Heute schlaf ich anderswo

von Annette Langen, Annette Swoboda (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 17. Februar 2018

Heute schlaf ich anderswo

Das erste Mal ohne Mama und Papa anderswo zu übernachten, ist für Kinder ein Schritt in Richtung Unabhängigkeit. Nicht jedem fällt dieser Schritt leicht. Manche Kinder sind es vielleicht schon gewohnt, bei Oma und Opa zu übernachten, andere haben diese Erfahrung noch nicht gemacht und sind ängstlich und verunsichert. Annette Langen zeigt in ihrem neuen Bilderbuch "Heute schlaf ich anderswo", mit welchem Geheimtrick man das Heimweh überlisten kann.

Willst du bei mir schlafen?

Jojo ist im Kindergarten einer der Älteste, kenn ziemlich viele Tricks und die tollsten Spiele. Doch als er eines Tages von seiner Freundin Ida gefragt wird, ob er bei ihr übernachten möchte, wird Jojo flau im Magen. Woanders schlafen? Ohne Mama und Papa? Wo er doch seine vertrauten Rituale braucht, um einschlafen zu können? Das sagt Jojo natürlich nicht, sondern lädt Ida einfach zum Übernachten bei sich ein. Zusammen haben sie nicht nur viel Spaß, Ida kennt auch einen Geheimtrick, um das Heimweh auszutricksen: Wenn sie woanders schläft, hat sie immer ein Kuscheltuch mit Mamageruch dabei. Jojo ist ganz begeistert davon und probiert es beim nächsten Mal selbst. Das funktioniert so gut, dass Jojo von nun öfters woanders übernachtet.

Einfühlsam und feinfühlig erzählt

Das erste Mal woanders schlafen ist sowohl für Kinder als auch für Eltern ein großes Ereignis. Für beide bedeutet es loszulassen. Dennoch ist für Kinder diese Erfahrung ein weitaus bedeutender Meilenstein. Es ist ein großer Schritt in Richtung Unabhängigkeit. Sie verlassen - wenn auch nur für kurze Zeit - die vertraute Umgebung, lösen sich von bekannten Ritualen, die ihnen Schutz und Geborgenheit geben. Manche Kinder haben diese Erfahrung schon im Kleinkindalter gemacht, für andere ist es im Kindergarten oder in der Grundschule das erste Mal.
Annette Langen platziert ihre Geschichte in die Kindergartenzeit. Feinfühlig erzählt sie von der Angst, woanders zu schlafen. Protagonist Jojo ist ein recht taffer Junge, hat aber beim Gedanken ohne seine Mama und die liebgewonnenen Abendrituale einzuschlafen, doch etwas Angst. Daher ist er erleichtert, als seine Freundin zunächst bei ihm übernachtet. So erfährt er, dass es gar nicht so schlimm ist, in einer anderen Umgebung zu übernachten, sondern dass dies viel Spaß macht und ein großes Abenteuer ist.
Durch Annette Langens Geschichte können Kinder an dieser Erfahrung teilhaben. Sie können sich in Jojos Situation hineinversetzen, ohne dabei selbst unter Druck zu stehen. Sie erfahren, dass Angst zu haben okay ist und sie sich nicht dafür schämen müssen. Gleichzeitig sehen sie auch, was für ein Abenteuer und wie viel Spaß es ist, bei einem Freund zu schlafen. Diese Botschaft stärkt Kinder. Ebenfalls großartig ist der gezeigte Geheimtrick, der Heimweh gar nicht erst aufkommen lässt. Eine solche Hilfe - egal ob in Form des hier genannten Kuscheltuchs oder als Kuscheltier - tröstet Kinder und macht ihnen Mut.
Begleitet wird die Geschichte von Annette Swobodas Illustrationen. Bunt, lebendig und verspielt zeichnet sie die Szenen des Kinderalltags. Erwachsene kommen hierin kaum vor. Der Fokus liegt ganz auf den kleinen Großen. Dadurch fühlen sich Kinder angesprochen und lassen sich auf die Handlung viel besser ein. Wer weiß, vielleicht weckt das Buch in manchen von ihnen den Wunsch, auch einmal auswärts zu schlafen und sie greifen sogar auf den tollen Geheimtrick zurück.

Zusammengefasst ist "Heute schlaf ich anderswo" ein tolles Bilderbuch, das einen wichtigen Meilenstein des Großwerdens aufgreift. Annette Langen erzählt vom Auswärtsschlafen, vom Heimweh und von kleinen Tricks, wie man beides meistern kann. Die Geschichte spricht Kinder aufgrund ihres feinfühligen Erzähltons an und holt sie da ab, wo sie gerade in ihrer Entwicklung stehen.

Details

Bewertung

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