Enno Anders. Löwenzahn im Asphalt

von Astrid Frank
Rezension von Janett Cernohuby | 08. März 2017

Enno Anders. Löwenzahn im Asphalt

Unsere Gesellschaft ist auf Leistung ausgerichtet. Wer nicht mitzieht, bleibt zurück. Das beginnt bereits in Kinderkrippen und Kindergärten. Wo wird mein Kind besser gefördert? Im normalen oder in einem bilingualen Kindergarten? Welche Schule bietet die meisten Aktivitäten außerhalb der Unterrichtszeiten? Doch nicht alle Kinder sind diesem extremen Leistungsdruck gewachsen. Astrid Frank erzählt in ihrem neuen Kinderbuch von einem besonderen Jungen, der einem solchen Druck ausgesetzt ist: "Enno Anders: Löwenhahn im Asphalt".

Ennos Familienname lautet nicht nur Anders, Enno ist auch anders. Die einfachsten Aufgaben überfordern ihn. Das Decken des Frühstücktisches endet in einer Katastrophe. Ein Schulaufsatz über ein Ferienerlebnis wird zu einer haarsträubenden Science Fiction-Geschichte und Antworten auf ganz einfache Fragen zu geben, ist für Enno eine richtige Herausforderung. Mit Enno stimmt etwas nicht, findet seine Mutter und nörgelt ständig an ihm herum. Dabei meint es Enno keineswegs böse und er will doch nichts anderes, als von seinen Mitmenschen gemocht zu werden. Doch zum Glück hat Enno Olsen, seinen besten Freund. Dank ihm erkennt Ennos Mutter endlich, was wirklich mit ihrem Sohn los ist.

"Enno Anders. Löwenzahn in Asphalt" ist ein berührendes und ergreifendes Kinderbuch über einen ganz besonderen Jungen. Enno fällt es schwer, sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Ständig driften seine Gedanken ab, schweifen zu nebensächlichen Dingen ab und verweilen dort. Doch stimmt deswegen etwas mit ihm nicht? Leidet er unter einer Entwicklungsstörung, der nur mit Therapien und Medikamenten beizukommen ist? Das befürchtet zumindest seine Mutter. Denn wenn es nach ihr ginge, soll Enno in wenigen Monaten von der Grundschule zum Gymnasium wechseln, da er ansonsten nicht viel im Leben erreichen wird.
Mit dieser traurigen, erdrückenden Grundstimmung beginnt das Buch. Sie zieht sich auch durch den ersten Teil der Geschichte. Enno ist anders, Enno ist falsch. Das ist es, was dem Jungen und den Lesern von der Klassenlehrerin und Ennos Mutter immer wieder signalisiert wird. Enno soll sich zusammenreißen, Enno soll so funktionieren, wie man es von normalen Kindern erwartet.
Doch Enno ist normal. Mit einer Besonderheit. Enno ist hochsensibel. Ihm gelingt es nicht wie den meisten Menschen, bestimmte Reize und Einflüsse zu ignorieren oder herauszufiltern. Im Gegenteil, für ihn werden Nebensächlichkeiten und Unbedeutendes wichtig. Darauf konzentriert er sich - und verliert aus dem Auge, was für andere wichtig ist. Doch Enno meint dies nicht böse. Seine Stärken liegen woanders, doch in unserer vom Leistungsdruck geprägten Gesellschaft ist kein Platz dafür. Zum Glück hat Enno einen sehr guten Freund, der ebenfalls anders ist. Olsen ist Hochbegabt, stört sich aber kein bisschen an Ennos Verhalten. Im Gegenteil, er kann sehr gut damit umgehen und ist letztendlich auch derjenige, der seinem Freund und dessen Eltern hilft, den richtigen Weg zu finden.
Astrid Frank spricht in diesem Kinderbuch erneut ein brisantes und aktuelles Thema an. Eigentlich sind es mehrere Themen, die sie hier zu Sprache bringt. Neben der Hochsensibilität, die immer mehr ins Blickfeld rückt und für deren wissenschaftliche Anerkennung gearbeitet wird, ist es auch das Thema Leistungsdruck für unsere Kinder. Wie eingangs erwähnt, beginnt Förderung immer früher. Bereits in Kinderkrippen und -gärten ist unser Nachwuchs Leistungsdruck ausgesetzt, wenn Fremdsprachenkurse, Musikkurse und Mathekurse besucht werden sollen. Das wird in der Schule natürlich intensiviert und ab einem gewissen Punkt zählen für Eltern nur noch Erfolge, Erfolge, Erfolge. Für das Kindsein ist dann kein Platz mehr. Unter diesem Druck leidet Enno natürlich besonders und Astrid Frank bringt das großartig in ihrer Geschichte rüber.

"Enno Anders. Löwenzahn im Asphalt" ist ein berührendes und bewegendes Kinderbuch. Es erzählt von einem Jungen, dessen einziger Fehler es ist, bestimmte Reize nicht ausblenden zu können. Anstatt Verständnis wird ihm oftmals Unverständnis entgegengebracht. Mit ihrem Kinderbuch schlägt die Autorin eine Brücke zwischen unserer Welt der Wahrnehmung und der von hochsensiblen Kindern. So ist dieses Buch nicht nur für Leser zwischen neun und elf Jahren geeignet, sondern auch für uns Erwachsene.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Genre:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    03/2017
  • Umfang:
    158 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    9 Jahre
  • ISBN 13:
    9783825151225
  • Preis:
    14,90 €

Bewertung

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