Der Wal in der Wanne

Antolin Quiz
von Kylie Westaway, Tom Jellett (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 13. April 2016

Der Wal in der Wanne

Es gibt Alltagsthemen mit Kindern, die sich als ähnliches Drama durch alle Familien ziehen. Dazu gehört auch das allabendliche Waschen und Baden. Diese kleine, unscheinbare Tätigkeit kann zu ausufernden Grundsatzdiskussionen führen. Die Autoren Kylie Westaway und Jom Jellett haben sich dem Thema angenommen und es erfrischend anders umgesetzt. Herausgekommen ist das Bilderbuch "Der Wal in der Wanne".

Es ist Abendzeit und Bruno soll in die Wanne. Das würde er auch gerne, nur leider gibt es da ein kleines Problem. Die Wanne ist bereits besetzt - und zwar von einem riesigen Wal. Seine Mama und seine Schwester verdrehen nur die Augen und sagen Bruno, er soll nicht immer irgendwelche Geschichten erfinden. Sein Bruder rechnet ihm vor, dass es wissenschaftlich umöglich sei und auch Papa, der gerade von der Arbeit nach Hause kommt, ist nicht vom Wal in der Wanne zu überzeugen. Da hilft Bruno wohl nur eins: Er muss den Wal bitten, ihm Platz zu machen. Keine einfache Aufgabe.

Warum es jedes Mal ein Drama rund ums abendliche Waschen und Baden gibt, wird wohl ein ungelöstes Mysterium bleiben. Ebenso der Umstand, dass Kinder, wurden sie einmal zu ihrem Glück gezwungen, dann nicht mehr aus der Wanne heraus wollen.
Bei Bruno ist das jedoch ein bisschen anders. Er würde schon gerne in die Badewanne, aber die ist nun mal besetzt. Und egal wie sehr er den Wal davon zu überzeugen versucht, er will nicht weichen.
Real oder Vorstellung? Das bleibt der kindlichen Fantasie überlassen und die darf hier ganz frei sein, sich entfalten und den gewebten Faden weiterspinnen. Am Ende bekommt Bruno auf jeden Fall seine Portion Wasser und der Wal kann sich auch in Ruhe seine Seepocken waschen. Bleibt nur zu hoffen, dass der Rest der Familie nicht auch noch ins Badezimmer möchte.
Neben der witzig-spritzigen Geschichte können auch die Illustrationen punkten. Großflächig und überschäumend sprudeln sie auf den kindlichen Betrachter ein. Ein Wal in der Badewanne, das ist doch völlig unmöglich, die ist doch viel zu klein. Daher sieht man den Wal auch nie im Ganzen, eine Schwanzflosse, ein Stück Körper hat stets nicht mit aufs Papier gepasst. Aber es ist ja auch ein Wunder, dass der riesige Wal überhaupt in die Badewanne schafft. Genau darüber staunen Kinder, wenn sie die Bilder betrachten. Es fasziniert sie, den riesigen Meeressäuger in der kleinen Wanne zu sehen, und es regt ihre Fantasie an. Wie ist er wohl dorthin gekommen? Wie kommt er wieder zurück ins Meer?
Neben den wunderbaren Illustrationen fällt auch die Typografie ins Auge. Die Worte springen und platschen genauso durch den Text, wie das Wasser durchs Badezimmer. Durch den Einsatz von größeren, schattierten oder fett gedruckten Worten lebt die Schrift und selbst Kinder, die noch nicht lesen können, wird klar, dass diese Stelle etwas Besonderes zum Ausdruck bringen will.

"Der Wal in der Badewanne" ist ein feucht-fröhlicher Lesespaß für alle kleinen und großen Badewannenfreunde und -verweigerer. Die Autoren Kylie Westaway und Tom Jellett sind das Thema "abendliches Waschen" einmal ganz anders, spritziger angegangen. Mit ihrem Bilderbuch veröffentlichten sie ein Plädoyer für die kindliche Fantasie, zeigen aber dennoch, dass Baden gehen dazu gehört. So gewinnen am Ende beide Seiten - und für die dritte, die Leser, gibt es einen tollen und unterhaltsamen Bilderbuchspaß!

Details

Bewertung

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