Es gibt eine Zeit ...

von Lena Raubaum, Clara Frühwirth (Illustration)
Rezension von Stefan Cernohuby | 21. Dezember 2020

Es gibt eine Zeit ...

Es ist erstaunlich, wie viel Überliefertes auch nach langer Zeit immer noch Gültigkeit hat. Doch manchmal ist es nicht ganz eindeutig, wie jene Texte auf die heutige Zeit angewendet werden können. Dann kann man versuchen, die Essenz dieser Texte zu finden und sie neu zu interpretieren – und darüber hinaus, sie auch Kindern zugänglich zu machen. Das versuchen Lena Raubaum und Clara Frühwirth mit dem Werk „Es gibt eine Zeit …“

Es gibt eine Zeit …

Man kann Zeit auf das Notwendigste reduzieren. Es gibt Tag und Nacht, es gibt Zeit für Bewegung und Zeit für Stillstand. Manchmal ist es besser an einem Ort zu bleiben, manchmal verlässt man seine Heimat und zieht in ein neues Land. Genauso ist es mit Lachen und Weinen, Verlieren, Suchen und Wiederfinden. In gewissen Situationen ist es besser mutig zu sein, in anderen verhält man sich lieber vorsichtig oder furchtsam.

Menschen und Hintergründe

Dargestellt werden nun einzelne Zeilen, bei denen Kinder im Vordergrund und eine Szenerie im Hintergrund dargestellt wird. Während die Kinder immer farbig illustriert sind, ist der Hintergrund manchmal skizzenhaft angedeutet, manchmal in nur einer Farbe. Teilweise handelt es sich um Gegenstände des täglichen Lebens, teils um etwas abstrakte Konstruktionen und nicht so leicht zu erkennen. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf den Emotionen der dargestellten Kinder.

Es gibt eine Zeit

Interpretation und Geschmäcker

Der Titel des Bilderbuchs ist aus einem Bibelzitat abgeleitet, nämlich konkret Kohelet 3,1-3,8. Dabei handelt es sich um ein Buch der Bibel, das sich mit verschiedenen Perspektiven auseinandersetzt. Und letztendlich auch mit dem Rat, sich aufgrund von schwierigen Zeiten das Gute im Leben zu genießen. Ein Rat, der in diesem Jahr kaum zutreffender sein kann.

Es gibt eine Zeit


Vergleicht man nun das Original mit der Neuinterpretation, gibt es einige Stellen, die man gut ableiten kann, aber auch einige, bei denen man sich durchaus fragt, wo sie herkommen. Eine Formulierung mit „Hautgewand“ klingt sogar etwas gruslig. Die Bilder, die in einer Mischung aus Radiertechnik, Aquarell und digitaler Collage entstanden sind, verbreiten eine eigene Stimmung, die sich auf den Ausdruck der Emotionen konzentriert. Da diese aber mitunter ziemlich überzeichnet dargestellt werden, ist die resultierende Optik eher Geschmackssache.
Die Botschaft, dass es für alles seine Zeit gibt, und die entsprechenden Beispiele dafür, werden im Buch gut vermittelt. Sie wird vermutlich auch bei Kindern gut ankommen. Über die Neuinterpretation des Bibelzitats und die Illustrationen kann man jedoch geteilter Meinung sein.

„Es gibt eine Zeit …“ entspringt nicht nur einem Bibelzitat. Es ist auch eine Neuinterpretation der entsprechenden Stelle von Lena Raubaum, illustriert von Clara Frühwirth. Das Ergebnis ist eine poetische Botschaft, den Moment zu nutzen und zu akzeptieren, dass es auch Augenblicke gibt, in denen das Leben nicht so schön ist. Dies vermittelt das Buch sehr gut. Ob die Illustrationen Kindern jedoch zusagen ist fraglich. Auch die Interpretation selbst kann vermutlich die Meinungen auseinandergehen lassen.

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