Gemeinsam sind wir stark

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Eine gans wahre Geschichte
von Smriti Prasadam-Halls, Robert Starling (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 25. Juni 2020

Gemeinsam sind wir stark

Grenzschließungen, andere aussperren, früher war alles besser. Schlagworte, wie wir sie heute viel zu oft hören. Parolen, mit denen bestimmte Gruppen Stimmung gegen andere machen. Kinder hören diese Parolen leider auch, verstehen aber nicht, was sie bedeuten, geschweige denn, was dahinter steckt. Wie kann man es ihnen auf einfache, kindgerechte Weise erklären? Smriti Prasadam-Halls und Robert Starling haben versucht, es in einem tierischen Bilderbuch zu tun.

Gemeinsam oder alleine?

Irgendwo liegt ein Bauernhof, auf dem alle Tiere Freunde sind und Hand in Hand arbeiten. Sie bestellen gemeinsam Felder, kümmern sich um Wiesen und Apfelbäume. Jeder hat seinen Platz auf dem Bauernhof. Manche wohnen mittendrin, andere, wie die Gänse und Enten, abseits auf einer kleinen Insel. Jene Gänse sind es, die sich eines Tages benachteiligt fühlen. Ihnen fehlt es an Platz, sie stören sich an der Anwesenheit der anderen Tiere, sie wollen ihren schönen Ort wieder für sich selbst. So beschließen sie, die Brücke zum Festland abzureißen. Doch bald schon merken sie, dass sie nun viel mehr Arbeit haben, dass sie ganz alleine dastehen und keine Hilfe mehr bekommen. Doch richtig schlimm wird es, als in einer kalten Winternacht plötzlich ein Rudel Füchse vor ihrer Tür steht. Früher hätten sie die anderen Bauernhoftiere beschützt. Doch nun ist die Brücke abgerissen und die Gänse sind vom Bauernhof getrennt…

Gemeinsam sind wir stark

Kindgerechte Geschichte gegen Abschottung und Populismus

Schaut man sich in der Welt um, scheinen Nationalismus und Populismus auf dem Vormarsch zu sein. Kinder bleiben von diesen Themen nicht verschont, bekommen sie im Alltag doch immer wieder entsprechende Aussagen zu hören. Umso wichtiger ist es ihnen zu zeigen, das Egoismus und falscher Nationalstolz in eine Sackgasse führen. Genau das tun Smriti Prasadam-Halls und Robert Starling mit diesem Bilderbuch. Sie erzählen eine Parabel, setzen dafür Tiere an Stelle der Menschen. Hier sind es die Gänse, die sich benachteiligt fühlen. Die plötzlich meinen, jeder wolle sie ausnutzen. Sie haben Angst, dass ihnen der Wohlstand genommen wird und sie ihren Reichtum mit anderen teilen müssen. Also trennen sie sich von den anderen Tieren - die wiederum nur voller Unverständnis auf die Nachbarinsel schauen. Es vergehen Wochen, Monate und langsam wird klar, wohin ihre Arroganz die Gänse geführt hat. Das Leben wird härter und schwerer. Nichts ist mehr von Wohlstand und Behaglichkeit zu sehen. Doch sie bleiben ihrem Mantra treu, beklagen sich nicht und reden sich ein, allein zu sein wäre besser. Erst als die Gefahr zu groß wird, sind sie bereit, umzudenken und ihren Fehler einzusehen.

Gemeinsam sind wir stark

Die Autoren erzählen ihre Geschichte auf Augenhöhe ihres jungen Lesepublikums. Sie bedienen sich einer klaren Sprache und weniger Worte. Was der Text nicht erzählt, vermitteln die Illustrationen. Mit einfachen Linien und klaren Formen zeigen sie uns die Entwicklungen auf der Gänseinsel. Die Emotionen kann man in kleinen Details und in den Gesichtszügen der Tiere herauslesen. Die Geschichte bewegt Kinder, lässt sie nachdenken und das Gespräch suchen. So wird sich schon bald ein Dialog entwickeln, in dem es um Gemeinschaft, Zusammenhalt, Unterstützung und auch Neid gehen wird. Das Buch unterhält, lädt aber auch zu Gesprächen ein.

„Gemeinsam sind wir stark. Eine gans wahre Geschichte“ ist ein Bilderbuch wie es wunderbar in unsere Zeit passt. Einer Parabel gleich, erzählt es von Gemeinschaft und Separatismus, von Alleingängen und Zusammenhalt. Dabei bewegen sich die Autoren auf Augenhöhe seiner jungen Leserschaft. Trotz all dem Tiefgang fehlt es dennoch nicht an Witz und Unterhaltung.

Details

Bewertung

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  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Illustration:

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