Greta und die magischen Steine

Antolin Quiz
von Paul Maar, Helga Bansch (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 24. August 2016

Greta und die magischen Steine

Viele Kinder wachsen heute mit nur einem Elternteil auf. Dennoch wohnt tief in ihnen der Wunsch, auch das fehlende Elternteil zumindest einmal kennenzulernen. Oft ist es der Vater, der ihnen fehlt. Die Sehnsucht ihn kennenzulernen, kann von Jahr zu Jahr stärker werden, bis sich Kinder schließlich auf die Suche nach ihm machen. Diese Sehnsucht nach dem Vater thematisiert auch Paul Maar in seinem Märchen-Bilderbuch "Greta und die magischen Steine".

Vor langer, langer Zeit, als magische Wesen wie Zwerge, Feen und Hexen noch unter uns wandelten, lebte in einem kleinen Dorf ein Mädchen. Ihr Name war Greta und sie bewirtschaftete mit ihrer Mutter einen kleinen Garten. Gretas Vater fuhr vor langer Zeit übers Meer gefahren, um nach Gold zu suchen. An eine Rückkehr glauben weder sie noch die Mutter. Dennoch sehnt sich Greta nach ihrem Vater. Eines Tages kommt eine seltsame alte Frau an Gretas Haus vorbei. Sie fordert das Mädchen auf, ans Meer zu gehen und ihren Vater zu suchen. Dafür gibt sie ihr einen weißen Stein mit auf den Weg, den ersten von drei. Zunächst noch unschlüssig, begibt sich Greta schließlich an den Strand, wo sie auf einen weißen Vogel trifft, der ihr genaue Anweisungen gibt.

"Greta und die magischen Steine" ist ein poetisches Märchenbilderbuch, das von der Sehnsucht eines Mädchens nach ihrem Vater erzählt. Einer Sehnsucht, die im Laufe der Jahre zwar beiseitegeschoben, aber dennoch nicht schwächer wird. Und so begibt sich das Mädchen letztendlich doch auf eine Reise ins Ungewisse.
Paul Maar erzählt wunderbar atmosphärisch und zauberhaft seine Geschichte. Er spielt mit der Sprache, schmückt sie aus und arrangiert die Worte so, dass sie in den Köpfen der Leser zu Bildern werden. Zu Bildern von längst vergangenen Zeiten, mit dunklen Wäldern voller unheimlicher Geschöpfe; von Wiesen und Feldern mit Nebelschwaden, die im fahlen Mondlicht zu Geistern und Feen werden. Und mittendrin ist ein kleines, altes Dorf, in dem die Protagonistin in ärmlichen Verhältnissen lebt. Die Geschichte beflügelt die Fantasie des Lesers, trägt ihn mit sich fort und gibt ihn erst frei, nachdem Greta ihre drei magischen Steine zum Einsatz gebracht hat. Ganz deutlich spürt man ihre Sehnsucht nach dem Vater, folgt ihrem Blick, der suchend über das Meer bis zum Horizont gleitet. Ist dort hinten vielleicht das schon seit vielen Jahren erwartete Schiff zu sehen? Oder sind es nur hohe Wellen, die sich brechen?
Begleitet wird diese atmosphärische Erzählung von nicht minder zauberhaften Bildern der preisgekrönten Illustratorin Helga Bansch. Ihre Zeichnungen spiegeln die gleiche Sehnsucht wider, die Paul Maar mit seinen Worten beschreibt. Sie haben etwas Melancholisches und Wehmütiges. Sie können aber genauso auch Freude und Glück ausstrahlen. Helga Bansch setzt gezielt Akzente, um so die jeweilige Situation noch besser zu untermalen. So bilden Bilder und Erzählung eine wunderbare Einheit und machen das Gesamtwerk besonders stimmungsvoll.

"Greta und die magischen Steine" ist ein poetisches Märchenbilderbuch mit einer symbolhaften Geschichte von Sehnsucht und Suche. Paul Maar spielt mit der Sprache und lässt aus ihr eine stimmungsvolle Geschichte entstehen, die dann wiederum von Helga Bansch nicht minder eindrucksvoll illustriert wurde. Ein tolles Bilderbuch, das berührt, verzaubert und zum Träumen einlädt.

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