Fabers Schatz

Antolin Quiz
von Cornelia Funke, Susanne Göhlich (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 16. Juli 2016

Fabers Schatz

Unsere Welt ist bunt und vielfältig. Wir bereisen sie, lernen neue Länder und Menschen kennen und kehren mit Erinnerungen nach Hause zurück. Doch auch unsere Heimatbietet uns Fremdes, das wir kennenlernen können. Manchmal brauchen wir dazu nur einen Teppich und einen Großvater.

Fabers Großvater zieht nach Amerika und so erbt der Junge einen kleinen, alten Teppich. Den hat der Großvater einst aus Damaskus mitgebracht, wo ihm erzählt wurde, dass dieser Teppich fliegen könne. Man müsse nur die Worte lesen, die darauf geschrieben stehen. Faber kann natürlich schon lesen, nicht aber die Zeichen auf dem Teppich. Also sucht er jemanden, der ihm die Zeichen vorlesen kann. Er fragt seinen Freund Kamil. Dessen Mutter kommt aus Marokko und das ist auf dem Globus nicht weit weg von Damaskus. Doch die Worte kann sie nicht lesen.
Faber fragt die Kinder, die bei den Containern am Hafen Fußball spielen. Er fragt an der Imbissbude, wo sich nach Feierabend die Matrosen treffen.
Doch keiner kann ihm die Zeichen vorlesen. Traurig setzt sich Faber auf seinen Teppich und lässt seinen Blick schweifen. Da kommt ein Mädchen und spricht leise ein paar Worte. Und durch den Teppich geht ein leichtes Zittern…

"Fabers Schatz" ist eine magische Geschichte voller unerschöpflicher Fantasie. Sie beginnt zunächst traurig, weil sich Faber von seinem Großvater verabschieden muss. Dieser hinterlässt ihm ein besonderes Abschiedsgeschenk: einen Teppich. Doch eigentlich vererbt ihm Großvater viel mehr. Er hinterlässt ihm seine Geschichten von fremden Ländern, von großen Abenteuern mit wilden Indianern und gefährlichen Piraten. Er hinterlässt ihm weise Worte über die Vielfalt und Farbenpracht unserer Welt. Doch auch der Teppich birgt ein Geheimnis. Um an dieses zu gelangen, muss Faber nur die Worte lesen, die auf dem Teppich stehen. Worte in einer Schrift, die er bisher noch nie gesehen hat und die auch kein anderer seiner Freunde zu kennen scheint. Bis ein kleines Mädchen mit schwarzen Haaren und seltsamen Kleidern sich zu ihm setzt. Sie kann die Worte sehr wohl lesen und bringt sie Faber bei. Doch er lernt noch mehr. Mehr Worte, aber auch mehr über das Mädchen und dessen Heimat. Eine Heimat, die weit weg liegt, weit hinter dem Fluss und über dem Meer. Eine Heimat, zu der sie Fabers Teppich bringt.
So erzählt Cornelia Funke eine wunderschöne Geschichte über Freundschaft und Fremdheit. Und was geschieht, wenn man beides miteinander verbindet. Dann wird der Fremde zum Freund, von dem man viel lernen aber auch erleben kann.
Begleitet wird die Geschichte von Susanne Göhlichs tollen Illustrationen. Sie zeichnet eine bunte und weltoffene Hansestadt. Vor maritimer Kulisse sucht Faber nach des Rätsels Lösung, trifft zahlreiche Menschen, bunt und aus allen Herren Ländern. Bilder und Geschichte bilden eine Einheit, tragen den Betrachter davon, verzaubern und begeistern.

"Fabers Schatz" ist eine einfühlsame Geschichte über Freundschaft, über die Fremde im eigenen Land und über die Sehnsucht. Verbunden ist alles durch einen alten, mit Erinnerungen gespickten Teppich. Bestseller-Autorin Cornelia Funke ist es einmal mehr gelungen, eine tolle Geschichte für ein junges Publikum zu schreiben, die von Susanne Göhlich nicht minder großartig illustriert wurde.

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