Die Abenteuer des kleinen Muck

von Wilhelm Hauff, Erhart Bauch (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 22. August 2018

Die Abenteuer des kleinen Muck

Einige Märchen erfreuten sich zwar großer Beliebtheit, scheinen aber im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten zu sein. Wie schön ist es dann, sie in einer Neuauflage wiederzuentdecken. Das trifft auch auf Wilhelm Hauffs "Die Abenteuer des kleinen Muck" zu, das im Sommer 2018 neu aufgelegt wurde.

In einer Stadt im Morgenland

Einst lebte in einer Stadt im Morgenland ein alter Mann. Wegen seines Aussehens wurde er oft zum Gespött der Kinder. Doch eines Tages erzählte er ihnen seine Lebensgeschichte. Seine Eltern waren früh gestorben und so zog er schon als Kind auf der Suche nach einer Anstellung umher. Zunächst versorgte er bei einer alten Frau deren Hunde und Katzen. Dort fand er ein seltsames Paar Pantoffeln und einen geheimnisvollen Gehstock. Mit den Pantoffeln konnte er so schnell wie der Wind laufen und das Stöckchen verriet ihm, wo Gold und Silber vergraben waren. Zunächst verhalfen ihm die Pantoffeln zu einer guten Anstellung beim Sultan und der Gehstock sorgte dafür, dass er Gold fand. Doch der Neid der anderen ließ nicht lange auf sich warten und Muck wurde mit Schimpf und Schande davongejagt. Doch die Gelegenheit, es dem Sultan und seinem Hofstaat heimzuzahlen, bot sich schon bald…

Ein Märchen als Parabel

"Die Abenteuer des kleinen Muck" gleicht in seiner Art den Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Nicht nur weil es vor orientalischer Kulisse spielt, sondern weil es, ähnlich wie Tausendundeine Nacht, ein Märchen innerhalb einer Rahmenhandlung ist. Es stammt aus Hauffs Märchen-Almanach aus dem Jahr 1826, in dem die Teilnehmer einer Karawane sich gegenseitig Geschichten erzählen, um die Langeweile zu vertreiben.
Wie es oft der Fall ist, will auch dieses Märchen nicht nur unterhalten, sondern eine Botschaft mit auf den Weg geben. In dieser geht es um Äußerlichkeiten und dass man Menschen nicht danach beurteilen soll. Denn auch wenn jemand kleinwüchsig und körperlich beeinträchtigt ist, kann er dennoch viel vollbracht und ein aufregendes Leben gehabt haben. Eben wie der kleine Muck.
Wir treffen in der Erzählung auf viele typische Märchenelemente. Etwa die alte Frau, bei der Muck zunächst die Tiere versorgt, und wo seine Entlohnung aus den Zauberschuhen und dem Zauberstock besteht - wenngleich man natürlich einräumen kann, dass Muck sie sich ungefragt nimmt. Durch diese Dinge und seine Schlauheit erhält er eine hohe Anstellung beim Sultan, der - ebenfalls wie so oft im Märchen - recht einfältig, dümmlich und ungerecht wirkt. Seine Strafe folgt am Schluss, als ihm durch den Verzehr bestimmter Feigen lange Nase und Ohren wachsen und Muck ihm das Gegenmittel verweigert.
Das Märchen wird von zahlreichen Bildern begleitet. Sie erzählen eindrucksvoll die Geschichte auf ihre Art nach. Dabei leuchten dem Betrachter kräftige Farben entgegen. Zudem sind die Figuren und Orte selbstverständlich im orientalischen Stil gezeichnet. Bild und Text harmonieren wunderbar miteinander.

"Die Abenteuer des kleinen Muck" ist ein gelungenes Bilderbuch mit dem bekannten Märchen von Wilhelm Hauff und den Illustrationen von Erhart Bauch. Das unterhaltsame Märchen begeistert Kinder und die vielen Illustrationen fesseln ihren Blick.

Details

Bewertung

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