Irgendein Berg

von Fran Pintadera, Txell Darné (Illustration)
Rezension von Stefan Cernohuby | 09. August 2018

Irgendein Berg

Berge gibt es eine Menge und naturgemäß gehört zu einem richtigen Berg auch ein entsprechendes Tal. Klar, am Berg lebt man anders als im Tal. Das muss aber nicht unbedingt jedem gefallen, besonders wenn man findet, selbst im Recht zu sein. Von dieser Situation erzählt auch das im Peter Hammer Verlag erschienene Bilderbuch „Irgendein Berg“, von Fran Pintadera und Txell Darné.

In einer Welt, in der Berge offenbar aus altem Papier bestehen, gibt es einen Berg, auf dem alle glücklich sind. Weil der Wind weht und die Sonne scheint. Doch die Leute im Tal sind es genauso, haben sie doch einen Fluss und prächtige Gärten. Natürlich lebt man am Berg und im Tal anders. Das zeigt sich beim Fußballspielen am Berg und beim Fallschirmspringen im Tal. Berg- und Talbewohner sind überzeugt, das schönste Dorf überhaupt zu haben. Doch ihre Feiern sind sehr unterschiedlich. Und klarerweise mag man als Bergbewohner nicht, wenn man von explodierenden Raketen einer Feier der Talbewohner eingenebelt wird. Aber deshalb gleich mit Steinen werfen? Klar, dass die wieder zurückkommen. Und so schaukelt sich das Drama immer weiter auf. Bis von der schönen Landschaft nicht mehr allzu viel übrig ist. Bis auf zwei andere Dörfer, die in Bezug auf den Lebensstil nicht ganz einer Meinung sind.

Die Geschichte jedes Krieges in einer Nussschale. So könnte man das Buch „irgendein Berg“ bezeichnen. Und dass sich die Geschichte immer wiederholt, kann man auch schon daraus erkennen, dass so gut wie jeder der Berge aus Altpapier zu bestehen scheint. Einige von ihnen zeigen fremdländische Buchstaben, andere Zeichnungen, Handschrift oder Kinderkritzeleien. Gibt es ein Kommunikationsproblem? Ein Missverständnis? Egal, irgendjemand beschließt, dem anderen etwas heimzuzahlen und dann dreht sich die Spirale der Gewalt immer schneller, bis letztendlich der ganze Berg zu Bruch geht. Oder zumindest fast. Die verschiedenen Dörfer haben ihren Blick nie in die Ferne und das große Ganze gerichtet, sondern immer nur auf sich. Und so, wie sie leben ist es für sie gut und der einzige, richtige Weg. Etwas, was zum Nachdenken anregen sollte. Denn nicht immer ist das, was im Tal toll ist, auch für diejenige am Berg erfreulich. Genauso wie nicht alles, was man mit althergebrachten Werten assoziiert, auch in der Nachbarschaft so ist. Das Buch lässt nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene etwas wortlos zurück. Vor allem, wenn selbst junge Leser begreifen, dass in den letzten beiden Aussagen des Buchs bereits der Keim der nächsten Auseinandersetzung schlummert.

„Irgendein Berg“ ist nicht irgendein Buch, und schon gar keine leichte Lektüre für die junge Leser- und Zuhörerschaft. Denn auf kindgerechte und dennoch gruslig einfache Art wird Kindern nähergebracht, wie Konflikte und Kriege entstehen und was diese bewirken können. Etwas, das sicher für keine fröhlichen Gesichter sorgt. Insofern sollte man sich überlegen, wann man dieses Buch mit seinen Kindern gemeinsam ansieht. Denn wertvoll ist der Inhalt allemal.

Details

Bewertung

  • Gesamt:
  • Anspruch:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Illustration: