus ja besser? Also geht Jakob hinaus und setzt sich oben auf das Klettergerüst. Doch ausgerechnet da kommt Jonas vorbei. Jonas mit den teuren Sportschuhen und coolen Sprüchen, der Jakob immerzu ärgert. Klar, dass der nicht widerstehen kann, auch jetzt zu stänkern. Doch Jakob hat aus dem Urlaub nicht nur diese besondere Muschel mitgebracht, sondern auch ganz viele Geschichten über gefährliche Seeräuber. Wie beispielsweise über Jonny mit der furchtbar schrecklichen Warze…

Jakobs Muschel

Von Proleten und der Macht der Fantasie

Die Jakobsmuschel diente den Pilgern nach Santiago de Compostela als Wegweiser und als Erkennungszeichen für ihre Reise. Sie bezieht sich auf den heiligen Jakobus, der als Schutzpatron der Pilger gilt.
Was hat das mit der Muschel zu tun, die Jakob aus seinem Urlaub mitgebracht hat? Nichts und alles. Seine Muschel ist ein Erinnerungsstück an eine schöne Zeit, einen wunderbaren Urlaub. Gleichzeitig wird sie auch zum Ausgangspunkt einer neuen Freundschaft. Einer ungewöhnlichen Freundschaft, denn bisher ist Jakob seinem Gegenüber Jonas eher aus dem Weg gegangen. Kein Wunder, ist Jonas doch ein ziemlich mieser Zeitgenosse, dem nichts mehr Spaß bereitet, als andere zu schikanieren und zu quälen. Ausgerechnet die beiden sollen Freunde werden? Es ist schwer zu glauben, doch Jakobs Muschel macht es möglich. Durch sie beginnt Jakob eine fantastische Geschichte über einen Seeräuber zu erzählen, mit der er Jonas sichtlich beeindruckt. Es ist letztendlich diese eine Geschichte, die zwischen den beiden Jungs ein neues Band entstehen lässt. Ob daraus Freundschaft wird, überlässt der Autor der Fantasie seiner LeserInnen.
Die Geschichte besticht durch ihre Einfachheit, zeugt aber dennoch von einer unglaublichen Tiefe. Sie kommt mit einem Minimum an Kulisse und Figuren aus. Alle spielt sich auf einem Klettergerüst in einer Wohngegend und zwischen zwei Jungen ab. Die Handlung beschreibt zwei extrem unterschiedliche Personen. Der eine ist ein introvertierter, verträumter Junge, der andere dagegen ein richtiger Rüpel. Ständig beleidigt er andere, greift sie - wenn sein Wortschatz erschöpft ist - an und scheint auch in der Schule keine Leuchte zu sein. Er ist ein Ekel, ein äußerst unsympathischer Zeitgenosse. Und er ist im Augenblick eine Bedrohung für Jakob. Dieser weiß, dass er kaum ohne blaue Flecken an ihm vorbeikommen wird. Also muss er sich etwas einfallen lassen. Doch anstatt sich von Jonas beleidigen zu lassen, dreht Jakob den Spieß um. Hier kommt die Muschel ins Spiel, die für Jonas eben noch Anlass für Spott war. Jetzt lässt sie in Jakobs Fantasie eine Geschichte entstehen, die beiden Kindern die Möglichkeit gibt, sich kennenzulernen und einander näher zu kommen.

Jakobs Muschel

Jens Sparschuh bedient sich einer sehr einfachen und zeitgemäßen Sprache. Er greift genau den Slang auf, der an Schulen gesprochen wird, mit all seinen vulgären, beleidigenden Ausführungen. Dadurch werden die beschriebenen Szenen mit den beiden Jungen überhaupt erst glaubhaft.
Begleitet wird die Geschichte von Julia Dürrs Illustrationen. Einfache Formen und Figuren überzeugen ebenso, wie eine klare Strichführung. Die Bilder kommen ebenfalls mit einem Minimum an Details aus, ohne ihre Wirkung zu verlieren. Sie sind komprimiert, aber besitzen dennoch Tiefe. Stellenweise verschmilzt die Klettergerüstszene mit der Seeräubergeschichte, bildet eine Symbiose. Damit wird die Macht der Fantasie, die neue Freundschaft entstehen lässt, zusätzlich verdeutlicht.

„Jakobs Muschel“ ist ein einfach erzähltes und gleichzeitig sehr tiefsinniges Kinderbuch. Es erzählt von zwei Jungs, die dank der Kraft der Fantasie eine Möglichkeit finden, von Feinden zu Freunden zu werden. Es ist eine Geschichte von Mut und Freundschaft, und von großen Abenteuern auf einem einfachen Klettergerüst.

Details

Bewertung

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