Ein Seemann namens Ozean

von Louise Heymans
Rezension von Janett Cernohuby | 09. März 2020

Ein Seemann namens Ozean

Wasser besitzt eine unglaubliche Kraft. Das weiß jeder, der in der Nähe eines großen Flusses oder gar des Meeres wohnt und oft miterlebt hat, wie sich die Wassermassen mit gewaltiger Kraft ihren Weg bahnen und dabei anschwemmt oder wegspült, was ihnen auf der Reise begegnet. Etwas ganz ungewöhnliches entdeckt Jonas in dem vom Hochwasser überfluteten Keller seines Hauses.

Vom Hochwasser angespült

Endlich hat der starke Regen aufgehört. Wie Sturzbäche kam das Wasser herunter und verwandelte die Straßen in Seewege. Nun zieht es sich langsam zurück, hinterlässt glitzernde Pfützen auf den Straßen und Wasserlacken in den Kellern. Neugierig geht Jonas hinaus und schaut, was das Wasser alles angespült hat. Da hört er ein seltsames Geräusch aus dem Keller seines Hauses. Er steigt hinab und macht dort eine ungewöhnliche Entdeckung. In einem Wandkasten hat sich ein winzig kleiner Mann einquartiert. Er stellt sich als Herr Ozean vor. Noch in der Nacht war er mit seinem Schiff auf dem Meer unterwegs, doch das Unwetter hat ihn hierher gespült. Jonas und Herr Ozean werden gute Freunde. Doch mit der Zeit wächst bei Herrn Ozean die Sehnsucht nach dem Meer und er wünscht sich nichts sehnlicher, als ein neues Schiff zu finden, mit dem er hinaussegeln kann.

Außergewöhnliches Bilderbuch

Louise Heymans erzählt mit „Ein Seemann namens Ozean“ eine Geschichte für Kinder, die so fantasievoll und ungewöhnlich ist, wie das Seemannsgarn, welches Seeleute spinnen. Es ist eine Freundschaftsgeschichte mit mehreren Ebenen. Wir haben die sich entwickelnde Freundschaft zwischen Jonas und dem kleinen Seemann, aber auch eine sich anbahnende Freundschaft zwischen Jonas und zwei Kindern aus der Nachbarschaft. Dazwischen liegt viel Charme, Herzenswärme und eine einzigartige Atmosphäre. Wortgewaltig beschreibt Louise Heymans die Begegnung zwischen dem Kind und dem kleinen Seemann, der etwas klabauterhaftes an sich hat. Vielleicht ist er ja auch der Kobold der Seefahrer, der schließlich nicht nur kommt, wenn sich ein Unglück ankündigt, sondern auch, um in schwierigen Lagen zu helfen. Und Hilfe braucht Jonas auf jeden Fall, denn zwischen den Zeilen erfahren wir, dass er erst seit kurzem in die Gegend gezogen ist, noch keinen Anschluss gefunden hat und sich daher alleine fühlt. Doch das spricht die Autorin nicht direkt an. Sie erwähnt es lediglich in einem Nebensatz. So verfährt sie mit vielen Dingen. Sie behält vieles zurück, deutet Dinge nur an und überlässt es der Aufmerksamkeit und der Vorstellungskraft der Leserschaft, sich zusammenzuweben was nicht genau beschrieben wird.

Dabei helfen natürlich auch die Illustrationen, die grandios und sehr emotional sind. Entstanden sind die Bilder mit einer besonderen Schabtechnik mit Gouachefarben, transparenten Folien und Radiernadeln. Herausgekommen sind nostalgisch anmutende Bilder, deren entsättigte Farben die Stimmung des Betrachters stark beeinflussen. Es sind unglaublich traurige Bilder, was die Einsamkeit des Jungen und Sehnsucht des Seefahrers betont. Wir sehen in glasige Augen und warten darauf, dass sie jeden Moment zu weinen beginnen. Da bringt das zaghaft eingefügt Grün der letzten Motive Hoffnung mit, ebenso das Leuchten in den Gesichtern der Kinder, wenn sie im gemeinsamen Spiel auf große Seefahrt gehen.

Ein Seemann namens Ozean

„Ein Seemann namens Ozean“ von Louise Heymans ist ein poetisches Kinderbuch über das Knüpfen von Freundschaften. Seine Handlung und Figuren sind ungewöhnlich, die Sprache atmosphärisch dicht und die Illustrationen emotional berührend. Alles zusammen bringt ein Bilderbuch hervor, das tiefgründig und anspruchsvoll ist.

Details

  • Autor/-in:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    01/2020
  • Umfang:
    48 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    4 Jahre
  • ISBN 13:
    9783942795609
  • Preis:
    22,00 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Gefühl:
  • Illustration:

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