Hübendrüben

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Als deine Eltern noch klein und Deutschland noch zwei waren
von Franziska Gehm, Horst Klein (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 13. Juni 2019

Hübendrüben

In diesem Jahr gedenken wir 30 Jahre Mauerfall. Ein Ereignis, das wir bewusst oder unbewusst miterlebt haben, mit dem wir ganz bestimmte Erinnerungen und Eindrücke verbinden und das unser Leben in ein davor und danach einteilt. Für uns ist es ein Teil unseres Lebens, für unsere Kinder wirkt es seltsam und abstrakt. Was heißt das, Mauerfall und Wiedervereinigung? Gab es etwa zwei Deutschlands? Ja, die gab es und worin sie sich unterschieden, zeigen Franziska Gehm und Horst Klein in dem bunten Bilderbuch „Hübendrüben“.

„Als deine Eltern noch klein und Deutschland noch zwei waren.“

Wie war das also, damals, vor 30 Jahren und mit zwei deutschen Ländern?
Wie kann man heutigen Kindern erklären, was DDR und BRD waren? Warum durch das Deutschland, wie sie es kennen, eine Grenze ging und was das für die Bewohner damals bedeutete?
Franziska Gehm und Horst Klein versuchen es. Dafür schufen sie zwei fiktive Kinder mit Familien - Max in der BRD, Maja in der DDR - die stellvertretend für andere Kinder stehen. Sie nehmen uns mit auf eine Zeitreise und zeigen uns, wie Kinder im Westen lebten und wie im Osten. Schule, Freizeit, Ferien, Freunde, Familie, Lieblingsessen, Zukunftswünsche - alles das hat Platz im Buch gefunden. Lebendig und unterhaltsam stellen es die beiden Autoren einander gegenüber. Auf einer Seite erzählt Max aus seinem Alltag, auf der gegenüberliegenden Seite berichtet uns Maja. So sehen wir, wie unterschiedlich die Leben in beiden Ländern waren - Max Mutter ist zuhause, kümmert sich um Haushalt und die Kinder, während Majas Mutter arbeiten geht, Max geht zu den Pfadfindern, Maja zu Pionierveranstaltungen, Max fliegt in den Ferien nach Spanien, Maja fährt an die Mecklenburger Seenplatte. Wir finden aber auch Gemeinsamkeiten, wie die prall gefüllte Schul-/Zuckertüte zur Einschulung, die Vorliebe der beiden für Eis, Hähnchen und Schokolade und ihr Berufswunsch, später einmal als Astronaut bzw. Kosmonaut ins Weltall zu fliegen.
Neben den Vergleichen des Alltags in beiden deutschen Ländern, wird auch beschrieben, wie es überhaupt dazu kam, dass es diese Grenze durch Deutschland mit ihrer berühmten Mauer gab und wie diese dann vor 30 Jahren eingerissen wurde.

Zeitgeschichte, für Kinder bunt und spritzig erzählt

Es ist unglaublich viel, was die beiden Autoren in dieses Bilderbuch hineinpacken, und sie tun es so, dass es zugleich wahnsinnig spannend, fesselnd und lebendig ist. Bunte, wimmelähnliche Illustrationen zeigen uns Ausschnitte aus dem Leben der beiden Kinder. Sie wirken wie ein Erinnerungsalbum der beiden, mit dem sie uns Betrachtern aus der Zukunft von ihrem Leben erzählen wollen. Jedes Bild ist - wie in einem solchen Album üblich - mit Buntstift geschriebenen Kommentaren versehen. Es gibt Sprechblasen, Bemerkungen, Randnotizen, Sternchen-Verweise, die alle wie kleine Fragmente wirken, zusammen aber doch ein großes Gesamtbild ergeben. Dabei behalten die Autoren einen neutralen Ton. Keines der beiden Länder wird als das bessere dargestellt, stattdessen werden beide gleichermaßen respektiert, wertgeschätzt und mit einem Augenzwinkern bedacht.
Durch diese Gestaltung bietet das Bilderbuch eine Fülle an Bildern, Texten und Informationen. Es ist keineswegs ein Buch, das man zur Hand nimmt, das man aufschlägt, durchblättert, und auf einen Rutsch liest. Nein, es ist ein Buch, das man immer hervorholt, das man intensiv betrachtet und in dem man immer wieder etwas Neues entdeckt. Hier einen Unterschied, da eine Gemeinsamkeit. Wer die DDR und die Wende erlebt hat, der wird hier vieles wiedererkennen, sich zurückerinnern und seine eigenen Erzählungen beisteuern. Wir verwendeten bereits den Begriff Erinnerungsalbum - und das ist es nicht nur für die beiden Kinder Max und Maja, sondern auch für jeden von uns, der mit Kindern einen Blick hineinwirft, um ihnen zu zeigen, wie das damals war, in der BRD und DDR,  und der damit selbst auf eine Zeitreise geht.

Mit quietschbunten Zeichnungen, lockeren Texten, Sprechblasen und Fußnoten erzählen uns Franziska Gehm und Horst Klein vom Leben im zweigeteilten Deutschland. Damit vermitteln sie heutigen jungen Leserinnen und Lesern auf unterhaltsame, anregende und witzige Weise historische Lebenswirklichkeit. Großartig, brillant und ein Muss zum diesjährigen 30 Jahre Mauerfall.

Details

Bewertung

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